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Das war 2011 im Wedding
Seit 150 Jahren, also seit 1861, gehört der Wedding zur Stadt Berlin. Gesichtslos und belanglos ist der Wedding dadurch nicht geworden: Noch immer kennzeichnen den Ortsteil einige Besonderheiten, die ihn im Berliner Stadtraum von anderen Bezirken unterscheiden.
Im Jahr 2011 zeichneten sich einige Veränderungsprozesse in Berlin-Wedding ab. Die Müllerstraße steht durch das Programm “Aktive Stadtzentren” im Fokus der Stadt- und Verkehrsplaner. Mit einem Geschäftsstraßenmanagement wird versucht, den schleichenden Niedergang der Straße, der sich auch 2011 fortgesetzt hat, aufzuhalten. Außerdem soll die Attraktivität der Müllerstraße als Einkaufsstraße erhöht werden. Die Betonkübel sind schon verschwunden. Die ersten Umbaumaßnahmen im Straßenverkehr werden 2012 starten, allerdings nur im Bereich der südlichen Müllerstraße. Immerhin: die Firma Karstadt ist gerettet, und auch der Standort am Leopoldplatz soll nicht geschlossen werden. Das C&A-Kaufhaus hingegen hat nach 32 Jahren geschlossen – mit noch nicht absehbaren Folgen für die übrige Geschäftswelt im Wedding. Auch der Umbau des Leopoldplatzes schreitet voran: die Trinkerszene wurde in einen sichtgeschützten Bereich zwischen den beiden Kirchen verlagert. Promenaden und Spielplätze haben eine Runderneuerung erfahren.
Im September fand das erste Wedding-Kulturfestival statt. Ein ganzes Wochenende lang konnten Einwohner und Besucher die ganze kulturelle Vielfalt des Ortsteils kennenlernen.
Schlagzeilen hat der Schillerpark im Jahr 2011 gemacht: im August explodierte eine Rohrbombe in einer Plastiktüte und verletzte einen Spaziergänger schwer. Sechs Wochen später wurde ein 44-jähriger dringend Tatverdächtiger aus dem Wedding festgenommen, der auch weitere Sprengsätze im Ortsteil gelegt haben soll. Positiv fiel der Schillerpark auch auf: im September wurde die Kinderplansche im neu wiederhergestellten Nordostteil des Parks an der Bristolstraße eingeweiht.Das Weltkulturerbe Siedlung Schillerpark hat nicht nur ein würdigeres Entrée, sondern endlich auch Gastronomie bekommen: im ehemaligen Toilettenhäuschen an der Dubliner Straße befindet sich jetzt ein Park-Café.
Zu erwähnen ist noch, dass in diesem Jahr die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Berlin-Mitte neu gewählt wurde. Der bisherige Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke von der SPD ist auch der neue – er wurde mit den Stimmen der CDU wiedergewählt.
Müllerstraße: Großer Boulevard mit Lackschäden
Die Müllerstraße, die über drei Kilometer lange, unangefochtene Hauptschlagader des Wedding, besitzt noch die Breite eines richtigen Boulevards. Ihr bescheidener Anfang als Sandpiste zwischen Tegel und Berlin ist ihr nicht mehr anzusehen. Wie andere Magistralen anderer Weltstädte führt sie schnurgerade aus den Vororten direkt ins Herz der Innenstadt. Die Namen ihrer Verlängerungen, Chausseestraße und Friedrichstraße, haben auch überregional einen guten Klang. Unter dem Asphalt befördert die U-Bahn Pendler und Touristen in die City und wieder heraus. An der Seestraße und am Leopoldplatz ist zu jeder Tageszeit etwas los, und auch diese Kreuzungen liegen an der Müllerstraße. Verschwunden sind die Windmühlen, die ihr den etwas banal klingenden Namen gaben. Aber auch die Zeiten, in denen Tausende hier auf dem “Ku’damm des Nordens” entlangbummelten und einkauften, sind längst vorbei. Fachgeschäfte und Kaufhäuser waren bis in die 1990er Jahre das, was heute die Shoppingcenter am Gesundbrunnen und in Tegel darstellen – und der Müllerstraße heute an Kaufkraft abziehen. Nur dass eine sich ständig wandelnde Einkaufsstraße unter freiem Himmel, zumal mit tosendem Verkehr, um Längen urbaner ist als Einkaufszentren, die überall auf der Welt gleich aussehen. In die leer stehenden Geschäfte mit einst klangvollen Namen sind viele türkische Spezialitätenläden, aber auch Spielcasinos und Ein-Euro-Geschäfte gezogen. Einige wenige Leuchttürme sind aber geblieben, darunter die Karstadt-Filiale direkt am Leopoldplatz.
