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Dem Dreck selbst etwas entgegensetzen
Der Frühling lockt die Weddinger aus ihren Wohnungen ins Grüne. Neben den Parks findet man auch auf dem Panke-Grünzug das eine oder andere schöne Fleckchen, wo man die Sonne genießen kann. Doch im Buschwerk oder am Uferstreifen zeigen sich nicht nur pflanzliche Frühlingsboten, sondern auch der ganze Müll eines Winters. Warten, dass der von allein verschwindet, kann man oft lange. Der aufmerksame Bürger kann es der Stadtreinigung überlassen, den Unrat aufzusammeln, denn die BSR hat ein Dreckeckentelefon eingerichtet und rückt an, wenn es sich so richtig lohnt. Wenn das alles nicht hilft, heißt es selbst zupacken.
“Gleich drei Putzaktionen werden wir in diesem Frühling an drei Abschnitten der Panke durchführen”, sagt Thorsten Haas von panke.info e.V. Auftakt wird die Aktion am Montag, den 16. April um 14:00 Uhr vor der Uferstraße 12 (Kino am Ufer) sein. Am Donnerstag den 19. April ebenfalls ab 14:00 Uhr wird die Wildnis vor der Bibliothek am Luisenbad, Travemünder Straße 1, gesäubert. Diese Aktion findet in Kooperation mit der Freiwilligenagentur Wedding statt. Beim anschließendem Kaffee wird der achte Geburtstag der Freiwilligenagentur gefeiert.
Dreck weg an der Panke heißt es zum Abschluss am 23. April im Rahmen der Kampagne “Schön und Gut, Sauberkeit im Soldiner Kiez”. Stadtrat Carsten Spallek nutzt den Termin, um selbst zuzupacken und somit das eine oder andere schöne Fotomotiv für die Presse zu bieten. Treffpunkt ist die Panke-Fußgängerbrücke an der Gotenburger Straße um 16:00 Uhr. Um 18:00 Uhr wird die Aktion auf dem Abenteurspielplatz Panke (Gottschalkstraße Ecke Wilhelm-Kuhr-Straße) mit einem gemeinsamen Essen ausklingen.
Für die Vorbereitung und Durchführung der Aktionen braucht panke.info natürlich jede Menge freiwillige Helfer. Nicht nur mit Greifern und Handschuhen: “Gesucht werden Menschen, welche die Öffentlichkeitsarbeit unterstützen und beispielsweise Flyer verteilen” erzählt Thorsten Haas. Gern gesehen sind auch Kuchenspenden. Wer die Aktionen fotografisch dokumentieren möchte, kann sich ebenfalls an panke.info wenden. Da auch Kindergärten und Schulen an den Aktionen beteiligt sind, können sich auch Freiwillige bei der Betreuung der Kinder einbringen. “Und selbstverständlich werden viele helfende Hände für die Durchführung der Putzaktion entlang der Panke gebraucht”, betont Thorsten Haas noch einmal. Darum geht es letztendlich ja: dem Dreck selbst etwas entgegenzusetzen.
Veranstaltungstipp: Mit dem Grünflächenamt ins Gespräch kommen
Am 16. April um 12:30 laden das Kino am Ufer und der Verein panke.info zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung im Kino am Ufer, Uferstraße 12, ein. Herr Kube und Herr Ruth vom Grünflächenamt Berlin-Mitte beantworten die Fragen der Anwohner zum Thema Baumfällungen, Pflanzenrodungen und zur geplanten Umgestaltung der Panke. Interessierte sind eingeladen, ihre Fragen zu stellen. Im Anschluss an die Veranstaltung findet um 14:00 Uhr eine Putzaktion am Grünstreifen der Panke statt. Hierfür werden noch freiwillige Helfer gesucht. Müllbeutel und Zangen werden durch die BSR gestellt.
Ähnlich und doch ganz anders: Gesundbrunnen
Gefühlt noch zum Wedding gehörig – was ja historisch nicht verkehrt ist, denn der Ortsteil war ja von 1920 – 2001 Teil des Bezirks Wedding – ist der Gesundbrunnen. Im Spannungsfeld zwischen Pankow, Prenzlauer Berg und Alt-Mitte liegt dieses bis vor kurzem noch mitleidig belächelte Viertel. Hier zeigt sich das ganze Auf und Ab eines Arbeiterviertels in vielleicht noch drastischerer Form als im heutigen Ortsteil Wedding, also das Gebiet westlich der Reinickendorfer Straße. Schaut man auf die Geschichte und den Ortsnamen Gesundbrunnen, kommt man um die Panke, ihre Mühle und das ehemalige Heilbad am Luisenbad nicht herum. Die Badstraße und die Brunnenstraße, die ganze Kieze prägen, verdanken dieser Mineralquelle ihren Namen. Leider ist der Born um 1890 herum endgültig versiegt und überbaut worden, so dass es heute wie ein Treppenwitz der Geschichte erscheint, dass sich reiche Adelige im 18. Jahrhundert zur Erholung in dieses Gebiet verirrt haben.
