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Afrikanisches Viertel: Info-Stele wird am 8. Juni enthüllt
Die umstrittenen Straßennamen im Afrikanischen Viertel in Berlin-Wedding, sogar die drei fragwürdigsten Lüderitzstraße, Nachtigalplatz und Petersallee, bleiben den Bewohnern erhalten. Darauf haben sich die Bezirkspolitiker nach der Wahl im vergangenen Jahr geeinigt. Gleichzeitig wird der Plan weiterverfolgt, das größte Gebiet mit kolonialen Straßennamen in Deutschland zu einem Lern- und Gedenkort zu entwickeln. Eine vom Bezirksparlament beschlossene Info-Stele ist inzwischen in Auftrag gegeben und durch die Künstlerin Helga Lieser fertiggestellt. Sie sollte schon im Monat März nahe des U-Bahnhofs Rehberge aufgestellt werden. Um den Stelen-Text hat es viele Querelen gegeben; letztlich hat man sich mühsam auf einen Kompromiss geeinigt, der zwei unterschiedlichen Sichtweisen auf die deutsche Kolonialgeschichte gerecht wird.
Politisches Gezänk hat das gesamte Verfahren begleitet und endet noch nicht einmal jetzt, wo die Info-Stele bereits fertig zur Aufstellung ist. Die Info-Stele wird jetzt am Freitag, den 8. Juni um 17 Uhr nach einer Verschiebung um mehrere Monate enthüllt. Nach den Einladung des Bezirksamts zur Enthüllung der Infosäule führt der Verein Berlin Postkolonial durch das Viertel. Standort der Säule: Otawistraße, nahe der Müllerstraße.
Rehberge und Plötzensee: Rudern inmitten Weddings grüner Lunge
Auf Sand gebaut
Das heutige Parkgelände ist Teil des früher ausgedehnten Waldgebietes Jungfernheide. Die sprichwörtliche märkische Streusandbüchse prägte das Landschaftsbild auf dem Gebiet des heutigen Volksparks Rehberge und des Goetheparks in besonderer Weise. Denn in der späten Eiszeit abgelagerter Flugsand hatte sich dort zu ganzen Sanddünen formiert. Darauf wuchsen zum Teil Kiefern und Eichen, doch spätestens nachdem diese nach dem ersten Weltkrieg von der frierenden Bevölkerung abgeholzt wurden, lag die Sandfläche komplett frei. Der Sand beeinträchtigte die benachbarten Wohngebiete erheblich – er war allenfalls als Scheuersand zu gebrauchen. “Der Volksausdruck Berliner Schnee, womit das Treiben des Flugsandes gemeint ist, schreibt sich von den Rehbergen her”, schrieb der Stadtrat Ernst Friedel im Jahr 1899. Es musste also etwas mit dieser Fläche geschehen….
Landschaftspark statt Völkerschau
In der allgemeinen kolonialen Euphorie war schon das benachbarte Afrikanische Viertel mit exotisch klingenden Straßennamen bedacht worden. Dazu passend hatte Carl Hagenbeck aus Hamburg die Idee, einen landschaftsbetonten Tierpark auf der sandigen Fläche zwischen diesem Viertel und dem Plötzensee anzulegen. Auch eine “Völkerschau”, nämlich die Zurschaustellung von Menschen anderer Hautfarbe in exotischen Siedlungen, war im Rahmen dieses Parkes vorgesehen. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges machte dem Hamburger Unternehmer allerdings einen Strich durch die Rechnung.
Zwischen 1926 und 1929 wurde dafür als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für 1000 Arbeitslose der Volkspark Rehberge angelegt. Auf zunächst 70 Hektar nutzten die Gartenbaudirektoren Rudolf Germer und Erwin Barth die topographischen Gegebenheiten, um daraus eine anmutige Parklandschaft zu formen. Die zentrale Sicheldüne mit 17 Metern Höhenunterschied bildet einen Rücken, auf dessen höchstem Punkt 1930 der eigenwillige Rathenau-Brunnen (in Form einer Schraube) eingeweiht wurde. Nach Westen stellt das Gelände eine steilen Abhang mit einer Rodelbahn dar, während die Düne nach Nordosten in einer Kurve sanft abfällt. Der darauf befindliche Höhenweg überbrückt mit einer in Kalkstein eingefassten Brücke einen querenden Parkweg. Typisch für den Park ist der Wechsel von Baumgruppen, Wiesen und für Spiel und Sport nutzbaren Einrichtungen. Ein Stadion und eine große Spielwiese gehören ebenso dazu wie eine ziemlich zugewachsene Wiesenarena (“Tanzring”), Tennisplätze und eine Freilichtbühne. Im Volkspark Rehberge gibt es auch zwei Cafés, das Park-Café an der großen Wiese sowie die SchAtulle gegenüber des Freilichtkinos. Die Nutzung des Parks für Spiel und Sport war Teil des Konzepts, in dem die Verbesserung der Volksgesundheit eine zentrale Rolle spielte. Blickfang der Promenade, die unter einer Brücke hindurch zur Spielwiese führt, ist eine Bronzeplastik aus dem Jahr 1906 von Wilhelm Haverkamp. Kurios: die “Ringergruppe” wurde 1935 aus dem Schillerpark hierher versetzt, während das abstrakte Rathenaudenkmal 1941 für eine Kopie des Schillerdenkmals eingeschmolzen wurde, die heute im Schillerpark steht. Erst 1987 wurde das Rathenaudenkmal anhand von Fotos nachgebildet.