Ganz unten: die südliche Müllerstraße
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An der Müllerstraße reihen sich die wenigen Sehenswürdigkeiten, die der Wedding besitzt, wie auf einer Perlenkette aneinander. Hat man den Industriestandort Bayer an der Ecke Fennstraße und den Ringbahnhof Wedding hinter sich gelassen, geht in der Häuserfront die in der rheinischen Romanik gestaltete St.Josephkirche, neben der Zentrale der Berliner SPD, beinahe unter. Die gegenüber liegende Agentur für Arbeit, ein schöner 50er-Jahre-Bau, ist da ein wesentlich markanteres Gebäude. Viel ist im Zweiten Weltkrieg von der gründerzeitlichen Bebauung nicht stehengeblieben.
Richtig geschäftig wird es wieder am Leopoldplatz. Gleich zwei Nazarethkirchen gibt es dort – die alte, schlichte turmlose Kirche noch von Schinkel im Jahr 1835 erbaut, die neue, protzig-höhere Kirche aus dem Jahr 1893 , gleich dahinter. Der vor den Kirchen liegende Platz ist Standort des ältesten Ökomarkts Berlins. Doch die Grünanlage, die sich einen halben Kilometer lang in nordöstlicher Richtung an den Platz anschließt, heißt ebenfalls Leopoldplatz und ist die grüne Lunge für mehrere Nachbarviertel. Mit neuen Spielplätzen und einer landschaftsgärtnerischen Gestaltung wird der Leopoldplatz derzeit aufgewertet. Doch auch gesellschaftliche Randgruppen, wie die Trinkerszene, finden einen Platz auf dem ausgedehnten Gelände.
Auf der westlichen Seite der Müllerstraße erkennt man hinter einem kleinen Vorplatz den Neubau des “Rathaus Wedding“, einen – typisch für die Zeit – schlichten Betonbau. Das an der Straße gelegene Backsteingebäude des Rathauses aus den 1920ern besitzt ebenfalls eine schlichte Eleganz. Der Abschnitt zwischen dem Leopoldplatz und der Seestraße ist unbestritten das lebendigste Teilstück der Straße. Viele Geschäfte, ein kleines Einkaufszentrum und einige bekannte Filialisten – von denen einer nur zufällig “Drogerie Müller” heißt – prägen hier das äußerst urbane Bild. An der Seestraße kreuzt nicht nur der zur Autobahn führende Straßenring um die Innenstadt, sondern auch die bislang einzige Straßenbahnstrecke im alten West-Berlin. Hier befindet sich auch das Kino Alhambra, heute ein modernes Multiplex-Filmtheater, das aber auf eine lange Geschichte zurückblickt.
Eine Straße als Sanierungsfall
Auch der oberflächliche Besucher von Weddings Boulevard merkt schnell: Der Lack ist ab. Die Müllerstraße hat zwar eine fantastische Lage in der nördlichen Innenstadt, mit einer herausragend guten Verkehrsanbindung in Autobahnnähe, mehreren U-Bahn-, Straßenbahn- und Buslinien.
Jedoch ist es an der Zeit, die Attraktivität der Straße zu erhöhen. Mit dem Programm “Aktives Zentrum Müllerstraße” versuchen der Bund und das Land zu retten, was zu retten ist. Seit 2011 ist die Müllerstraße Berlins größtes Sanierungsgebiet. Jetzt heißt es wegkommen von der 1970er-Jahre-Optik mit sperrigen Geländern in der betongesäumten Straßenmitte, Zementkübeln auf dem Gehweg und den plumpen Peitschenlampen. Ein Geschäftsstraßenmanagement soll die verbliebenen Einzelhändler miteinander vernetzen und Entwicklungen steuern. Radspuren sollen den Oberflächenverkehr entzerren, während die Gehsteige mit einer attraktiveren Gestaltung zur Erhöhung der “Verweildauer” potenzieller Kunden einladen sollen. Dass sich auch die Schaufenster wieder mit attraktiven Waren füllen, kann aber auch das beste Management nicht erzwingen.
