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“Sole Mio”: Wie vor zwanzig Jahren

Sole mio (Foto: stefblog.de)

Sole mio (Foto: stefblog.de)

Das Restaurant ist fast schon ein Urgestein im nördlichen Wedding und wirbt – noch nicht mal völlig zu Unrecht – mit “Preisen wie vor 20 Jahren”. Überhaupt muss man sagen, dass im Sole mio die Zeit vor 25 Jahren stehen geblieben zu sein scheint: Interieur, Angebot, die musikalische Hintergrundbeschallung – alles wirkt so, als hätte sich seit Eröffnung in den späten 1980ern dort nicht viel geändert. Und das ist keinesfalls als Kritik zu verstehen, sondern eher im Gegenteil – der 1980er-Charme könnte wunderbar als Geschäftskonzept durchgehen.

Das Angebot ist nicht üppig aber vollkommen ausreichend, auf großartige Experimente moderner Küche wird verzichtet, aber alles, was man dort zubereitet, ist absolut schmeckig! Der Service ist aufmerksam und freundlich, ein kleiner Appetithappen vor und ein Gläschen Hochprozentiges nach dem Essen wird aufs Haus serviert, und wenn die – im Sommer sehr begehrten – Plätze draußen alle belegt sind, schleppt der Kellner auch bereitwillig extra Tische und Stühle aus dem Restaurant auf die Straße. Und wenn in Kürze der Flughafen in Tegel schließt, dürfte das Draußensitzen noch wesentlich angenehmer werden.

Nun würde ich ja gerne an dieser Stelle auf die Webseite oder zumindest den Qype-Auftritt verweisen, allein nichts davon gibt es – im Web ist das Sole mio quasi inexistent. Aber offensichtlich können sie sich mit ihren Stammkunden auch so problemlos seit vielen Jahren über Wasser halten.

Autor: Stef, stefblog.de
Ristorante Pizzeria Sole mio, Otawistr. 5 , U-Bhf Rehberge

Öffnungszeiten täglich außer Dienstags. Alle Speisen auch zum Mitnehmen.

“Kichererbsen” – Lust auf Werkeln in der Küche

Zwei lachende grüne Kuller über der Eingangstür, ein helles, von Grüntönen dominiertes Ladengeschäft – ein solches Ambiente ist ungewöhnlich in diesem Teil von Berlin-Mitte. Doch bei näherer Betrachtung entpuppt sich der aufwändig gestaltete Raum als Kochstudio, die „Kichererbsen“.

“Je früher man etwas über Ernährung lernt, desto besser – und am besten schon als Kind!”

Petra HellmichDie ErnährungspyramidePetra Hellmich erlebt es immer wieder, wie neugierig Kinder jeden Alters darauf sind, Essen selbst zuzubereiten. Die Ernährungsberaterin und Diätassistentin muss sich dabei nur an ihre eigene Kindheit zurückerinnern: “Ich hatte schon mit fünf Jahren meinen kleinen, voll funktionierenden Elektroherd”, erzählt die 44-jährige Berlinerin. “Meine Mutter ließ mich schon früh alleine kochen, und auch von meiner Oma habe ich viele Rezepte gelernt.” Die gute Hausmannskost wie süß-saure Linsen mit Kartoffeln gehört für Petra Hellmich zu den Kindheitserinnerungen. Ebenso wie auch die frischen Zutaten aus Omas Garten in Reinickendorf. Nach dem Abitur war für sie klar: auch beruflich sollte es um’s gute Essen gehen. Einfach nur Köchin sein hätte Petra Hellmich aber nicht gereicht, daher entschied sie sich für eine Ausbildung zur Diätassistentin. 15 Berufsjahre folgten, im Krankenhaus und als Dozentin an der Krankenpflegeschule – gleichzeitig bildete sich Petra Hellmich an der Charité zur Ernährungsberaterin weiter.  “Als mein Job gekündigt wurde, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopf und verwirklichte meinen Traum”, erzählt Petra Hellmich. Im Afrikanischen Viertel, wo sie aufgewachsen und zur Schule gegangen ist und noch heute wohnt, verwandelte sie einen leeren Laden in die Lehrküche mit Gastraum, als die sich die “Kichererbsen” heute zeigen.

Das Konzept klingt einfach: Petra Hellmich möchte Firmen, Erwachsene und Kinder statt mit grauer Theorie lieber mit Kocherlebnissen ansprechen.