Charakteristisch für die inzwischen 115 Hektar große Gesamtanlage ist die Einbeziehung der gleichzeitig angelegten Kleingärten, seinerzeit die erste Dauerkleingartenanlage Berlins. Den benachbarten etwas älteren Goethepark (1924), von dem der Volkspark Rehberge durch die Transvaalstraße getrennt ist, nimmt man als Bestandteil der gesamten Grünanlage wahr. Nach Westen ist der Park immer wieder durch Zukäufe und die Entwidmung von Friedhofsflächen erweitert worden, so dass heute auch der Plötzensee mit seinem Uferweg als landschaftliche Einheit mit den Rehbergen wirkt.
Sieben Hektar Wasser
Überhaupt, der Plötzensee: 740 Meter lang und 7,85 Hektar groß ist er ein natürliches Gewässer – ganz im Gegensatz zu den drei kleineren Seen Möwensee, Sprerlingssee und Entenpfuhl am Nordostrand des Volksparks, die aus einer Moorniederung hervorgegangen sind. In ein Zu- und Abflusssystem ist der Plötzensee nicht eingebunden – auch er ist ein Relikt der Eiszeit. Früher war der See für seinen Fischreichtum bekannt (daher auch die Bezeichnung nach dem Karpfenfisch Plötze). Seit 1891 gibt es an seinem Westufer ein Freibad, das in seiner heutigen Form im Stil der Neuen Sachlichkeit seit 1928 existiert. Die denkmalgeschützte Anlage ist in U-Form errichtet. An der Südspitze des Plötzensees nahe an der Autobahn Seestraße, gibt es eine kleine Kneipe im Bootshaus, die Fischerpinte. Dort werden Tretboote und Ruderboote verliehen, wovon viele Weddinger an Sommertagen regen Gebrauch machen. An der Ostseite ist ein Park mit einer großen Sonnenterrasse angelegt worden, von wo aus man einen direkten Blick auf das Freibad hat.
Der Plötzensee gehört im Gegensatz zum Wedding, der schon 1861 nach Berlin eingemeindet wurde, erst seit 1915 zu Berlin. Die Gegend ist Schauplatz einiger denkwürdiger Ereignisse. So begann Wilhelm Voigt sein Husarenstück als “Hauptmann von Köpenick” justament an der Militärbadeanstalt Plötzensee, wo er am 16. Oktober 1906 fünf Soldaten unter seinen Befehl stellte – um dann die Stadtkasse von Köpenick zu beschlagnahmen.
Plötzensee ist auch der Name der benachbarten Justizvollzugsanstalt, die im Dritten Reich eine besonders unrühmliche Rolle spielte. In unmittelbarer Nähe des Gefängnisses befindet sich eine Gedenkstätte für die Opfer, die in Plötzensee ihr Leben ließen.
- Baumgruppe im Südteil des Parks
- Baumgruppe am Stadion und an der Großen Spielwiese
- Nadelbäume am Südosthang der Düne
- Romantik im Möwensee
- Der Südhang der Hauptdüne
- Der Rathenaubrunnen am höchsten Punkt der Düne
- Sonnenuntergang am Norduferweg des Plötzensees
- Der Möwensee im Herbst
- Kalksteinbrücke vor dem Ringerdenkmal
- Nahe der Transvaalstr.