Anders als im Ortsteil Wedding hat sich nach der Wiedervereinigung viel im Gesundbrunnen getan, der auf drei Seiten von der Mauer umgeben war und 30 Jahre lang ein Schattendasein führte. Zunächst mit der Eröffnung des Gesundbrunnen-Einkaufscenters, ab 2006 dann mit der Eröffnung des Fern- und Regionalbahnhofs Gesundbrunnen ist dieses Viertel plötzlich wieder ins Bewusstsein der Berliner gerückt. Die Bewohner des Prenzlauer Bergs, sozial und ästethisch eine andere Welt, wagen sich (freiwillig oder unfreiwillig) immer öfter zum Einkaufen, zum Bahnfahren oder einfach aus Neugier in die Kieze am Gesundbrunnen. Schließlich sind die Mieten hier immer noch dramatisch niedriger als im Hochpreisviertel Prenzlauer Berg. Auch findet man im Gesundbrunnen die aufregendere Mischung, oft Menschen aus aller Herren Länder – für immer mehr Berliner ist das eine echte Alternative. Auf dem Standort des Druckoffsetmaschinenherstellers Rotaprint siedeln sich vermehrt Künstler an, und auf dem Gelände eines Busbetriebshofs ist mit den Uferhallen und den Uferstudios Ähnliches zu beobachten.
Der Soldiner Kiez in Gesundbrunnen war um 2000 herum auf dem absoluten Tiefpunkt in der öffentlichen Wahrnehmung – das hat sich geändert, seit viel öffentliches Geld in Image-, Gewerbe- und Kunstförderung gesteckt wurde. Heute wissen nicht nur die Kiezbewohner zu schätzen, dass die historische Bausubstanz und der hohe Grünanteil rund um die Panke eine besonders hohe Wohnqualität bieten.
Kurz: Gesundbrunnen ist der etwas schwierige Halbbruder des Wedding, oft mit den gleichen Problemen, hingegen mit dem ungleich höheren Potenzial, in den Sog seiner östlichen Nachbarbezirke zu geraten.
Meine Frau, mein Haus, mein Boot!
Ersteres schaffen viele, das zweite ist mit viel Geld verbunden, aber das dritte ist das Allerleichteste auf der Welt! Bei der Panke-Regatta 2010 von panke.info e.V. wurden Kinder in wenigen Minuten zu Bootsbesitzern….
Nico hat auf seinem Schulweg einen Schatz gefunden. Er schimmerte wie Gold im Wasser, und der Grundschüler musste nur in die Panke greifen, um die zwei Armbänder herauszufischen. Seine Mutter, Jessica Rzepucha, geht jeden Morgen mit ihren beiden Söhnen die Panke entlang zur Carl-Kraemer-Grundschule in Gesundbrunnen. Da wollen es sich die drei Panke-Fans natürlich nicht entgehen lassen, an der Panke-Regatta teilzunehmen, die wieder an einem Samstagvormittag im September stattfindet.
Ralf Hertsch von panke.info e.V. steht an seinem Basteltisch wie ein Fels in der Brandung. Um ihn herum werden Stöcke gesägt und mit Draht zusammengebunden. Immer mehr Kinder kommen an diesem sonnigen Vormittag an die Bibliothek am Luisenbad, um Holzboote aus den von panke.info gestellten Holzästen und Stöcken zu basteln. „Das von panke.info gestellte Holz hat gerade so gereicht“, sagt Ralf Hertsch. „Immerhin hatten wir einen ganzen Fahrradanhänger voll vorbereitet!“ Aber auch aus buntem Papier können die Kinder an einem eigenen Stand Schiffe in verschiedenen Formen falten. Die aufwändigsten Schiffe sind oft Boote wie das des Pankower Schülers Johannes, der sein Segelschiff in einer Holzwerkstatt gebastelt und an diesem Morgen von zu Hause mitgebracht hat.
Technische Abnahme und Siegerehrung fanden vor der Bibliothek stattDie erste „Hürde“ für die Teilnehmer ist die technische Abnahme. Moderator Sören Marotz kommentiert jedes Schiff aus Papier oder Holz und stellt die Bootsbesitzer vor. Für die Regattadurchläufe selbst begeben sich Kinder, Eltern und Zuschauer auf die kleine Fußgängerbrücke zwischen der Bibliothek und der Pankemühle nahe der Badstraße. Der Moderator steht schon im Wasser und bereitet die Zuschauer auf das Rennen vor. Die Helfer stapfen mit Gummistiefeln durch die Flusswindung, wo Stangen die Strecke markieren. Eine Sandbank heißt an diesem Tag „Panke-Riff“, die kleinen Stromschnellen werden zu den „Luisenfällen“ erklärt.