“Ich lege Wert auf Qualität, und die zeige ich den Kursteilnehmern. Ganz nebenbei, mit viel Freude, kann man auch als Erwachsener noch eine Menge über die Lebensmittel lernen.”

Für die Kinder greift die Ernährungsberaterin gerne auf Handpuppen zurück – die beiden Kichererbsen aus Stoff zeigen, wie wichtig gutes Essen ist. Bei den Kichererbsen können Kindergruppen auch im Rahmen von privaten Geburtstagsfeiern kochen und das zubereitete Essen gemeinsam verzehren. Da kann es auch schon mal passieren, dass plötzlich Sterne in die Suppe gezaubert werden – “aus Möhren, die ich vorher ausgestochen habe”, erzählt Petra Hellmich lachend.

Im Gastraum ist genug PlatzGranatapfel statt KichererbsenDas, was die “Kichererbsen” ausmacht, ist die ansteckende Lust der Inhaberin, ihr Wissen über Lebensmittel und Kochen weiterzugeben, Anregungen zu geben und Kursteilnehmer jeden Alters für’s Nachmachen zu begeistern. Persönlich liegt Petra Hellmich viel daran, ihre Arbeit genau an dieser Stelle im Wedding auszuüben – schon als Schülerin am Lessing-Gymnasium war sie oft im (inzwischen geschlossenen) Eiscafé in der Otawistraße direkt neben ihrem heutigen Kochstudio. Ernährung muss für Sie vor allem Spaß machen und darf gerne auch ein Gemeinschaftserlebnis sein. Nicht dogmatisch, trotzdem aber gesund. Genau dafür stehen die frischen grünen Kichererbsen im Logo.

Kichererbsen Berlin

Kochkurse, Ernährungsberatung, Angebot für Familienfeste und Kindergeburtstage

Otawistr. 1 / Ecke Müllerstraße

U-Bahnhof Rehberge

Tel.86434430

Website mit aktuellen Kursangeboten

Eisenwaren Mehler, Otawistraße

Eisenwaren Mehler

Eisenwaren Mehler

„Gehen Sie doch zu Eisen-Karl“, so warb früher eine Baumarktkette (die mit den drei Buchstaben). Nur dass es eben wegen solcher Baumärkte den Eisenwarenhändler an der Ecke gar nicht mehr gibt. Gar nicht mehr? Stimmt nicht, denn an der Otawistraße 13/ Ecke Lüderitzstr. hat ein besonders schönes Exemplar überlebt: Otto Mehler. „Wir sind billiger als der Baumarkt, der mit 20 % Rabatt wirbt“, sagt Inhaberin Yvonne Hanusch, während sie geduldig in einem dicken Katalog nach einem sehr speziellen Artikel sucht, nach dem sich ein 9jähriger Junge erkundigt. Am liebsten möchte man dem Jungen zurufen: Versuch das bloß nicht in einem Baumarkt!


Aber so hat man beim Warten genügend Zeit, den Blick schweifen zu lassen: wunderschöne alte braune Holzschubfächer, aus denen sich Schrauben und Nägel noch einzeln erwerben lassen, zieren die hintere Wand des Eckladens. Die sind noch aus der Zeit um die Jahrhundertwende und dutzende Male übermalt worden. Und was es sonst noch alles gibt: Geschirr und Haushaltswaren, Kleinelektrogeräte, alles für den Garten und natürlich auch Farben und Lacke. Wie ein Relikt aus der gar nicht so lange zurückliegenden Vergangenheit hat dieser Laden seine Nische bewahrt. 1893 wurde der Betrieb gegründet, der bis in die 1980er Jahre seinen Sitz am Winterfeldtplatz in Schöneberg hatte. Allein vom Verkauf einzelner Schrauben kann der Laden heute keinen Profit mehr abwerfen, statt dessen betreiben die Besitzer noch einen Großhandel. Das mindert nicht die Freude an diesem wunderbar kramigen altmodischen Geschäft mit einer Beratungsgarantie. Dafür lohnt sich selbst eine weite Anreise!