- Brücke über den Sperlingssee an der Windhuker Str./Petersallee
- Das Bronzedenkmal “Ringergruppe” von 1906 an der Spielwiese
- Der Möwensee am Nordostrand des Volksparks Rehberge an der Afrikanischen Straße
- Der Plötzensee im Winter
Volkspark Rehberge: U 6 Rehberge; BUS 221 (Otawistraße), Freibad Plötzensee, TRAM M13 / 50 (Virchow-Klinikum)
Freilichtbühne Rehberge: Nur Kino hat Saison
„Angezündete Müllcontainer, herausgerissene Kabel, Glasscherben und verrottete Requisiten. Zwischen den Sitzbänken sind schon kleine Birken- und Kiefernbäume gewachsen. Unkraut schießt in die Höhe. Zwei große Graffitibilder sind auf die Bühnenwände gesprüht. Die Tür des kleinen Holzhäuschens am oberen Bühnenrand ist aufgebrochen. Kerzenstümpfe, leere Flaschen, ein Paar Schuhe und eine Decke liegen auf dem Boden – für Privatpartys mit Lagerfeuer und als Notunterkunft für Obdachlose taugt die Freilichtbühne allemal.“ So schrieb die Berliner Zeitung am 9.3.2001 über den verlassenen Ort in den Rehbergen. Wer die zauberhafte Freilichtbühne kennt, die sich seit 1935 sanft in die Sanddünen im nördlichen Teil des Volkspark schmiegt und es an Charme fast mit der Waldbühne aufnehmen kann, wird feststellen, dass es dort heute gänzlich anders aussieht.
Theateraufführungen, Diskos und Konzerte finden jedoch heute auch noch nicht wieder statt. 1946 wurde den Berlinern noch “Was ihr wollt” von William Shakespeare geboten. Und 1980 führte eine Theatergruppe einen Monat lang “Die lustigen Weiber von Windsor” auf. Nina Hagen trat in den achtziger Jahren ebenfalls auf dieser Bühne auf. Der bauliche Zustand der Bühne ließ indes immer weiter zu wünschen übrig. Dem Bezirk Wedding fehlte einfach das Geld für notwendige Reparaturen. Die Bühne wurde daher nur noch selten für Veranstaltungen genutzt. Erneute Versuche des Bezirkes, die Bühne zu nutzen, scheiterten kläglich. Das Bezirksamt verkaufte die Bühne schließlich 2007 für einen Euro.
Der neue Besitzer ist Theaterproduzent Bernd Motschmann. Er ließ die Bühne für 150 000 Euro denkmalgerecht sanieren. Und so konnte im Jahr 2009 der „Räuber Hotzenplotz“ in den Rehbergen aufgeführt werden– das Stück, mit dem Bernd Motschmann schon einmal eine heruntergewirtschaftete Freilichtbühne in Lübeck zum Laufen gebracht hatte.
Im gleichen Jahr begann auch der Betrieb des Freilichtkinos unter der Leitung von Piffl Medien. Diese bewerben “das schönste Kino” im Berliner Norden wie folgt: „1.500 Plätze unterm Sternenhimmel laden zum entspannten Filmvergnügen ein. In lauen Sommernächten bieten wir eine abwechslungsreiche Mischung aus Hollywood und Independent Kino Entdecken Sie aktuelle Highlights, holen Sie die verpassten Kinoerfolge des letzen Jahres nach und genießen Sie die unvergänglichen Meilensteine der Filmgeschichte.“ Der Fluglärm, der das Filmvergnügen mitunter störte, fällt leider auch in dieser Saison noch nicht weg.
Aber sei’s drum: am 25. Mai beginnt wieder eine Kino-Saison in der Freilichtbühne Rehberge. Nur Theater, das wird dort auch in diesem Jahr wieder nicht geboten. Die Berliner Woche kann in ihrer Ausgabe vom 16. Mai die Enttäuschung darüber nicht verbergen: „Zu den Gründen, warum es in diesem Jahr schon wieder nicht geklappt hat mit einem Ensemble, sagt Motschmann nichts.“
Trotzdem: es ist schön, dass die Freilichtbühne wieder genutzt wird. „Zerstört“ und zugemüllt wird sie allenfalls noch bei der Aufführung der „Rocky Horror Picture Show“ im Spätsommer. Und gleich gegenüber gibt es mit der „SchAtulle“ auch wieder Gastronomie am Standort des früheren Parkrestaurants „Gulliver“. – Die Rehberge sind wieder ein Anlaufpunkt für Veranstaltungen – ob mit oder ohne Theateraufführungen!