Im Norden geht die Müllerstraße auch bergab
In Richtung Norden steigt die Müllerstraße aus dem “tiefen Wedding” in etwas bürgerlichere Gefilde. Gleich zwischen zwei großen Parks verläuft die Ausfallstraße hier. Einige pompöse Eckhäuser aus der Kaiserzeit mit Erkern und Türmchen bezeugen die aufstrebenden Pläne, die man mit dieser Gegend am Rand der alten Stadt Berlin hatte. Auf der westlichen Seite liegt das Afrikanische Viertel,das auf der östlichen Seite liegende Gebiet zum Schillerpark hin ist das Englische Viertel. Heute ist aber auch hier die lokale Geschäftsvielfalt bedroht. Einst ein kleines Nahversorgungszentrum, ist die “Müllerhalle” nur noch ein Abklatsch der einst lebendigen Markthalle. Einige wenige Händler harren in der halb leeren dunklen Halle aus und warten auf Kundschaft. In diesem Gebiet grenzt die Müllerstraße an ruhige Wohngebiete in Parknähe. Nur hinter dem Häuserblock Ungarn-, Edinburger-, Türken- und Müllerstraße versteckt sich eine riesige U-Bahn-Hauptwerkstatt aus den 1920er Jahren. Einige hundert Meter weiter nördlich befindet sich zudem ein BVG-Busbetriebshof mit sehr origineller expressionistischer Architektur, die ehemalige “Straßenbahnstadt”. Hier, kurz vor der Bezirksgrenze zu Reinickendorf, steht auch ein kleiner Eiffelturm – vor dem Centre Francais, einem 1961 errichteten französischen Kulturzentrum.
Und noch etwas ganz Besonderes verbirgt sich 200 Meter östlich der Müllerstraße: hinter dem lang gezogenen Schillerpark befindet sich mit der gleichnamigen Wohnanlage eine holländisch anmutende Siedlung der Moderne aus der zweiten Hälfte der 1920er Jahre. Seit 2008 besitzt das von Architekt Bruno Taut entworfene Ensemble sogar den Status “Weltkulturerbe“, den es mit fünf weiteren Siedlungen in Berlin teilt.
Unbestritten ist die Funktion der Müllerstraße als Verkehrsschneise durch den Wedding. Sie wird – auch zum Einkaufen – immer noch gebraucht, aber richtig gerne hält man sich nicht an ihr auf. Das schmälert keineswegs die Attraktivität der unmittelbar angrenzenden Viertel. Die Müllerstraße ist also ein wenig geliebtes verbindendes Element der Weddinger Kieze. Aber sie steht nicht für das weddingtypische Lebensgefühl – das findet man eher, wenn man die Müllerstraße in eine ihrer Seitenstraßen verlässt.
Daten zur Müllerstraße:
- Länge: 3,5 Kilometer
- Seit 1800 ist die Müllerstraße eine angelegte Straße. Sie führt unter anderen Namen in beiden Richtungen weiter.
- 1861 werden Wedding und Gesundbrunnen nach Berlin eingemeindet. Ab 1920 bildet der Wedding einen eigenen Bezirk in Groß-Berlin. 2001 werden Tiergarten und Wedding mit Mitte zum neuen Großbezirk Mitte zusammengefasst.
- 1907 eröffnen die Pharus-Säle in der Hausnummer 142.