Rund um den U-Bahnhof Rehberge

Afrikanisches Viertel – Ungewöhnliche Straßennamen

Die Straßennamen im Afrikanischen Viertel sind in Berlin einmalig

Die Straßennamen im Afrikanischen Viertel sind in Berlin einmalig

Ihrer Zeit voraus: Die Siedlung an der Afrikanischen Straße

Ihrer Zeit voraus: Die Siedlung an der Afrikanischen Straße

Umstrittene Kleingartenkolonie

Umstrittene Kleingartenkolonie

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Straßennamen stehen für deutsche Kolonialgeschichte

Wie in keinem anderen Viertel im Berliner Ortsteil Wedding spiegeln sich hier Weltanschauungen und politische Einflüsse in den Straßennamen und in der Architektur der Gebäude. Togostraße, Kameruner Straße, Swakopmunder Straße – im ansonsten unscheinbar wirkenden Viertel östlich des Volksparks Rehberge tragen die Straßen exotisch anmutende Namen. Das Gelände des späteren Volksparks war von Carl Hagenbeck für eine Ausstellung vorgesehen, in der auch Schwarzafrikaner zur Schau gestellt werden sollten.

Das Viertel weist mehrere Bauphasen auf: am Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit der planmäßigen Anlage zwischen See- und Otawistraße begonnen. Die Benennung der Straßen erfolgte aus einer kolonialen Euphorie heraus, die das Deutsche Reich damals erfasst hatte.  Mit der “Kongo-Konferenz“, einer Afrika-Konferenz der europäischen Großmächte in Berlin im Jahre 1884/85 wurde der afrikanische Kontinent willkürlich aufgeteilt. Neue Grenzen zerrissen die angestammten Siedlungsräume der afrikanischen Völker. Für das Deutsche Reich fiel nur ein vergleichsweise kleines Stück vom Kuchen ab, nämlich Kamerun, Togo, Deutsch-Südwest (heute Namibia), Deutsch-Ostafrika und Sansibar (heute Tansania). Nach diesen so genannten “Schutzgebieten” wurden die Straßen im Afrikanischen Viertel benannt.

Auch drei Persönlichkeiten der deutschen Afrikapolitik wurden mit Straßennamen geehrt: Gustav Nachtigal, Franz Adolf Lüderitz und Carl Peters. Sie hatten dazu beigetragen, Teile des Kontinents militärisch oder durch Kaufverträge für deutsche Interessen zu sichern. Dabei wurde wenig Rücksicht auf die Urbevölkerung genommen- blutiger Höhepunkt war die Niederschlagung des Herero-Aufstands von 1904 bis 1908.

Nach dem Verlust der deutschen Kolonien 1918 erfolgten weitere Straßenbenennungen – man wollte sich nicht damit abfinden, dass es eine deutsche Kolonialpolitik nicht mehr geben sollte.

Den Bewohnern des Afrikanischen Viertels ist die Bedeutung der Namen nahezu unbekannt. Zusatztafeln, die eine historische Einordnung der Straßenbezeichnungen erlauben, fehlen bis heute vollständig. Einige Parteien, antirassistische Initiativen oder Vereine, die sich der Aufarbeitung der kolonialen Geschichte verschrieben haben, fordern schon seit vielen Jahren die Umbenennung einzelner Straßen. Vor allem die drei Namen Lüderitzstraße, Nachtigalplatz und Petersallee stehen im Kreuzfeuer der Kritik. In diesem Zusammenhang interessant ist die Tatsache, dass nach Lüderitz immerhin auch eine Stadt in Namibia benannt ist – bis heute. Nach der letzten Wahl 2011 haben sich die Bezirkspolitiker von SPD und CDU darauf geeinigt, von Umbenennungen vorläufig abzusehen. Vielmehr soll die Entwicklung des Afrikanischen Viertels zu einem Flächendenkmal, einem zentralen Lern- und Gedenkort für die deutsche Kolonialgeschichte, vorangetrieben werden.

Moderne Architektur im Afrikanischen Viertel

Mies van der Rohe-Wohnbauten in der Afrikanischen Str.

Mies van der Rohe-Wohnbauten in der Afrikanischen Str.

In den 1920ern Jahren, als der Wedding ein eigenständiger Bezirk in Berlin war, waren die dort regierenden Sozialdemokraten besonders aufgeschlossen gegenüber dem “Neuen Bauen“, das den Wohnungsbau reformieren sollte. Zudem verfügte der Bezirk über große Freiflächen im Nordosten. So kam es, dass gerade dort besonders viele Reformansätze bei den neu zu errichtenden Wohnhäusern ausprobiert wurden.