Programm des Freiluftkinos im Jahr 2012
Streichkonzert für Schuldenabbau
Der überschuldete Bezirk Berlin-Mitte setzt sich ein ambitioniertes Ziel. Wie die Berliner Woche in ihrer Ausgabe vom 2. Mai 2012 meldet, will der Bezirk bis Ende 2013 seine Altschulden von noch 6,6 Millionen Euro getilgt haben. Für den Wedding bedeutet die Streichliste des Bezirks: Verzicht auf eine neue Sporthalle und Cafeteria für das Lessing-Gymnasium und kein Anbau für Duschen und Umkleiden im Stade Napoléon hinter dem Volkspark Rehberge. Zunächst einmal werden auch die Terrassen im Schillerpark nicht saniert, meldet die Berliner Woche. Auch im laufenden Betrieb sollen die Ämter Kosten sparen – 2,5 Millionen Euro fallen weg, indem weniger Bäume gepflanzt, Plätze und Grünflächen weniger gepflegt, kaputte Spielgeräte nicht mehr ersetzt oder fünf Kinderplanschen geschlossen werden. Offiziell entscheiden das Bezirksparlament und das Abgeordnetenhaus wohl erst nach der Sommerpause über den Sparhaushalt.
“Sole Mio”: Wie vor zwanzig Jahren
Das Restaurant ist fast schon ein Urgestein im nördlichen Wedding und wirbt – noch nicht mal völlig zu Unrecht – mit “Preisen wie vor 20 Jahren”. Überhaupt muss man sagen, dass im Sole mio die Zeit vor 25 Jahren stehen geblieben zu sein scheint: Interieur, Angebot, die musikalische Hintergrundbeschallung – alles wirkt so, als hätte sich seit Eröffnung in den späten 1980ern dort nicht viel geändert. Und das ist keinesfalls als Kritik zu verstehen, sondern eher im Gegenteil – der 1980er-Charme könnte wunderbar als Geschäftskonzept durchgehen.
Das Angebot ist nicht üppig aber vollkommen ausreichend, auf großartige Experimente moderner Küche wird verzichtet, aber alles, was man dort zubereitet, ist absolut schmeckig! Der Service ist aufmerksam und freundlich, ein kleiner Appetithappen vor und ein Gläschen Hochprozentiges nach dem Essen wird aufs Haus serviert, und wenn die – im Sommer sehr begehrten – Plätze draußen alle belegt sind, schleppt der Kellner auch bereitwillig extra Tische und Stühle aus dem Restaurant auf die Straße. Und wenn in Kürze der Flughafen in Tegel schließt, dürfte das Draußensitzen noch wesentlich angenehmer werden.
Nun würde ich ja gerne an dieser Stelle auf die Webseite oder zumindest den Qype-Auftritt verweisen, allein nichts davon gibt es – im Web ist das Sole mio quasi inexistent. Aber offensichtlich können sie sich mit ihren Stammkunden auch so problemlos seit vielen Jahren über Wasser halten.
Autor: Stef, stefblog.de
Ristorante Pizzeria Sole mio, Otawistr. 5 , U-Bhf Rehberge
Öffnungszeiten täglich außer Dienstags. Alle Speisen auch zum Mitnehmen.
Noch nicht vom Winde verweht: die Sanddüne Wedding
Irgendwie will diese eigenartige Landschaft nicht an diesen Unort passen. Auf der einen Seite liegt die Sprint-Tankstelle am Praktiker-Baumarkt, davor ein Geschäftshaus und nebenan ein paar Mehrfamilienhäuser.Doch nun werden Freiwillige gesucht, die helfen, die Düne wieder als ein deutschlandweit einmaliges innerstädtisches Naturschutzgebiet erlebbar zu machen.
Im Ortsteil Wedding befindet sich auf dem Gebiet des Schul-Umwelt-Zentrums in der Scharnweberstraße 158/159 die Düne Wedding. Sie ist die letzte innerstädtische eiszeitliche Düne Deutschlands und verlangt besonderen Schutz. Sie war also zuerst da, genau genommen seit etwa 10 000 Jahren. Bereits 1976 als flächenhaftes Naturdenkmal in das Naturdenkmalbuch des Bezirkes Wedding eingetragen, wurde das Relikt einer nacheiszeitlichen Dünenlandschaft im Jahr 2002 durch die Verordnung zum Schutz des Naturdenkmals „Düne Wedding“ geschützt. Der Schutz schließt ihre Bodengestalt, die typische Bodenart des nährstoffarmen und trockenen Sandes und die Vegetation ein.