- ab 1945 gehört der Wedding zum französischen Sektor von Berlin. Die französische Besatzungsmacht eröffnet 1961 das Centre Francais in der Hausnummer 74, ein Kultur- und Begegnungszentrum mit Kino und Hotel
- 2011 wird die Müllerstraße zum Sanierungsgebiet
- 2011 erscheint die Sonderpublikation “Die Müllerstraße”, herausgegeben vom Bezirksamt Mitte, vom Redaktionsteam der Zeitschrift “Der Wedding“
Schillerpark-Siedlung: kleines Juwel im Norden
Großes Interesse für eine große architektonische Leistung
Die roten Backsteine stehen ein paar Millimeter aus dem gelben Putz heraus und werfen dadurch einen kleinen Schatten – das reicht schon, um den Architekten Franz Jaschke in Begeisterung zu versetzen. „Die Wand erhält durch dieses Farbspiel ein schönes, lebendiges Bild“, erklärt der Architekt, der am Tag des offenen Denkmals eine große Besuchergruppe durch die Siedlung Schillerpark führt. Ob es nur daran liegt, dass die Wohnanlage seit 2008 als eine von sechs Siedlungen der Berliner Moderne den Status als Weltkulturerbe der UNESCO besitzt? Jedenfalls sind über vierzig Interessierte zu dieser Führung an den unscheinbaren Rand von Berlin-Mitte gekommen, so dass man manchmal Mühe hat, den Ausführungen Jaschkes akustisch zu folgen. Abgesehen vom Fluglärm, der wegen der beabsichtigten Schließung Tegels bald Geschichte sein dürfte, ist die Siedlung dennoch ein Ort der Ruhe – mit leeren Spielplätzen und aufgeräumt wirkenden Liegewiesen. Dies verwundert einen Teilnehmer der Führung am Sonntagnachmittag. Kinder fühlen sich wohl in dieser Siedlung„Wir haben einfach gute Mitbewohner“- so versucht es Claudia Templin zu erklären. Sie arbeitet bei der Wohnungsbaugenossenschaft „1892“, zu der diese Siedlung gehört. Die Mieter sind hier zugleich Genossenschaftmitglieder und mussten daher bei der denkmalgerechten Sanierung ihrer Häuser Anfang der 1990er Jahre begeistert werden, erläutert Architekt Jaschke. Dafür ist der Zusammenhalt der 600 Siedlungsbewohner umso größer und vielleicht auch das Bewusstsein dafür, in einem schützenswerten Bauensemble zu wohnen, ausgeprägter als in anderen Teilen des Ortsteils Berlin-Wedding.
Der Architekt hat sich Gedanken gemacht
Wer sich beim Anblick der zwei- bis viergeschossigen Häusergruppen an Holland erinnert fühlt, liegt richtig: Architekt Bruno Taut hatte die „Amsterdamer Schule“ eingehend studiert; auch einige Prinzipien des „Neuen Bauens“ sieht man in der Siedlung umgesetzt. Die Art, wie der Backstein vermauert wurde, hat expressionistische Züge. Man sieht der Siedlung an, dass sich der Architekt Gedanken gemacht hat. Schließlich war das Geld in den 1920er Jahren knapp und kein Quadratzentimeter Platz durfte verschenkt werden. Die schlechten Wohnverhältnisse in den gründerzeitlichen Wohnquartieren der Berliner Innenstadt – wenig Grün, wenig Licht, wenig Luft – gaben das Negativbeispiel, das Taut am Schillerpark in Berlin-Wedding unbedingt vermeiden wollte: die für Berlin so typische Blockrandbebauung wurde zugunsten freistehender, relativ niedriger Häuserriegel aufgebrochen, dazwischen liegen ausgedehnte Grünflächen. „Die öffentlichen, halböffentlichen und privaten Flächen sind optimal gegeneinander abgegrenzt“, beschreibt Franz Jaschke die Freiraumgestaltung, in die auch der gegenüberliegende Schillerpark von Berlin-Wedding einbezogen wurde. Die Geschosshöhe lässt es noch zu, dass man die Kinder auf der Wiese zum Essen rufen kann – auch das war vom Architekten so beabsichtigt. Eine Wohnung kann man bei dieser Führung nicht besichtigen – “es ist gerade keine frei”, sagt Claudia Templin von der Wohnungsbaugenossenschaft. Dies könnte man als Indiz für eine gewisse Beliebtheit der Schillerpark-Siedlung in Berlin-Wedding sehen. Das ist keine schlechte Ausgangslage für eine Weddinger Wohngegend.
