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Die Müllerhalle: Ende eines Trauerspiels, Beginn des Kommerzes
Ja, sie ist hässlich, und ihr Quasi-Leerstand trägt nicht zur Schönheit dieser traditionsreichen Markthalle bei. Ihren herben Charme (und den ihrer Stammgäste) haben die Macher des Magazins “Die Müllerstraße” im Jahr 2011 noch einmal fotografisch dokumentiert. Doch nun steht fest: die Baugenehmigung wird für diesen Monat erwartet und im Mai 2012 wird die Müllerhalle abgerissen. An ihrer Stelle wird ein Neubau errichtet, der schon im September 2013 eröffnet werden könnte (3).
»Die alte Markthalle kann an dieser Stelle nicht wieder belebt werden«, erklärte der baden-württembergische Investor Holger Merz im März 2011 vor der BVV Berlin-Mitte . »Solche Konzepte können heutzutage nur noch in Top-1a-Lagen funktionieren.«(1) Die nördliche Müllerstraße habe nicht die nötigen Standort- Erfolgsfaktoren wie innerstädtische Haupteinkaufslage oder hohe Passantenfrequenz, so die Investoren. (3)
Nun wird es also etwas ganz Originelles geben: ein Einkaufszentrum! Dabei wird den Großteil des Erdgeschosses eine offene Parketage mit 200 Stellplätzen ausmachen, mit Einfahrten an der Müller- und an der Kongostraße. Im rückwärtigen Teil soll die Anlieferung stattfinden.
Ein neuer “Ankermieter” soll sich dann im Obergeschoss der künftigen Halle auf ca. 4.500 Quadratmetern – das entspricht in etwa der Fläche der heutigen Markthalle – ausbreiten. Offiziell wurde nun auch bekanntgegeben, dass die Firma “Kaufland” dieser Ankermieter sein und das Obergeschoss in Beschlag nehmen wird (3). Im Obergeschoss sind dann noch weitere 950 qm für den kleinteiligen Einzelhandel und im Erdgeschoss entlang der Müllerstraße 550 qm vorgesehen.
Die Architektur soll “hochwertig” sein – das Konzept für den klar strukturierten Baukörper sieht großzügige geschlossene Flächen in dunkelgrauem Klinker und Schaufenster zur Müllerstraße vor. Damit soll die Müllerstraße in ihrem oberen Teil optisch aufgewertet werden – keine große Herausforderung angesichts der Trostlosigkeit der alten Halle. Das Baukollegium der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat sich die Architektur noch einmal näher angeschaut, damit das Allerschlimmste verhindert wird. Das vorgestellte Werbekonzept untersagt Neonwerbung auf der Fassade und schreibt stattdessen auf den Glasflächen liegende Schriftzüge mit Einzelbuchstaben vor. Farbige Firmenlogos dürfen nur von Innen an den Scheiben befestigt werden. Einen schmalen halböffentlichen Durchgang, zur hinter der Halle gelegenen Wohnbebauung kritisierten das Baukollegium und der Bezirk. Hier entsteht ein ”Angstraum”. Der Eigentümer, die Merz Objektbau und sein Hauptmieter haben die Anregungen des Baukollegiums, das markante Fassadenkonzept auch in den Details umzusetzen und für einen schmalen Durchgang, einem potentiellen Angstraum, eine andere Lösung zu suchen, aufgenommen.(2)
Die letzten Mieter sind nun gekündigt und sehen einer ungewissen Zukunft entgegen. „Klar ist, dass nicht alle zurückkehren werden“, erklärte der Mitarbeiter von Merz Objektbau schon im März 2011. Es gebe Mieter, die unbedingt bleiben wollen und andere, die für sich keine Zukunft an dem Standort sehen. (3) Wieder andere, wie der Suppen-Treff, haben schon jetzt an einem neuen Standort neu angefangen.
Die Geschichte der Müllerhalle ist übrigens ziemlich schillernd. An diesem Standort befand sich bis 1928 eine Tierarztpraxis mit Hundefriedhof, wo bis zu 400 Hunde bestattet waren (1). Nur böse Zungen dürften nun behaupten, dass in der Müllerhalle der Hund begraben liegt….
Quellen: (1) Sanierungszeitschrift Ecke Müllerstraße, (2) Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, (3) Berliner Woche
Gözleme: schmeckt an der ganzen Müllerstraße
Die türkische Esskultur bereichert Berlin in regelmäßigen Abständen – immer wieder neu. Der Döner Kebap ist aus den Straßen der Hauptstadt, auch außerhalb der bunt gemischten Innenstadtkieze, nach vierzig Jahren nicht mehr wegzudenken. Und jetzt: Gözleme. Seit einigen Jahren erobern die dünnen, meist herzhaft gefüllten Fladenbrote aus Mehl, Wasser und Salz die Müllerstraße in Berlin-Wedding.