Damit der gegenwärtig stark mit nicht-einheimischen, sich selbst ansiedelnden Sträuchern und Laubbäumen bewachsene „Hügel“ wieder als Düne wahrgenommen werden kann, mussten nach Maßgabe des Schutz-, Pflege- und Entwicklungskonzeptes die Gehölze und auch die nährstoffliebenden Pflanzen der Krautschicht entfernt werden. Erhalten blieben die breitkronigen Kiefern, so dass der Charakter eines lichten Kiefernwäldchens wieder hergestellt werden kann. Die Renaturierung beginnt nach der Ausforstung des Geländes. Ziel ist es, die typische Vegetation einer am Ende der letzten großen Eiszeit entstandenen Binnendüne zu erhalten.
Insgesamt 12000 Euro gibt der Bezirk für die Renaturierung von Weddings Eiszeitdüne aus, schreibt die “Berliner Woche” in ihrer Ausgabe vom 22. Februar.
Jetzt sucht der Naturschutzbund (NABU) Freiwillige, die bei den Arbeiten mit anpacken: “Es hat sich lange niemand mehr um dieses Naturphänomen gekümmert”, sagt Diana Gevers vom NABU in der BZ, und fügt hinzu: “das wird mit Sicherheit eine anstrengende Arbeit, ich sehe es aber eher als Fitnessprogramm für den Naturschutz”. Später soll hier wieder ein Lebensraum für Bienen, Pfaueneidechsen und sattes Gras entstehen
Bei schönstem Vorfrühlingswetter stehen schon die ersten Freiwilligen auf der Düne. Die BZ meldet weiterhin, dass der NABU schon die Harken und Schubkarren bereitgestellt hat. Es fehlen aber noch Freiwillige, die einige Stunden mitmachen. “Diese sollten alte Kleidung, feste Handschuhe und Schuhe mitbringen. Auf dem Hügel rutscht man schnell aus”, so Diana Gevers.Wer mit anpacken will, kommt am 24. März, um 14 Uhr, zur Düne in der Scharnweberstraße 158-159, oder meldet sich bei Diana Gevers Tel. (030) 986 083.
Auch die Rehberge gehören zur Dünenlandschaft des sogenannten Warschauer Urstromtals, sind aber wie auch die Berliner Forsten nicht mehr in ihrem Originalzustand erhalten. Der Bezirk will zukünftig verstärkt auf die Einzigartigkeit der „Düne Wedding“ aufmerksam machen. Bei Exkursionen sollen den Stadtkindern, so Naturschutzamtsleiterin Dr. Regine Grafe, die systemischen Prozesse von Biologie, Geologie und Meteorologie sowie die Zusammenhänge mit dem Klimaschutz vor Ort erklärt werden. „Die Düne ist ein wunderbarer Ort für Bildung und Wissen“, sagt die Bezirksmitarbeiterin. Im Frühjahr sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, so die “Berliner Woche”.
Das Schul-Umweltzentrum (früher Gartenarbeitsschule) befindet sich an der Bezirksgrenze Reinickendorf / Mitte zwischen den U-Bahnhöfen Afrikanische Straße und Kurt-Schumacher-Platz.
“Kichererbsen” – Lust auf Werkeln in der Küche
Zwei lachende grüne Kuller über der Eingangstür, ein helles, von Grüntönen dominiertes Ladengeschäft – ein solches Ambiente ist ungewöhnlich in diesem Teil von Berlin-Mitte. Doch bei näherer Betrachtung entpuppt sich der aufwändig gestaltete Raum als Kochstudio, die „Kichererbsen“.
“Je früher man etwas über Ernährung lernt, desto besser – und am besten schon als Kind!”

Petra Hellmich erlebt es immer wieder, wie neugierig Kinder jeden Alters darauf sind, Essen selbst zuzubereiten. Die Ernährungsberaterin und Diätassistentin muss sich dabei nur an ihre eigene Kindheit zurückerinnern: “Ich hatte schon mit fünf Jahren meinen kleinen, voll funktionierenden Elektroherd”, erzählt die 44-jährige Berlinerin. “Meine Mutter ließ mich schon früh alleine kochen, und auch von meiner Oma habe ich viele Rezepte gelernt.” Die gute Hausmannskost wie süß-saure Linsen mit Kartoffeln gehört für Petra Hellmich zu den Kindheitserinnerungen. Ebenso wie auch die frischen Zutaten aus Omas Garten in Reinickendorf. Nach dem Abitur war für sie klar: auch beruflich sollte es um’s gute Essen gehen. Einfach nur Köchin sein hätte Petra Hellmich aber nicht gereicht, daher entschied sie sich für eine Ausbildung zur Diätassistentin. 15 Berufsjahre folgten, im Krankenhaus und als Dozentin an der Krankenpflegeschule – gleichzeitig bildete sich Petra Hellmich an der Charité zur Ernährungsberaterin weiter. “Als mein Job gekündigt wurde, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopf und verwirklichte meinen Traum”, erzählt Petra Hellmich. Im Afrikanischen Viertel, wo sie aufgewachsen und zur Schule gegangen ist und noch heute wohnt, verwandelte sie einen leeren Laden in die Lehrküche mit Gastraum, als die sich die “Kichererbsen” heute zeigen.