Genug auf die Panke gestarrt: endlich werden die Schiffe zu Wasser gelassen! Die Strömung, die leichte Windung der Panke und auch der starke Wind an diesem Morgen lassen jeden Durchgang zu einer regelrechten Zitterpartie werden, die meistens mit einem überraschenden Sieger endet. An der Ziellinie, die aus einer Leine mit Luftballons besteht, fischen die Helfer die Boote wieder aus der Panke.
Die Regattateilnehmer – Boote wie Besitzer – stellen sich für jede Siegerehrung noch einmal auf und nehmen Haupt- sowie Trostpreise in Empfang. Tränen fließen keine, denn Dabeisein ist diesmal alles. Nicht nur die Kinder haben dabei ihren Spaß. „Ich bin an einem Bach aufgewachsen“, erzählt ein Weddinger Vater, der heute morgen aus der Zeitung von der Regatta erfahren hat und spontan vorbeigekommen ist. Er hätte nicht gedacht, dass man auch mitten in Berlin an einem Bach spielen kann.
Mehr Fotos gibt es auf panke.info!
Bürgermeister Hanke lässt sich von Sören Marotz die Regattastrecke zeigen„Heimat kann für die Menschen im Wedding das verbindende Element sein“ sagt Mittes Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke, der für eine Stunde ebenfalls ans Luisenbad gekommen ist.„Und ein Fluss wie die Panke gehört für mich einfach zur Heimat“, findet Hanke. Auch er hat festgestellt, dass die Panke wieder stärker ins Bewusstsein der Bezirksbewohner gerückt ist.
„Uns ist es durch die Regatta gelungen, Kinder an das Element Wasser heranzuführen“, erklärt Thorsten Haas, der die Regatta organisiert hat. „Die Panke wird jetzt als Erlebnisraum wahrgenommen, der von Kindern und Familien aktiv im Alltag genutzt werden kann.“
Den Grundschüler Nico muss niemand mehr für die Panke begeistern. Er ist mit seinen Klassenkameraden in der Gruppe „Die Panke-Frösche“. Die Projektgruppe hat drei große grüne Papierschiffe ins Rennen geschickt, die sich aufgrund ihrer Größe nicht gegen die wendigere Konkurrenz durchsetzen konnte. Jetzt heißt es „Warten bis zum nächsten Mal“!

Neue Mental Map
Ich bin mit meiner Familie in das Viertel zwischen der Müllerstraße und den Rehbergen gezogen. Vorher haben wir auch schon auf dem Gebiet des alten Bezirks Wedding gewohnt, allerdings im Ortsteil Gesundbrunnen und nur einen Steinwurf von Pankow entfernt. In unserem neuen Umfeld, etwa vier Kilometer weiter westlich, sieht das Straßenbild auf den ersten Blick nur wenig anders aus: gründerzeitliche Bebauung wechselt sich mit Genossenschafts- oder 70er Jahre-Bauten ab, dazwischen findet sich mehr Grün als sonst in Berlin üblich. Menschen verschiedenster Herkunft und Hautfarbe, aber meist wenig vermögend (um es vorsichtig auszudrücken), bevölkern die Gehwege. Auch in Sachen Fluglärm haben wir uns kaum verbessert. Wedding halt.
Doch diese wenigen Kilometer reichen aus, um meine Landkarte der alltäglichen Wege radikal zu verändern. Wir kaufen jetzt fast nur noch auf der (oberen) Müllerstraße ein und nicht mehr in den
austauschbaren Centern in Pankow und Gesundbrunnen. Mit dem Kaufhaus am Leopoldplatz hat man zumindest ein etwas gehobeneres Sortiment in der Nähe. Das Virchow-Klinikum und die Beuth-Hochschule sind akademische Leuchttürme im ansonsten recht bildungsarmen Weddinger Milieu – in Gesundbrunnen fehlt so etwas vollständig. Auch die Dimension der Grünflächen hat sich verändert: statt im übersichtlichen Pankower Bürgerpark verlaufe ich mich jetzt fast im 112 Hektar großen Volkspark Rehberge oder im kaum weiter entfernten Schillerpark.
Vorher ging es beschaulich zu: Der baulich schöne Soldiner Kiez an der Panke, das nur vier Straßenblöcke umfassende Nordbahnviertel und auch Alt-Pankow haben – jedes Viertel für sich – eine fast dörfliche Anmutung, wo man immer wieder den gleichen Gesichtern begegnet. An der schnurgeraden, lärmumtosten Müllerstraße und der Seestraße, der man den Boulevardcharakter stellenweise noch ansieht, wohnt man hingegen eindeutig in einer Großstadt.








