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Vegan oder nicht – kein Problem an der Müllerstraße
Auf die Qualität kommt es an: nicht nur überzeugte Veganer werden im Imbiss “Falafel Dream 2010″ neben der Agentur für Arbeit zufriedene Gesichter machen. Auch wer sich für Fleischwaren interessiert, findet an der Müllerstraße eine Handwerksfleischerei mit Qualitätsbewusstsein.
Veganer Falafel-Imbiss bereichert das Angebot im Wedding
“Ich konzentriere mich in meinem Geschäft auf eine Sache, und das ist Falafel!” Der 33-jährige Wael Thib tüftelt seit Jahren an der richtigen Zusammensetzung dieser arabischen Spezialität aus Kichererbsenmus. Sein Rezept mit der geheimen Mischung der Gewürze verrät er zwar nicht, aber dennoch kann man nicht nur hervorragende Gerichte an seinem Imbisswagen verzehren. Der arabische Falafel-Spezialist bietet auch Falafel-Seminare im benachbarten Saal der Baptistengemeinde an. “Bei diesen Seminaren lernen sich viele Neu-Weddinger kennen”, erzählt der ideenreiche Gastronom: “Gemeinsam formt man die Bällchen, frittiert sie und sitzt insgesamt drei bis vier Stunden zusammen und unterhält sich.” Es gibt auch einige wenige Fleischgerichte in Halal-Qualität bei Wael Thib, aber Falafel steht in jeder Hinsicht im Mittelpunkt. “Ich lege Wert auf vegane Zutaten in höchster Qualität”, beschreibt der studierte Hotel-Betriebswirt bei einem Glas mit heißen Zimt-Tee sein Konzept. Er hat den Markt genau analysiert und beobachtet, dass im Moment viele Veganer aus Friedrichshain in den Wedding ziehen. Wael Thib glaubt trotzdem daran, dass seine Idee nicht nur an diesem Standort, sondern auch woanders funktioniert und denkt daher schon an Expansion. Im Gegensatz zu einem festen Restaurant mit hoher Miete kann der Imbissbetreiber problemlos den Standplatz wechseln: “Ich biete in Berlin und dem Umland auch mobiles Catering an. Aus dem Imbisswagen heraus bereite ich vor Ort für Hochzeiten, Betriebsfeiern oder Geburtstage arabische Spezialitäten zu”, erzählt der Weddinger, der selbst am Nauener Platz wohnt.
Ideen hat Wael Thib noch viele – die ziemlich schräge “Falafel-Flat”, mit zahllosen Rabatten für benachbarte Geschäfte, gibt es schon heute. Aber die immer verbesserte Rezeptur und Zubereitung sind und bleiben das zentrale Element des findigen Geschäftsmanns: für einen veganen Falafel, der 350 Kalorien zählt und unglaublich gut schmeckt. Ein vollwertiger Fleischersatz, auch für Fleischesser. Wer der Meinung ist, jeder Falafel sei doch im Grunde vegan, wird hier eines Besseren belehrt – die Sesamsoße wird nämlich bei Wael Thib, im Gegensatz zu vielen Falafelanbietern, nicht mit Joghurt gestreckt….
Falafel Dream 2010, Müllerstr. 14a, Tel. 0177 2501585, Mo-Do 11.30-22 Uhr,Fr 15-23 Uhr, Sa 13-22 Uhr, So 15-21 Uhr
Website mit Seminarangeboten, Speisekarte und Cateringservice
Neuland-Fleischerei an traditionsreichem Standort im Wedding
Doch wer nicht gerade überzeugter Veganer oder Vegetarier ist, dennoch Wert auf Qualität bei Fleisch oder Wurst legt, wird ein paar hundert Meter müllerstraßenaufwärts ebenfalls fündig. In der Hausnummer 156, gegenüber von Karstadt, befindet sich seit 1906 eine Fleischerei. Früher gab es solche Geschäfte ja noch an allen Einkaufsstraßen, aber heute haben sie Seltenheitswert. Doch nicht allein dadurch setzt sich die Fleischerei Bünger von der Supermarkt-Konkurrenz ab. Die Ware wird in “Neuland-Qualität” verarbeitet und im Laden oder gleich nebenan auch in einem Imbiss verkauft. “Neuland” ist übrigens seit 1988 ein Qualitätssiegel, das zwar nicht für “bio”, aber für erhöhte Standards in der artgerechten Tierhaltung steht. Das kostet deutlich mehr – dadurch konsumiert man Fleisch aber sicher bewusster. Und freundlicher bedient als am Tiefkühlregal beim Discounter wird man auf jeden Fall auch noch…
Neuland-Fleischerei Uwe Bünger, Müllerstr. 156, Mo-Fr 7-19 Uhr, Sa 8-15 Uhr
Abschied von der Müllerhalle
Die Türen sind schon verschlossen, die Leuchtreklamen abmontiert: die Weddinger Müllerhalle atmet ihre letzten Züge und haucht wohl noch in diesem Monat ihr Leben aus. In der Berliner Zeitung wird noch einmal die besondere Atmosphäre dieses dunklen Ortes an der Müllerstraße gewürdigt; auch die letzten Geschäftsleute äußern sich noch einmal:
Müllerhalle ade, willkommen Kaufland!