Das Konzept klingt einfach: Petra Hellmich möchte Firmen, Erwachsene und Kinder statt mit grauer Theorie lieber mit Kocherlebnissen ansprechen.
“Ich lege Wert auf Qualität, und die zeige ich den Kursteilnehmern. Ganz nebenbei, mit viel Freude, kann man auch als Erwachsener noch eine Menge über die Lebensmittel lernen.”
Für die Kinder greift die Ernährungsberaterin gerne auf Handpuppen zurück – die beiden Kichererbsen aus Stoff zeigen, wie wichtig gutes Essen ist. Bei den Kichererbsen können Kindergruppen auch im Rahmen von privaten Geburtstagsfeiern kochen und das zubereitete Essen gemeinsam verzehren. Da kann es auch schon mal passieren, dass plötzlich Sterne in die Suppe gezaubert werden – “aus Möhren, die ich vorher ausgestochen habe”, erzählt Petra Hellmich lachend.

Das, was die “Kichererbsen” ausmacht, ist die ansteckende Lust der Inhaberin, ihr Wissen über Lebensmittel und Kochen weiterzugeben, Anregungen zu geben und Kursteilnehmer jeden Alters für’s Nachmachen zu begeistern. Persönlich liegt Petra Hellmich viel daran, ihre Arbeit genau an dieser Stelle im Wedding auszuüben – schon als Schülerin am Lessing-Gymnasium war sie oft im (inzwischen geschlossenen) Eiscafé in der Otawistraße direkt neben ihrem heutigen Kochstudio. Ernährung muss für Sie vor allem Spaß machen und darf gerne auch ein Gemeinschaftserlebnis sein. Nicht dogmatisch, trotzdem aber gesund. Genau dafür stehen die frischen grünen Kichererbsen im Logo.
Kichererbsen Berlin
Kochkurse, Ernährungsberatung, Angebot für Familienfeste und Kindergeburtstage
Otawistr. 1 / Ecke Müllerstraße
U-Bahnhof Rehberge
Tel.86434430
Website mit aktuellen Kursangeboten
Rehberge-Rodeln, die Todesbahn im Wedding…
Afrikanisches Viertel – Ungewöhnliche Straßennamen
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Straßennamen stehen für deutsche Kolonialgeschichte
Wie in keinem anderen Viertel im Berliner Ortsteil Wedding spiegeln sich hier Weltanschauungen und politische Einflüsse in den Straßennamen und in der Architektur der Gebäude. Togostraße, Kameruner Straße, Swakopmunder Straße – im ansonsten unscheinbar wirkenden Viertel östlich des Volksparks Rehberge tragen die Straßen exotisch anmutende Namen. Das Gelände des späteren Volksparks war von Carl Hagenbeck für eine Ausstellung vorgesehen, in der auch Schwarzafrikaner zur Schau gestellt werden sollten.
Das Viertel weist mehrere Bauphasen auf: am Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit der planmäßigen Anlage zwischen See- und Otawistraße begonnen. Die Benennung der Straßen erfolgte aus einer kolonialen Euphorie heraus, die das Deutsche Reich damals erfasst hatte. Mit der “Kongo-Konferenz“, einer Afrika-Konferenz der europäischen Großmächte in Berlin im Jahre 1884/85 wurde der afrikanische Kontinent willkürlich aufgeteilt. Neue Grenzen zerrissen die angestammten Siedlungsräume der afrikanischen Völker. Für das Deutsche Reich fiel nur ein vergleichsweise kleines Stück vom Kuchen ab, nämlich Kamerun, Togo, Deutsch-Südwest (heute Namibia), Deutsch-Ostafrika und Sansibar (heute Tansania). Nach diesen so genannten “Schutzgebieten” wurden die Straßen im Afrikanischen Viertel benannt.