Um 1927 entstanden nach Entwürfen des Architekten Ludwig Mies van der Rohe in der südlichen Afrikanischen Straße vier Häuserzeilen, die für die damalige Zeit eine besonders rationelle und auf das Wesentliche reduzierte Bauweise darstellen. Mies van der Rohe leitete zeitgleich auch die Planung der als wegweisend angesehenen Weißenhof-Siedlung in Stuttgart und war dort für den Bau eines Wohngebäudes verantwortlich.

1929 wurde der erste Bauabschnitt des nach damals sehr modernen landschaftsplanerischen Kriterien angelegten Volksparks Rehberge westlich des Afrikanischen Viertels fertiggestellt. In den Jahren bis 1931 entstand am nördlichen Rand die Friedrich-Ebert-Siedlung, ein frühes Beispiel modernen Bauens der Architekten Mebes, Emmerich und Bruno Taut. Was in der Nachkriegszeit beim Wiederaufbau “normal” wurde, war hier noch eine Pionierleistung: konsequent wurden die Häuser in Zeilenbauweise und mit Flachdächern versehen errichtet. Dadurch hat jede der 1700 Wohnungen einen Blick auf die Grünflächen zwischen den Häuserreihen. Neu war auch, dass auf Schmuckelemente verzichtet wurde – nur die Anordnung von Fenstern und Treppenhäusern sorgt für eine Fassadengliederung. Die Siedlung wurde nach dem sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert benannt, zu dessen Ehren man einen Gedenkstein errichtete. Den Nationalsozialisten war dies ebenso ein Dorn im Auge wie die Architektur der Siedlung: der Gedenkstein wurde kurzerhand entfernt, die Siedlung umbenannt und nach Süden hin mit einer die Sichtachse versperrenden Bebauung in konservativerem Stil ergänzt. Aus der Zeit um 1940 stammt die gesamte Bebauung zwischen Nachtigalplatz/Petersallee und der Otawistraße. Die Gebäude sind ähnlich schlicht gehalten wie die Friedrich-Ebert-Siedlung, jedoch verfügen die Häuser wieder über Satteldächer.

Erwähnt werden sollten auch die Häuser in der Sansibarstraße, die zwar nicht mehr über Hinterhäuser verfügen, aber immer noch an der durchgehenden Blockrandbebauung festhalten. Nur im vergleichsweise großen Block Sansibar-/Togo-/Otawistr./Afrikanische Str. haben die Architekten das “Verbot” von Hinterhäusern umgangen: zur Afrikanischen Straße hin öffnet sich der begrünte Hof, und anstelle eines Vorderhauses gibt es hier zwei einzeln stehende “Torhäuser”. In Verbindung mit dem ockerfarbenen Anstrich bietet die Wohnanlage mit Ausrichtung auf den Volkspark Rehberge einen repräsentativen Anblick.

Inmitten dieser Häuser liegt die Dauerkolonie “Togo e.V.”, eine planmäßig errichtete Kleingartenanlage aus dem Jahr 1939. Auch wenn sich der Begriff Kolonie eindeutig auf die Schrebergärten bezieht, ist der Name – in Verbindung mit der ehemaligen deutschen Kolonie Togo – nicht weniger umstritten als einige andere Straßennamen des Afrikanischen Viertels.Unsaniert, saniert: das einzige weiße Haus in der oberen Togostraße

Ein ungewohntes Bild im Wedding

Ein ungewohntes Bild im Wedding

mehr Informationen zu den Straßennamen im Einzelnen

Straßenumbenennungen im Afrikanischen Viertel?

Großes Bürgerinteresse, wenn es um Straßennamen geht

Alles Mögliche hat hier einen Afrikabezug....

Alles Mögliche hat hier einen Afrikabezug....

Der Saal im Paul-Gerhardt-Stift ist am Abend des 30. Mai 2011 gut gefüllt. Zahlreiche interessierte Anwohner, Lokalpolitiker und Vertreter von Bürgerinitiativen möchten mehr über Gerüchte und Fakten erfahren, wenn es um den Umgang mit den Straßennamen im Afrikanischen Viertel geht. Die SPD in Mitte hat zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen, um den Prozess der Entwicklung des Afrikanischen Viertels zu einem Lern- und Gedenkort anzustoßen.