Weitere Informationen über die Schillerparksiedlung in Berlin-Wedding:
Artikel auf der Website der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Senatorin sichtet Schillerpark-Siedlung
Hoher Besuch von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer beim “Welterbe-Tag” am 5. Juni 2011 im Weddinger Norden. Sie weihte eine Kinderplansche ein, hielt eine Rede an einem früheren Klohäuschen und enthüllte mehrere Informationsstelen.
Bei bestem Wetter waren hunderte Besucher gekommen. Obwohl es in Berlin fünf Siedlungen der Moderne mit Welterbestatus gibt, ist die Weddinger Schillerpark-Siedlung (Architekt: Taut) mit ihrem Amsterdam-Charme die erste mit einem touristengerechten Informationskonzept. Es gibt eine Dauerausstellung im früheren Klohäuschen, eine dauerhafte Parkgastronomie (“Schiller-Oase” = Imbiss) und Informationsstelen an mehreren Orten. Der Bezug zwischen der Siedlung und dem (älteren) Schillerpark wurde landschaftsgärtnerisch wiederhergestellt. In diesen etwas angestaubten (und sozial unauffälligen) Teil des Wedding wurde dank des Welterbestatus richtig Geld investiert. Sogar touristische Hinweisschilder stehen jetzt am U-Bahnausgang der Station Rehberge.
Im Flächendenkmal, neben dem Weltkulturerbe
Dem oberflächlichen Betrachter scheint dies nur eine ruhige Wohngegend zu sein (“schöne Ecke vom Wedding“). Tatsächlich hat diese Ecke im Norden des Bezirks Mitte viel zu bieten. Das mit dem Weltkulturerbe für die Siedlung Schillerpark dürfte sich ja mittlerweile herumgesprochen haben. Dass das Afrikanische Viertel jedoch das größte Flächendenkmal Deutschlands mit kolonialen Straßennamen werden könnte, war mir bislang neu.
„Das Afrikanische Viertel ist das größte Flächendenkmal mit kolonialhistorischem Bezug in Deutschland“, erklärt der auf die deutsche Kolonialgeschichte spezialisierte Historiker Dr. Joachim Zeller, der selbst in Namibia geboren wurde. Bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung der SPD Rehberge am Montag, den 30. Mai 2011 ist das Podium hochrangig besetzt. Das Afrikanische Viertel hat das Potenzial, die Geschichte Afrikas stellvertretend für ganz Deutschland zu erzählen, findet auch Dr. Christian Hanke, der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte. „Wedding hat sich verändert, unsere Gesellschaft ist bunter geworden“, erläutert der Lokalpolitiker und fügt hinzu: „Im Afrikanischen Viertel können wir die Geschichte Afrikas nach der Dekolonisierung weitererzählen.“
Das gefällt einigen Anwohnern nicht. Sie möchten nicht, dass ihre Straßen umbenannt werden, auch wenn es nur drei Namen von Kolonialherren betrifft, die im schwarzen Kontinent unter Missachtung einfachster Menschenrechte agiert haben. Die übrigen 23 Namen bleiben erhalten und dokumentieren Deutschlands Kolonialabenteuer, das 1918 endete.
Die Benennung der drei Straßen oder zumindest ihre historische Einordnung durch Zusatztafeln sollte keine kleinkarierten Diskussionen auslösen, wie es bei der Veranstaltung schnell hätte passieren können. Statt dessen sollte der von der Kommunalpolitik angeregte Ausbau des Afrikanischen Viertels zum – deutschlandweit einmaligen – Lern-und Gedenkort vorangetrieben werden. Lieber mit den Anwohnern als ohne sie, aber wenn es sein muss, auch mit der Umbenennung von drei Straßen.
Farbspiele aus Ziegeln und Zement
Führung anlässlich des Tags des Offenen Denkmals 2010 durch das Weltkulturerbe “Schillerpark-Siedlung”
Den Beitrag findet ihr ab sofort nur noch hier…






















