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Weddinger Kinder gehen baden

 

Leserfoto, Quelle: Mirko

Leserfoto, Quelle: Mirko

Schillerpark-Plansche blieb im Juni gesperrt

Viele Weddinger Eltern fragen sich Jahr für Jahr, wenn im Frühjahr das Thermometer in den sommerlichen Bereich steigt, wann denn die Wasserspielplätze des Bezirks eröffnet werden. Nun teilt das Bezirksamt Mitte mit, dass die Saison der Kinderplanschen im Goethepark (am Dohnagestell) und im Schillerpark (Dubliner Ecke Barfusstr.) am 31. Mai eröffnet wurde. Beide Planschen werden grundsätzlich bei Temperaturen ab 25 Grad von 10 bis 18.00 Uhr betrieben. Die Temperaturvorhersage der RBB-Abendschau vom Vortag ist dabei maßgeblich. Allerdings beginnt der Badebetrieb im Goethepark wegen einer automatischen Steuerung erst, wenn die Mindesttemperatur tatsächlich erreicht ist. Und wenn Gewitter oder Stürme vorhergesagt werden, findet sicherheitshalber gar kein Badebetrieb an den Kinderplanschen statt.

Aufgrund von Vandalismusschäden konnte der Betrieb der Plansche im Schillerpark aber erst im Juli aufgenommen werden. Unbekannte hatten die 2011 für 450 000 Euro sanierte Schillerpark-Plansche kaputtgemacht und drei Sprühköpfe abgetreten, schreibt die Berliner Woche.  Mindestens 12 000 Euro kostet die Reparatur, wie Jürgen Götte vom Grünflächenamt der Berliner Woche sagte. Die Teile mussten jetzt neu angefertigt werden. Das Geld nimmt der Bezirk aus seinen Unterhaltsmitteln für Grünflächen.

Bleiben noch das Strandbad Plötzensee, das Kombibad Seestraße und das Sommerbad Humboldthain. Hier muss man allerdings Preise zwischen 4,00 und 5,50 Euro pro Erwachsenem einkalkulieren…

Drei Freibäder im Wedding – aus drei Bauepochen

Der Wedding ist mit seinen drei Freibädern in einer Entfernung von maximal zwei Kilometern vom Leopoldplatz nicht nur gut ausgestattet. Wer sich dort umschaut, lernt auch noch Interessantes über die Weddinger Geschichte.

Einst eine Militärbadeanstalt

Sommer im PlötzenseeDas älteste noch in Betrieb befindliche Freibad des Wedding liegt am Plötzensee und kann sich auf den Begründer der Berliner Badetradition Ernst von Pfuel berufen. Eine der von ihm errichteten Militärbadeanstalten, meist aus Pfählen im Wasser gebaut und mit hohen Wänden als Sichtschutz, befand sich am Ostufer des Plötzensees. Zu dieser Zeit wurde das gefrorene Wasser des Sees im Winter geschnitten und durch die dortigen “Norddeutschen Eiswerke” vertrieben, während der Dünensand als Baumaterial oder Zusatz zu Scheuermitteln im Handel Absatz fand. Das in den 1920er Jahren errichtete und heute denkmalgeschützte Strandbad verdankt sich auch den 1925 aufgrund des katastrophalen bakteriologischen Zustandes geschlossenen 18 Berliner Flussbadeanstalten. Allerdings auch den veränderten Moralvorstellungen, denn seit dieser Zeit war es nicht mehr notwendig, den Körper vor den Augen des anderen Geschlechtes komplett zu verhüllen oder zu verstecken. Heute bietet das Bad neben dem Strandkorbvergnügen in einer bewachsenen Dünenlandschaft weite Liegewiesen mit schattigen Plätzen.

Im Schatten des Bunkers

Sommerbad Humboldthain SchildAls vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg die ersten Badegäste im Sommerbad Humboldthain ihre Runden drehten, konnten sie zusehen, wie der von italienischen Arbeiter im Krieg zwangsweise errichtete und militärisch völlig unnütze Flakbunker nun mit Trümmerschutt verfüllt und begrünt wurde. Da stellte sich manchem die Frage, ob die Architekten des Wiederaufbaus ihre Pläne bereits in den Bombennächten des Krieges gezeichnet hätten. Von der einstigen Fünfziger-Jahre-Architektur mit der romantisch klingenden Gaststätte »Lido« ist heute allerdings nichts mehr zu erahnen, hier herrscht der Chic der 1980er.