Auf allen Abschnitten der 3 Kilometer langen Straße befinden sich Imbisse, die die anatolische Spezialität verkaufen. Anders als das Abschneiden von Fleisch vom Dönerspieß handelt es sich bei der Gözleme-Herstellung um eine Frauendomäne. Die türkischen Köchinnen rollen den Teig in hauchdünne, tellergroße Fladen. Diese werden zur Hälfte belegt – mit Hackfleisch oder Kartoffeln, Gouda oder Spinat. Dem Variantenreichtum sind eigentlich keine Grenzen gesetzt.
Dann werden die Fladen einmal umgeklappt und ohne Fett gut fünf Minuten auf einer gewölbten Herdplatte gebacken. Am Ende schneiden die Türkinnen den Gözleme mit einem Pizzaschneider in vier Teile, die nebeneinander geschichtet werden. Dazu passt als Getränk am besten Ayran. Und das Ganze kostet eigentlich nirgendwo mehr als zwei Euro. Und, auch ganz wichtig: dafür, dass der Gözleme so leicht wirkt, sättigt er ganz schön!
Höhe U-Bahnhof Rehberge: Sema Gözleme, Müllerstraße 63, 13349 Berlin
Höhe U-Bahnhof Seestraße: Yildiz Frühstückscafé, Müllerstr. 133a, gegenüber Schillerparkcenter, 13349 Berlin, Kontakt: 030- 81617479
Höhe U/S Wedding: Altinyayla Gözleme Evi, Müllerstraße 12 Ecke Lindower Str., 13353 Berlin, Mo-Sa: 9.30-19.30h
Hoher Suchtfaktor: Ein Abend im Prime Time Theater
Im März war es endlich soweit! Nach monatelangem Aushandeln eines Termins und wochenlangem Warten auf freie Plätze schaffen es drei Weddinger und zwei Kreuzberger (Verzeihung, darunter auch eine Weddingerin und eine Kreuzbergerin) endlich ins Prime Time Theater zu einer Folge von „Gutes Wedding Schlechtes Wedding“…
Die (gefühlt) unglaublich weite Anreise über mehrere Bezirksgrenzen hinweg verblasst jedoch – angesichts eines etwas weiteren Anfahrtswegs einer Besucherin aus Australien, zum Beispiel… Dass sich aber auch noch der weiteste Weg lohnt, erklärt sich im Laufe dieses großartigen Abends. Die gespaltene Persönlichkeit Mahmud/Kalle/Theaterchef Oliver Tautorat begrüßt jeden Gast noch immer persönlich, die Stuhlreihen sind noch immer auf Publikumsmaximierung ausgelegt, jedenfalls ziemlich eng und das vor allem auf den schlechten Plätzen, wenn man nicht rechtzeitig da ist. Aber alles Warten und selbst Knieschmerzen sind ein kleiner Preis für das, was kommt…
Die Handlung der Folge „Liebesgrüße aus Wedding“ ist schnell erklärt: Constanze Behrends alias Frau Schinkel, seit geraumer Zeit Strohwitwe, wird langsam rollig; Ratte liebt Ashley, der sich als Arschley entpuppt, Curly will Ratte, Marie sucht Jacques, Kalle baggert zart an Dörte und so weiter und so weiter… Hat jemand Angst, den Anschluss verpasst zu haben? Kein Problem, denn auch Neulingen erschließt sich schnell die Weddinger Soapwelt. Es gibt Tränen zu lachen und echte Typen wiederzuerkennen, ob nun aus so markanten Berliner Stadteilen wie Wedding oder Friedrichshain, aus Schwaben oder dem Brandenburger Umland.
Irgendwann denkst Du „Boähhh? Schon Pause?“. Die lässt sich gut nutzen für ein frisches Eschenbräu oder eine leckere Boulette (um die man übrigens schon mal vom vierbeinigen Maskottchen der Truppe angebettelt wird). Auch der zweite Teil geht eigentlich viel zu schnell vorbei.
Unser Fazit: Das Prime Time Theater macht glücklich, und ganz bestimmt auch süchtig. Folge 78 ist schon jebucht!
Autorin: Birgit Wahle
Website des Prime Time Theaters
Prime Time Theater
Müllerstrasse 163
Eingang Burgsdorfstr.
13353 Berlin-Wedding
Verkehrsanbindung: S/U Wedding (Ringbahn &U6)
Karten & Info: 030/ 49 90 79 58 (Do-Mo 16-19 Uhr) oder AB
Fax: 030/ 49 90 79 60
E-Mail: info@primetimetheater.de
Im Vorverkauf können Sie Karten immer
DO/FR/SA/SO/MO von 16-19 Uhr erwerben
“Gilmore’s”: Bequem Kaffee und Kuchen genießen
Ein gemütliches Café mit nettem Ambiente im nordwestlichen Wedding? Ja, so etwas gibt es! Und für den Weddingweiser wurde es auch höchste Zeit, über diese Oase im Englischen Viertel zu berichten….