Sogar die Süddeutsche Zeitung widmet dieser Institution eine melancholische Fotoserie.
Veranstaltungstipps: Rotaprint und “Fête de la Musique”…
Kostenlose Führung durch das ExRotaprint-Gelände, organisiert von “Nächste Ausfahrt Wedding”
Einladung zur Programmvorstellung “Fête de la Musique” 2012
Dienstag, den 22.05.2012 um 18:00 Uhr
Cineplex Alhambra, Seestraße 94, 13353 Berlin
Der Musiker Heinz Ratz hat eine Band aus Flüchtlingen zusammengestellt die in Deutschland Asyl suchen. Manche werden aufgrund ihrer Lieder in ihren Heimatländern verfolgt. Dies ist eine der Bands der Bühne Weddingklänge zur Fête de la Musique am 21.06 auf dem Leopoldplatz.
Um nicht nur diese, sondern auch die vier weiteren Veranstaltungsorte zur diesjährig stattfindenden Fête de la Musique im Wedding vorzustellen, laden die Bühnen am 22. Mai um 18:00 Uhr ins Kino Alhambra ein. Es werden Musiker anwesend sein, Band-Videos gezeigt und das diesjährige gemeinsame Plakat präsentiert. Anwesend sein wird auch ein Teil des Filmteams, das Heinz Ratz auf seiner ungewöhnlichen Konzertreise begleitete, für Fragen bereit stehen wird und den Trailer zum Film vorführt.
Weitere spannende Programmpunkte zur Fête de la Musique am Leopoldplatz werden die afrikanischen Klänge der Sudanese Allstars und die allseits bekannten Django Lassis sein.
Der Fokus der Bühne am Centre Français (Müllerstraße 74) liegt auf Musikern aus Deutschland und Frankreich, deren Bandbreite von Rock über französischen Chanson, Gypsy, Rock bis hin zu Tango reicht.
Die Osterkirche (Samoastr. 14) legt ihren Schwerpunkt auf Orgelmusik. Es werden neben sakralen Klängen, Filmmusik und Jazz mit diesem vielseitigen Instrument vorgetragen.
Das Klingende Museum (Zingster Straße 15) das Kindern einen Einblick in Orchesterinstrumente gibt, präsentiert auch ein abwechslungsreiches Programm das von Jazz und Soul bis hin zu experimentellem Pop reicht. Ein Highlight ist das Orchestre Miniature in the Park, eine Band, die auf Kinderinstrumenten musiziert.
Auf der KiKiSol-Bühne auf dem Nettelbeckplatz geht es auch international zu, von Balkanmusik über Klezmer bis hin zu Singersongwritern.
Die Veranstalter danken der Fête de la Musique, allen Sponsoren und dem Alhambra Kino, bei dem wir am 22. Mai zu Gast sind, um das Programm vorzustellen.
Leo wird wieder Platz
Die Weddinger haben’s schon gemerkt: Der Leopoldplatz verändert seit 2010 sein Gesicht. Vor Beginn des letzten Bauabschnitts stellte Architekt Frank von Bargen die anstehenden Maßnahmen vor.
Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn: die Trinker, die den Platz in den letzten Jahren bevölkerten, sind schon in einen eigenen Bereich hinter der Alten Nazarethkirche nahe der Schulstraße ausgewichen. Diese Zone erhält jetzt endlich eine Überdachung. Aber auch an weniger prominenten Stellen hat sich das Bild des Leopoldplatzes verändert: durch die Anlage des neuen Spielplatzes Burg Leopold, die baumbestandene Promenade an der Nazarethkirchstraße mit Trampolin und Schachbrett sowie die rote „Coladose“ mit dem kleinen Café. Jetzt ist der Platzbereich vor der Alten Nazarethkirche dran: wie die „Berliner Woche“ meldet, wird die 1985 aufgestellte, häufig zugemüllte Steinschale mit Springbrunnen verschwinden. Allzu oft hat die Fontäne ohnehin nicht gesprudelt. Aber keine Sorge: statt dessen soll es dann an 24 Düsen “Wasser marsch” heißen. Auf dem Leo wird es dann ein großflächiges Fontänenfeld geben – eine Art Kinderplanschenersatz mit Bänken. Gut so: denn die werden vom Bezirk fast vollständig weggespart.
1,1 Millionen Euro kosten die Aufwertungsmaßnahmen für den „Leo“ insgesamt. Schließlich ist dieser Platz (der ja eigentlich eine langgezogene Grünanlage ist), die einzige Stelle im Wedding, die man als das Zentrum des Ortsteils bezeichnen könnte. Durch die Kreuzung wichtiger Straßen und U-Bahn-Linien sowie dank des Karstadt-Warenhauses kommen hier auch viele Besucher erstmals mit dem Wedding in Kontakt. Da kann das Erscheinungsbild des Platzes doch sehr imageprägend wirken.
Fazit: Diese Maßnahmen kommen genau zur rechten Zeit. Es wird Zeit, dass dieser Platz nicht nur von Menschen “frequentiert” wird, die ihn benutzen müssen. Die Anlage dieses zentralen Punktes sollte auf jeden Fall auch Lust darauf machen, sich länger als unbedingt nötig dort aufzuhalten…
100 Jahre Alhambra, 10 Jahre Multiplex
Diese Ecke ist ein alter Kinostandort. Bereits vor 100 Jahren, 1912, wurden im Hinterzimmer des Gartenlokals Sachon Müllerstraße Ecke Seestraße Stummfilme aufgeführt. 1916 wurde daraus ein “richtiges” Kino, das nach Kriegszerstörung 1953 als typisches Fünzigerjahrekino “Alhambra” wiedereröffnet wurde. Dieses Kino mit nur einem Saal prägte den Wedding in der Nachkriegszeit. Erst 1999 wurde es dann abgerissen und durch ein modernes Multiplexkino mit der markanten Glasfassade ersetzt, das schließlich am 8. Mai 2002 eröffnet wurde. Mit dem 14 Millionen Euro teuren Neubau hat sich der damalige Besitzer allerdings finanziell verhoben – heute gehört das Alhambra zur CINEPLEX-Kinogruppe (Quelle: Berliner Woche).
Die beiden Jubiläen werden mit einer Filmreihe in der Sonntags-Matinee gewürdigt, immer um 11 Uhr werden für 7,50 Euro Eintritt Filmklassiker gezeigt:
- am 13. Mai Charlie Chaplin – Lachparade (1916)
- am 20. Mai “Bel Ami” (1930)
- 27. Mai: “Citizen Kane” (1941)
- 3. Juni: “Ein Amerikaner in Paris” (1951)
- 10. Juni: “Der Unsichtbare Dritte” (1959)
- 17. Juni: “Bonny und Clyde” (1967)
- 24. Juni: “Solo Sunny” (1979)
- 1. Juli: “Der Himmel über Berlin” (1986)
- 8. Juli: “Buena vista social club” (1998)
15. Juli: “Avatar” (2009)
- 22. Juli: “The Artist” (2012)
Fahr Rad in Wedding
Die Müllerstraße hat soeben zwischen der Kreuzung Afrikanische Straße und der Seestraße, also nur in ihrem nördlichen Abschnitt, Fahrradstreifen spendiert bekommen, auch für die südliche Müllerstraße sind für 2012/2013 Radspuren geplant. Eine baldige Sanierung für die maroden Radwege an der Seestraße ist angekündigt. Diese bieten Abenteuer pur, da man nicht weiß, ob man ihre Benutzung unbeschadet übersteht. Oder der geschundene Drahtesel. Sollte das Fahrrad einmal ein Zipperlein haben, oder komplett überholt werden müssen, sind Fachgeschäfte und Werkstätten gefragt.
Doch wie sieht es im Wedding mit Fahrradläden aus? Eure Erfahrungen, Ergänzungen und Kommentare sind hochwillkommen!