Funktional und beliebt

Quelle:in-berlin-brandenburg.com

Quelle:in-berlin-brandenburg.com

Im selben Flair erstrahlt auch das dritte Weddinger Badeanstalt, das Kombibad Seestraße. Es ist so funktional gestaltet, dass die Kabinen des Bademeisters mit dem Wachturm eines modernen Gefängnisses verwechselt werden könnten. Das Bad bildet mit anderen Freizeiteinrichtungen eine städtebauliche Barriere zwischen dem gewachsenen Altbaukiez um die Malplaquetstraße einerseits, und andererseits dem vorstädtischen Siedlungsgebiet der 1960er Jahre mit seinen liebevoll gestalteten Vorgärten und sauberen Straßen. Mit bis zu 8.000 Besuchern, die bei sonnigen Tagen hier eine Abkühlung suchen, entwickelt sich das Badevergnügen hier manchmal eher zu einer Stehparty im Pool.

Neben dem Jugendstil-Häuschen

Die Kinder haben ihren Spaß an der alt-neuen Plansche im SchillerparkWer es entspannter haben möchte, setzte sich an die seit Sommer 2012 wieder betriebene erste Berliner Kinderplansche an der Schillerpark-Siedlung aus den 1920er Jahren. Bildungshungrige finden in einer 1915 im Jugendstil errichteten Bedürfnisanstalt eine Ausstellung über die Siedlungen der klassischen Moderne in Berlin. Kalte Erfrischungsgetränke mit und ohne Alkohol sind in einem Kleinrestaurant auf der anderen Seite des Pavillons zu bekommen.

Autor: Eberhard Elfert
zuerst erschienen in der “Ecke Müllerstraße”, Mai/Juni 2012

Weddingwoche #32: Nasse Füße im Wedding

Strandbad PlötzenseeEine unserer wichtigsten Straßen erinnert uns nicht nur im Hochsommer daran, wie viel Wasser es im Wedding gibt: die Seestraße. An ihrem östlichen Ende befindet sich das derzeit wohl beliebteste „Gewässer“ des Ortsteils, das Frei- und Hallenbad Seestraße. Und im Westen liegt der Namensgeber der Straße, der 740 Meter lange und 7 Hektar große Plötzensee. Für die Architektur des Strandbades aus dem Jahr 1928 dürften allerdings wohl die wenigsten Besucher ein Auge haben, denn was kann im Moment schon mit dem weißen Sandstrand des Sees konkurrieren?

Wer den Wedding in diesen heißen Sommertagen nur für eine aufgeheizte Steinwüste hält, kennt sich einfach nicht gut genug aus. Wir haben nämlich auch noch den Möwensee, den Entenpfuhl und den Sperlingssee im Volkspark Rehberge. Und quer durch den Ortsteil fließt seit Menschengedenken die gute alte Panke. Da kann man allerdings ebenso wenig die Füße hineinhalten wie in den Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal. Für Abkühlung bietet sich da dann schon eher die hochmoderne Kinderplansche im Schillerpark an. Dem Sponsoren sei Dank, dass die jetzt endlich in Betrieb ist und große und kleine Weddinger nasse Füße bekommen.

Unsere Kolumne “Weddingweisers Woche” erscheint jeden Samstag in der Bezirksausgabe Wedding des Berliner Abendblatts.

Die Seestraße: Rauschen, aber kein Sandsturm mehr

Genug Platz für Autos, Trams und Mittelpromenade

Genug Platz für Autos, Trams und Mittelpromenade

Drei Kilometer führt die Seestraße durch den Wedding. Wenn eine Straße die Bezeichnung Achse verdient, dann dieser breite Boulevard mit dem grünen Mittelstreifen, der sogar für Berliner Verhältnisse ausgesprochen großzügig angelegt wurde. Ihren Namen erhielt die Straße erst 1827. Doch an einen See denkt man am allerwenigsten, wenn man heute auf ihr fährt oder sie überquert. Statt vom Wind, der über den namensgebenden Plötzensee streicht, kommt das Rauschen eher vom ständig fließenden Verkehr, denn die Seestraße ist Teil des Straßenrings rund um die Berliner Innenstadt. An ihrem westlichen Ende wird sie, kaum dass sie den Plötzensee seitlich liegen lässt, ohne auch nur einen Knick zu machen, gar zur Stadtautobahn. Bei einer Fahrt auf der Seestraße kann man allenfalls noch einen kurzen Blick auf den tief eingeschnittenen See erhaschen, bevor dann der Berlin-Spandauer-Schiffahrtskanal überquert wird. Es gab auch einmal einen Kleinen Plötzensee (auf Höhe der Sylter Straße). Dieser wurde aber 1848 zugeschüttet, als der Kanal angelegt wurde.