Auch drei Persönlichkeiten der deutschen Afrikapolitik wurden mit Straßennamen geehrt: Gustav Nachtigal, Franz Adolf Lüderitz und Carl Peters. Sie hatten dazu beigetragen, Teile des Kontinents militärisch oder durch Kaufverträge für deutsche Interessen zu sichern. Dabei wurde wenig Rücksicht auf die Urbevölkerung genommen- blutiger Höhepunkt war die Niederschlagung des Herero-Aufstands von 1904 bis 1908.
Nach dem Verlust der deutschen Kolonien 1918 erfolgten weitere Straßenbenennungen – man wollte sich nicht damit abfinden, dass es eine deutsche Kolonialpolitik nicht mehr geben sollte.
Den Bewohnern des Afrikanischen Viertels ist die Bedeutung der Namen nahezu unbekannt. Zusatztafeln, die eine historische Einordnung der Straßenbezeichnungen erlauben, fehlen bis heute vollständig. Einige Parteien, antirassistische Initiativen oder Vereine, die sich der Aufarbeitung der kolonialen Geschichte verschrieben haben, fordern schon seit vielen Jahren die Umbenennung einzelner Straßen. Vor allem die drei Namen Lüderitzstraße, Nachtigalplatz und Petersallee stehen im Kreuzfeuer der Kritik. In diesem Zusammenhang interessant ist die Tatsache, dass nach Lüderitz immerhin auch eine Stadt in Namibia benannt ist – bis heute. Nach der letzten Wahl 2011 haben sich die Bezirkspolitiker von SPD und CDU darauf geeinigt, von Umbenennungen vorläufig abzusehen. Vielmehr soll die Entwicklung des Afrikanischen Viertels zu einem Flächendenkmal, einem zentralen Lern- und Gedenkort für die deutsche Kolonialgeschichte, vorangetrieben werden.
Moderne Architektur im Afrikanischen Viertel
In den 1920ern Jahren, als der Wedding ein eigenständiger Bezirk in Berlin war, waren die dort regierenden Sozialdemokraten besonders aufgeschlossen gegenüber dem “Neuen Bauen“, das den Wohnungsbau reformieren sollte. Zudem verfügte der Bezirk über große Freiflächen im Nordosten. So kam es, dass gerade dort besonders viele Reformansätze bei den neu zu errichtenden Wohnhäusern ausprobiert wurden.
Um 1927 entstanden nach Entwürfen des Architekten Ludwig Mies van der Rohe in der südlichen Afrikanischen Straße vier Häuserzeilen, die für die damalige Zeit eine besonders rationelle und auf das Wesentliche reduzierte Bauweise darstellen. Mies van der Rohe leitete zeitgleich auch die Planung der als wegweisend angesehenen Weißenhof-Siedlung in Stuttgart und war dort für den Bau eines Wohngebäudes verantwortlich.
1929 wurde der erste Bauabschnitt des nach damals sehr modernen landschaftsplanerischen Kriterien angelegten Volksparks Rehberge westlich des Afrikanischen Viertels fertiggestellt. In den Jahren bis 1931 entstand am nördlichen Rand die Friedrich-Ebert-Siedlung, ein frühes Beispiel modernen Bauens der Architekten Mebes, Emmerich und Bruno Taut. Was in der Nachkriegszeit beim Wiederaufbau “normal” wurde, war hier noch eine Pionierleistung: konsequent wurden die Häuser in Zeilenbauweise und mit Flachdächern versehen errichtet. Dadurch hat jede der 1700 Wohnungen einen Blick auf die Grünflächen zwischen den Häuserreihen. Neu war auch, dass auf Schmuckelemente verzichtet wurde – nur die Anordnung von Fenstern und Treppenhäusern sorgt für eine Fassadengliederung. Die Siedlung wurde nach dem sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert benannt, zu dessen Ehren man einen Gedenkstein errichtete. Den Nationalsozialisten war dies ebenso ein Dorn im Auge wie die Architektur der Siedlung: der Gedenkstein wurde kurzerhand entfernt, die Siedlung umbenannt und nach Süden hin mit einer die Sichtachse versperrenden Bebauung in konservativerem Stil ergänzt. Aus der Zeit um 1940 stammt die gesamte Bebauung zwischen Nachtigalplatz/Petersallee und der Otawistraße. Die Gebäude sind ähnlich schlicht gehalten wie die Friedrich-Ebert-Siedlung, jedoch verfügen die Häuser wieder über Satteldächer.