Liste der Fahrradläden und Fahrradwerkstätten in Wedding
Antonkiez: Radhaus Wedding oHG
Schererstraße 5
Tel.: 4551041
www.radhaus-wedding.de Mail: Radhaus.Wedding@t-online.d
Brüsseler Kiez: RAD-CORE
Brüsseler Str. 46
Tel.: 3 96 52 83, Fax : 3 96 52 8 www.rad-core-berlin.de, Mail: info@rad-core-berlin.de
Sprengelkiez: Radsport/Sportrad Weik
Torfstr. 16A (U-Bhf Amrumer Str.)
Tel.: 45 08 41 20, Website
Antonkiez: Barabella
Schulstr. 16, 2. Hinterhof
01578 5442664
Afrikanisches/Englisches Viertel: Fahrradladen
Müllerstr. 98 (U-Bhf Afrikanische Str., gegenüber BVG)
Tel.: 45 97 26 91
Afrikanisches Viertel: Francis Fahrradservice
Seestr. 103-104 (nahe Togostraße), Spezialgebiet: Aufarbeitung gebrauchter Fahrräder
Telefon: 25323323, Fax: 25323322
www.ffs-fahrrad.de Mail: f.mandra@arcor.de
Müllerstr. 58a Ecke Barfusstr. (U-Bhf Rehberge)
Garten Arbeit Schule: das Schul-Umwelt-Zentrum
Achtlos geht man an der Scharnweberstraße 159 vorbei, ziemlich genau an der Stelle, wo die Straße ihren Namen in Müllerstraße ändert. In diesem vorstädtischen Nichts aus Verkehrsschneisen, mehrstöckigen Bürogebäuden, einem Baumarkt und einem Einkaufszentrum würde man alles – nur keine grüne Oase – vermuten. Und doch ist die Gartenarbeitsschule Wedding in dieser peripheren Lage seit 1950 zu Hause. Mit der einzigen innerstädtischen Sanddüne Deutschlands verfügt das Areal sogar noch über ein ganz besonderes Naturdenkmal.
Gartenarbeitsschulen (diese hier firmiert seit der Bezirksfusion unter dem Namen “Schul-Umwelt-Zentrum Mitte“) beruhen auf reformpädagogischen Ideen der 1920er Jahre. Doch besonders nach dem Zweiten Weltkrieg haben die ausgehungerten und traumatisierten Kinder hier Erholung gefunden. Zusätzlich wurde durch die herangezüchteten Pflanzen die ärgste Not in den Familien gelindert. So notierte der erste Leiter der Gartenarbeitsschule Wedding, Gerhard Stüllein: “Die Kinder sollen lieber, anstatt auf Hamsterfahrt zu gehen, auf ihrem eigenen Schulgartenbeet Nutzpflanzen für ihre Familien heranziehen.”
Doch die Gartenarbeitsschule vermittelt nicht nur Wissen. Dieser besonders verwunschene, langgezogene Garten lädt zu Entdeckungen ein. So gibt es ein Bienenhaus, einen Teich voller Kaulquappen, Gewächshäuser, eine Feuerstelle mit Wigwam, ein schwedisches Holzhaus für Wetterbeobachtungen und Umweltexperimente sowie die bereits erwähnte Düne. Genutzt werden die vielen Beete von zahlreichen Kitagruppen und Schulklassen sowie Lehrerfortbildungsgruppen. In alle Gärten des SUZ kommen jährlich 40 000 Besucher!
Am meisten fasziniert den Besucher, der zum ersten Mal in die Gartenarbeitsschule kommt, welches grüne Paradies sich hinter den hässlichen Gewerbebauten verbirgt. Tatsächlich ist man hier der Realität ein wenig entrückt, wie in einem kleinen Botanischen Garten. Die Düne Wedding am Rand des Gartens fällt jäh zum Parkplatz des Baumarkts ab. Erklimmt man den Sandberg, wird man sich der städtischen Lage der Gartenarbeitsschule wieder bewusst.
Immer wieder ist die Existenz der Gartenarbeitsschulen, die auf über 90 Jahre Tradition in Berlin zurückblicken können, aus Spargründen gefährdet. Gerade in Zeiten größter materieller Not entstanden, wurde der Nutzen dieser Einrichtungen früher nicht in Frage gestellt. Aber auch heute ist das Schul-Umwelt-Zentrum für Stadtkinder wichtiger denn je: wo sonst sollen Kinder die Artenvielfalt, das Werden und Vergehen und Nachhaltigkeit lernen? Gesunde Ernährung (wo kommt unser Essen her), umweltbewusstes Verhalten (was passiert mit organischen Abfällen) oder biologisches Grundwissen (welche Tiere leben in unseren Breiten?) kann in solchen Einrichtungen optimal vermittelt werden.