Wann entstand die schnurgerade Seestraße?

Foto: D_Kori

Foto: D_Kori

Im frühen 18. Jahrhundert hatte man wohl von beiden Enden der Seestraße einen Schlösserblick. Im Westen auf Schloss Charlottenburg, im Osten auf Schloss Schönhausen. Der erste König Preußens, Friedrich I., ließ den Weg anlegen, um die Schlösser direkt miteinander zu verbinden. Denn das Projekt, einen schiffbaren Wasserweg zwischen beiden Residenzen zu schaffen, war nie fertiggestellt worden- so blieb der Panke Schiffsverkehr erspart. Der Weg verlief damals noch weit außerhalb der Mauern Berlins durch die sandige und bewaldete Jungfernheide. Die Kreuzung mit der Müllerstraße, damals eine der ersten Chausseen Preußens, gab es damals schon. Doch bis 1900 stand kaum ein Haus an der kargen Heidelandschaft, deren loser Sand den Anwohnern in die Häuserritzen geflogen wäre. Legendär war das von Ida Hoppe am Eckernförder Platz etablierte Ausflugslokal – zumindest das wäre an diesem heute noch immer unbebauten grünen Fleckchen immer noch denkbar. Anders das östliche Ende: statt wie heute am Kombibad abzuknicken, führte die alte Seestraße durch die heutige Reginhardstraße über Schönholz, um dann am Park Schönhausen zu enden.

Die Seestraße wird zum Teil einer Ringstraße

Prachtvolles Boulevardhaus an der Seestraße

Prachtvolles Boulevardhaus Ecke Lüderitzstr.

Die Stadt rückte der Seestraße immer mehr auf den Pelz – 1861 wurde der Wedding nach Berlin eingemeindet. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts änderte die Seestraße ihr Gesicht in vielerlei Hinsicht – sie wurde zum Teil des Straßenrings, wie wir sie heute kennen. Zuerst entstanden ab 1890 Forschungsinstitute, zehn Jahre später die Krankenhausstadt des Virchow-Klinikums. Gerade entsteht ein Laborgebäude des Robert-Koch-Instituts und führt die Forschungstradition dieses Teils des Weddings weiter. Seit 1901 endet die Straße am heutigen Louise-Schroeder-Platz, knickt nach Osten ab und geht als Osloer bzw. Bornholmer Straße in Richtung Prenzlauer Berg. 1957 wurde dann aus dem abgeschnittenen Stück Seestraße die Reginhardstraße.

Grün trotz Straßenbahn

Grün trotz Straßenbahn

Vor allem die Breite der Seestraße war ausschlaggebend für die (zaghafte) Rückkehr der Straßenbahn in den Westteil Berlins. Dort war das vermeintlich unmoderne Verkehrsmittel 1967 abgeschafft worden. In zwei Etappen wurde auf ihrer gesamten Länge im Mittelstreifen bis 1997 eine zweigleisige Schnellstraßenbahnstrecke angelegt, die mit einer Wendeschleife am Eckernförder Platz endet. Seither rasen hier die Trams in Richtung Osten am Dauerstau vorbei – und manch’ einen unvorsichtigen Fußgänger hat die schnelle Bahn schon das Leben gekostet.

Pralles Leben an der Ecke Müllerstraße

Die Ecke schlechthin, mit dem Kino Alhambra

Die Ecke schlechthin

Genau in der Mitte der 3,2 Kilometer langen Seestraße liegt auch der gleichnamige U-Bahnhof. Die U-Bahn führt seit 1923 unter der Müllerstraße hindurch. Die Seestraße war bis 1956 Endpunkt der Nordsüd-U-Bahn, wo man in die Straßenbahnen in Richtung Norden umsteigen musste. Nach Tegel geht es heute mit der U-Bahn weiter, doch auch wer an der Seestraße aussteigt, bekommt hier noch das pralle Leben: Restaurants, Geschäfte und ein Multiplex-Kino sorgen an der bekanntesten Ecke des Weddings dafür, dass an der Seestraße 24 Stunden lang Leben ist – und nicht nur das Rauschen des Verkehrslärms.