Erwähnt werden sollten auch die Häuser in der Sansibarstraße, die zwar nicht mehr über Hinterhäuser verfügen, aber immer noch an der durchgehenden Blockrandbebauung festhalten. Nur im vergleichsweise großen Block Sansibar-/Togo-/Otawistr./Afrikanische Str. haben die Architekten das “Verbot” von Hinterhäusern umgangen: zur Afrikanischen Straße hin öffnet sich der begrünte Hof, und anstelle eines Vorderhauses gibt es hier zwei einzeln stehende “Torhäuser”. In Verbindung mit dem ockerfarbenen Anstrich bietet die Wohnanlage mit Ausrichtung auf den Volkspark Rehberge einen repräsentativen Anblick.
Inmitten dieser Häuser liegt die Dauerkolonie “Togo e.V.”, eine planmäßig errichtete Kleingartenanlage aus dem Jahr 1939. Auch wenn sich der Begriff Kolonie eindeutig auf die Schrebergärten bezieht, ist der Name – in Verbindung mit der ehemaligen deutschen Kolonie Togo – nicht weniger umstritten als einige andere Straßennamen des Afrikanischen Viertels.
Fachgeschäfte an der Müllerstraße schließen für immer
Man ist versucht zu sagen, dass früher alles besser war. Nicht nur C&A schließt seine Filiale an der Müllerstraße zum Jahresende, sondern auch noch zwei alteingesessene Fachgeschäfte am U-Bahnhof Rehberge: Moden-Scheffler (Müllerstr. 113) und “Hosen spezial” (Müllerstr. 119). Bis vor ein paar Jahren war die obere Müllerstraße zwischen Afrikanischem und Englischen Viertel mit ihrer Ladenvielfalt ein El Dorado für Käufer. „Wir haben voneinander profitiert“, sagt Ronald Pockrandt im Interview mit dem Berliner Abendblatt (Ausgabe vom 11.12.2011). „Der Mann kam zu mir, suchte sich ein paar Hosen aus, seine Frau ging in ,ihr’ Modegeschäft, und beide schauten dann noch im Schuhgeschäft vorbei“, erzählt Pockrandt. Anschließend ging’s auf einen Imbiss in die Müllerhalle – dort gab es bis vor 15 oder 20 Jahren noch jede Menge Stände mit frischen Waren. Heute beherrschen Spielcasinos und Shisha-Bars das Bild in der Müllerstraße.
Strukturwandel in den alteingessenen Einkaufsstraßen unaufhaltsam
Das kann man bedauern. Man muss aber auch sehen, dass an anderer Stelle den veränderten Einkaufs-Gewohnheiten Rechnung getragen wird. Im Hosen-Spezial sind die 1970er-Jahre bis in den letzten Winkel zu spüren. „Ich habe mich auf die älteren Herrschaften und auf die dicken Bäuche spezialisiert“, sagt Pockrandt im Abendblatt-Interview. Doch auch diese Kunden werden sich über kurz oder lang an die vielen Shopping-Center gewöhnt haben, die es vor 20 Jahren noch kaum gab. Sogar im alten Bezirk Wedding gibt es mit dem Gesundbrunnen-Center einen großen Einkaufstempel, und auch die Reinickendorfer Borsig-Hallen ziehen die zahlungskräftigen Kunden ab. Überhaupt – die Kaufkraft: die ist im nordwestlichen Teil des Wedding gar nicht so niedrig wie man denken könnte. Viele BVG-Pensionäre, ehemalige Schering-Beschäftigte und das kleine Bürgertum kennzeichnen nämlich die Bewohnerschaft rund um den U-Bahnhof Rehberge. Damit unterscheidet sich dieser Teil des Wedding von den anderen Kiezen, in denen es viel mehr sozial Schwache und Studenten gibt.
Wer soll solche Fachgeschäfte übernehmen?
Man kann dem Ladenschwund sicher nachtrauern. Aber, Hand auf’s Herz: welcher junge Existenzgründer würde einen solchen Laden übernehmen wollen, in dem gewachsene Kundenbeziehungen eine so große Rolle spielen? In dem absehbar ist, dass die Kundschaft in den nächsten Jahren allein schon aus Altersgründen wegbricht? Die persönliche Bindung an ein Modegeschäft ist in den letzten Jahren ohnehin verloren gegangen. Angesichts der veränderten Gewohnheiten und Geschmäcker wird es eben Gewinner und Verlierer geben. Die obere Müllerstraße wird dabei wohl oder übel auf der Verliererseite stehen, wenn es um die überregionale Versorgung mit Waren des gehobenen Bedarfs geht. Die Zeiten ändern sich.

