Das Afrikanische Viertel ist das größte Flächendenkmal mit kolonialhistorischem Bezug in Deutschland“, erklärt der auf die deutsche Kolonialgeschichte spezialisierte Historiker Dr. Joachim Zeller, der selbst in Namibia geboren wurde. Das Afrikanische Viertel hat das Potenzial, die Geschichte Afrikas stellvertretend für ganz Deutschland zu erzählen, findet auch Dr. Christian Hanke, der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte. „Wedding hat sich verändert, unsere Gesellschaft ist bunter geworden“, erläutert der Lokalpolitiker und fügt hinzu: „Im Afrikanischen Viertel können wir die Geschichte Afrikas nach der Dekolonisierung weitererzählen.“ Die Entwicklung eines Lern- und Gedenkortes setzt eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte voraus. Die Straßennamen im Viertel, die zwischen 1899 und 1958 benannt wurden, spiegeln die jeweilige deutsche Haltung zu Afrika wider – sei es eine Werbung für die Kolonialpolitik bis 1919, sei es eine Würdigung des 1958 unabhängig gewordenen Staates Ghana.

Ein Lern- und Gedenkort der anderen Art

An der Togostraße

An der Togostraße

Aus Sicht mancher Teilnehmer der Runde sind von den 24 Straßennamen, die in dieser Häufung einmalig in Deutschland sind, drei Bezeichnungen nicht mehr tragbar. Es handelt sich dabei um die Petersallee, den Nachtigalplatz und die Lüderitzstraße. Alle drei mit einer Straße geehrten Persönlichkeiten haben im 19. Jahrhundert auf unterschiedlichste Art dazu beigetragen, große Teile Afrikas für die Kolonialansprüche des Kaiserreichs zu sichern. „Die meisten Gedenkorte betreffen den Nationalsozialismus oder die deutsche Teilung. Warum nicht auch einmal ein Gedenkort für Afrika?“ fragt sich Bruni Wildenhein-Lauterbach, die den Wahlkreis im Abgeordnetenhaus vertritt. Dabei ist es ihr als gebürtige Berlinerin wichtig, dass sich auch die Anwohner mit ihrem Viertel und ihren Straßennamen identifizieren. Sie sollen neue Namen nicht übergestülpt bekommen.

Genau dies befürchtet die Bewohnerinitiative „Pro Afrikanisches Viertel“. Ihren Mitgliedern geht es nicht darum, den Gedenkort zu verhindern. Sie sehen aber vor allem die Kosten, die eine Umbenennung für den Bezirk, aber auch Bewohner und Gewerbetreibende mit sich bringt. „Warum kann nicht eine Zusatztafel erklären, nach wem die Straße benannt wurde?“ fragt ein Anwohner. Dadurch wüssten Besucher und Bewohner des Viertels, welche Person in welcher Zeit mit der Benennung geehrt wurde und welche Motivation dahinter stand. Für den Bezirksbürgermeister wäre dies kein adäquater Umgang mit den zahlreichen Opfern der kolonialen Vergangenheit. Inzwischen hat die Bezirksverordnetenversammlung den Beschluss gefasst, eine Infosäule im Afrikanischen Viertel aufstellen zu lassen. Über den Text gab es unterschiedliche Auffassungen – daher hat man sich auf zwei Texte geeinigt, die zwei unterschiedliche Perspektiven auf die Kolonialgeschichte aufzeigen. Eine solche Infotafel, deren Standort noch nicht geklärt ist, ist durch ihren umstrittenen Text selbst Teil des Prozesses, sagt Bürgermeister Dr. Hanke.

Ein Prozess, der jetzt erst beginnt und an dessen Ende das gesamte Afrikanische Viertel ein Lern- und Gedenkort ist. Ein Vorbild dafür könnte das Bayerische Viertel in Schöneberg sein, an dem im Straßenbild der schrittweisen Entrechtung der Juden in der Nazizeit gedacht wird. Diesen Prozess auf die Umbenennung von Straßen zu reduzieren, würde an dem Potenzial vorbeigehen, das ein solcher Lern- und Gedenkort für diesen Teil des Wedding darstellen kann. Nur die Interessen weniger Anwohner zu berücksichtigen, wird der deutschlandweiten Bedeutung des Afrikanischen Viertels nicht gerecht.