Ein Förderverein kümmert sich um die Anlagen des SUZ, organisiert öffentliche Veranstaltungen wie Tage der offenen Tür, ist aber auch in andere Projekte involviert.
Infos:
Scharnweberstr. 159, Tel.: 030-49870409, Fax.: 030-49870411, Mail: info@suz-mitte.de
Filiale: Seestraße 74 (Interkultureller Garten)
Im Wedding wird’s ungemütlich
Bisher war in Berlin klar: die Walpurgisnacht bzw. den Maifeiertag konnte man zu Hause, im Grünen, auf Gewerkschaftskundgebungen, im Mauerpark oder in Kreuzberg verbringen.
In diesem Jahr wird es anders. Denn es sind – unter dem Motto “Die Gentrifizierung wandert in Richtung Wedding” – auch zwei Demos in unserem Ortsteil angemeldet worden. Die gehören hier, so die Veranstalter, rein räumlich auch hin. Denn der Senat und Investoren stünden bereits in den Startlöchern, um das Schmuddelkind Wedding mit viel Geld aufwerten zu lassen. Quartiersmanagements, Hausbesitzer und Gremien engagierter Bürger: nach dieser Logik handeln sie alle, die etwas im Kiez verändern wollen, grundfalsch. Ihre Bestrebungen führen letztendlich nur dazu, dass die heutigen Bewohner des Wedding verdrängt werden. Die Bevölkerungsverschiebungen des Prenzlauer Berg könnten sich, so die zwangsläufige Folge, im großen Stil auch hier wiederholen.
Gleich zwei Demos im Wedding
Bis jetzt schien diese Logik weitestgehend dem Reich der Theorie anzugehören. Lag der Wedding bislang eher als Mauerblümchen im Windschatten dieser unbestreitbaren Entwicklung, wird er in diesem Jahr nun endgültig von der Realität eingeholt. Doch den Organisatoren der Walpurgisnacht-Demos sei Dank: der “Rote Wedding” soll es, stellvertretend für alle Verdrängten dieser Stadt, diesmal allen so richtig zeigen. Gelegenheiten dafür bieten das Openair-Konzert und die Kundgebung: “Antikapitalistische Walpurgisnacht”ab 14.30, S-Bhf. Wedding / Ruheplatzstr. / Adolfstr. und die Revolutionäre 30. April-Demo: “Nimm was Dir zusteht!” ab 21.00 Uhr, S-/U-Bhf. Wedding. Hier wird die genaue Route gezeigt. Sind es wirklich die Weddinger, die sich für diese Position einsetzen – oder eher Bewohner anderer Ortsteile, die den Wedding nur als Schauplatz nutzen?
Aufgeschreckt durch die plötzliche Aufmerksamkeit, die unser bislang wenig beachtete Ortsteil auf einmal erfährt, haben der Förderverein Brüsseler Kiez, die Stadtteilvertretung Müllerstraße und der Runde Tisch Leopoldplatz eine gemeinsame Erklärung verfasst. Darin erklären diese Institutionen, sich mit den Initiatoren der Veranstaltung bzw. der Demonstration einig zu sein, dass die jüngsten Entwicklungen der Mieten auch im Wedding in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Situation der Bewohner steht und eine Verdrängung ernsthaft zu befürchten sei. “Wir setzen hier auf intensive politische Gespräche und begrüßen in diesem Zusammenhang grundsätzlich auch friedliche Demonstrationen als probate rechtsstaatliche Mittel des Protestes”, erklären Verein und Stadtteilvertretung. Allerdings lehnen sie sämtliche Formen der Gewalt gegen Dinge oder Menschen – durch wen auch immer initiiert – ausdrücklich ab. Gewalt oder Sachbeschädigung, etwa gegen das Gebäude der Arbeitsagentur, können und wollen die Veranstalter der Demos selbst auch nicht ausschließen. Es ist also keine maßlose Übertreibung, wenn in der Erklärung der Weddinger Bürgergremien die Befürchtung geäußert wird, es könne nun auch im Wedding zu Gewaltausbrüchen kommen, wie es in anderen Berliner Stadtteilen in der Vergangenheit immer wieder passiert ist. Schließlich gibt es tatsächlich das Phänomen des “Krawalltourismus”, den natürlich niemand im Kiez haben möchte.
Aus für den Wedding, wie wir ihn kannten?
Ist der Wedding tatsächlich der letzte noch nicht gentrifizierte Stadtteil der Innenstadt? Und sollen hier die Fehler, die woanders gemacht wurden und werden, in einer Art Stellvertreterkrieg durch massive Proteste verhindert werden? Sind die wenigen engagierten Anwohner und Bürger automatisch Wegbereiter ihrer eigenen Verdrängung aus dem Kiez?
Fragen, die wir mit Blick auf Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Neukölln aus der sicheren Distanz stellen durften, ohne sofort eine Antwort zu bekommen. Man konnte sich bis gerade eben noch gemütlich bei Gutes Wedding Schlechtes Wedding im Theatersessel zurücklehnen und herzhaft über die überdrehten Bewohner anderer Bezirke lachen. Aus und vorbei? Jetzt wird der Wedding schneller als erwartet in die Gentrifizierungsdebatte dieser Stadt katapultiert. Im Wedding wird’s ungemütlich!
Presseschau Walpurgisnacht bis 29.04 um 03 Uhr (Zusammenstellung: E.Elfert)
Jiddo: Falafel statt Döner
Bis jetzt war es fast unmöglich, im Wedding einen vernünftigen Falafel zu bekommen. Dank Ahmed und Nasser ändert sich das. Bei den beiden Palästinensern in der Seestraße gibt es jede Menge arabische Spezialitäten. Okay, es ist nur ein Imbiss, aber dafür gibt es eine eine kleine, feine Speisekarte. Die Falafel-Kugeln werden vor Ort selbst hergestellt. In Sandwich-Form gibt es auch Schawarma (aus Hähnchen- oder Rindfleisch).Für Vegetarier gibt es die größere Auswahl als für Fleischesser: Halloumi (gebratener Schafs-, Ziegen- und Kuhkäse), Makali aus verschiedenen gebratenen Gemüsesorten und wie gesagt Falafel aus Kichererbsen. Alles wird in hauchdünne Fladen gewickelt, die mit verschiedenen Saucen bestrichen werden. Gemüsesorten wie Auberginen, Zucchini und Rüben sind wichtige Zutaten.
Wer sich die Zeit für einen Tee und einen Teller Essen nimmt, bekommt auch Hummus oder den riesigen Jiddo-Teller, der eine Auswahl der meisten anderen Speisen enthält. Alles ist frisch zubereitet oder frittiert – trotzdem sind die Preise sehr moderat. Der frisch hergestellte Falafel kostet nicht mehr als ein Döner an jeder anderen Ecke im Wedding.
Falafel ist das palästinensische Nationalgericht und soll, so erzählt Nasser, sogar Napoleon in die Flucht geschlagen haben – die frittierten Kugeln seien dem Franzosenkaiser um die Ohren geflogen. Übrigens heißt Jiddo nichts anderes als “Großvater”… auch das ist vielleicht ein Hinweis auf die Tradition in der orientalischen Küche. Egal, Hauptsache, es schmeckt!
Jiddo, Seestraße 100 (zwischen Togo- und Lüderitzstraße),
Unbedingt hinweisen wollen wir auch auf “Falafel Dream 2010“, einen Imbisswagen an der Müllerstraße 14a neben der Agentur für Arbeit.
http://www.falafeldream2010.de/
Echt originell, dass der Imbisswagen als Cateringwagen gebucht werden kann!
Schlecker-Filialen an der Müllerstraße schließen
Nun trifft es auch “Ihr Platz”: Die Filiale in der Müllerhalle (Müllerstr. 123-125) wird bis Ostern ebenfalls geschlossen. Dies hat die Drogeriemarktkette am 23. März mitgeteilt.
Am 14. März war schon bekanntgegeben worden, dass die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker 2000 Filialen schließen wird. Allein in Berlin sind 77 Filialen mit tausenden Mitarbeitern betroffen. Im Wedding trifft es die beiden Filialen an der Müllerstr. 82/83 (Höhe U Afrikanische Str.) sowie im CITTIPOINT an der Müllerstr. 141. Außerdem wird die Filiale in der Oudenarder Str. 16 geschlossen. Die Liste ist angeblich vorläufig – dennoch beginnt der Räumungsverkauf in den betroffenen Filialen sofort. Die Ihr Platz-Filiale an der Müllerstraße 156 (am Leopoldplatz) wird nicht geschlossen. Dort finden Schlecker-Fans weiterhin die gewohnten Produkte….
Hier finden Sie die gesamte Liste: http://tagesschau.de/wirtschaft/schlecker180.pdf