Seit mittlerweile vier Jahren existiert bereits das Gilmore’s, und mittlerweile scheint sich der schnuckelige Laden herumgesprochen zu haben. Kein Wunder, ist er doch eine sehr angenehme Abwechslung vom Billigbäcker- und Kaschemmeneinerlei in dieser Gegend. Egal ob man zum wirklich guten Kaffee- und Teeangebot nun den selbstgemachten Kuchen verspeist oder die kleinen herzhaften Snacks - wobei die Inhaberin Sandra Fabian immer auf qualitativ hochwertige und gesunde Zutaten achtet – egal ob man sich im urgemütlich, mit viel Liebe eingerichteten vorderen Raum in die bequemen Sessel kuschelt, sich mit dem Nachwuchs im hinteren “Spielzimmer” amüsiert oder sich vor dem Café die Sonne auf den Pelz scheinen lässt – im Gilmore’s fühlt man sich wohl und willkommen. Neben dem “Standardprogramm” hat das Gilmores auch etwas ausgefallenere Getränke und immer wieder kleine Leckerlis wie Pralinen oder Schoki im Angebot.
Was den Namen angeht, wurde die Inhaberin übrigens von der Serie “Gilmore Girls” – und der großen Kaffeeleidenschaft der Protagonistinnen - inspiriert, und zu besonderen Anlässen werden auch ein paar Folgen der beliebten Serie abgespielt.
Autor: Stef, stefblog.de
http://www.facebook.com/pages/Gilmores-Café-Bar/131168836934767
Inhaber: Sandra Fabian
Müllerstraße 70 b
U6 U-Bhf Rehberge Ausgang Liverpooler Straße
13349 Berlin
Öffungszeiten: Mo-Fr 09:00 – 18:00 Uhr
Mittwoch Ruhetag
Sa+So 14:00 – 18:00 Uhr
“Kichererbsen” – Lust auf Werkeln in der Küche
Zwei lachende grüne Kuller über der Eingangstür, ein helles, von Grüntönen dominiertes Ladengeschäft – ein solches Ambiente ist ungewöhnlich in diesem Teil von Berlin-Mitte. Doch bei näherer Betrachtung entpuppt sich der aufwändig gestaltete Raum als Kochstudio, die „Kichererbsen“.
“Je früher man etwas über Ernährung lernt, desto besser – und am besten schon als Kind!”

Petra Hellmich erlebt es immer wieder, wie neugierig Kinder jeden Alters darauf sind, Essen selbst zuzubereiten. Die Ernährungsberaterin und Diätassistentin muss sich dabei nur an ihre eigene Kindheit zurückerinnern: “Ich hatte schon mit fünf Jahren meinen kleinen, voll funktionierenden Elektroherd”, erzählt die 44-jährige Berlinerin. “Meine Mutter ließ mich schon früh alleine kochen, und auch von meiner Oma habe ich viele Rezepte gelernt.” Die gute Hausmannskost wie süß-saure Linsen mit Kartoffeln gehört für Petra Hellmich zu den Kindheitserinnerungen. Ebenso wie auch die frischen Zutaten aus Omas Garten in Reinickendorf. Nach dem Abitur war für sie klar: auch beruflich sollte es um’s gute Essen gehen. Einfach nur Köchin sein hätte Petra Hellmich aber nicht gereicht, daher entschied sie sich für eine Ausbildung zur Diätassistentin. 15 Berufsjahre folgten, im Krankenhaus und als Dozentin an der Krankenpflegeschule – gleichzeitig bildete sich Petra Hellmich an der Charité zur Ernährungsberaterin weiter. “Als mein Job gekündigt wurde, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopf und verwirklichte meinen Traum”, erzählt Petra Hellmich. Im Afrikanischen Viertel, wo sie aufgewachsen und zur Schule gegangen ist und noch heute wohnt, verwandelte sie einen leeren Laden in die Lehrküche mit Gastraum, als die sich die “Kichererbsen” heute zeigen.
Das Konzept klingt einfach: Petra Hellmich möchte Firmen, Erwachsene und Kinder statt mit grauer Theorie lieber mit Kocherlebnissen ansprechen.
“Ich lege Wert auf Qualität, und die zeige ich den Kursteilnehmern. Ganz nebenbei, mit viel Freude, kann man auch als Erwachsener noch eine Menge über die Lebensmittel lernen.”
Für die Kinder greift die Ernährungsberaterin gerne auf Handpuppen zurück – die beiden Kichererbsen aus Stoff zeigen, wie wichtig gutes Essen ist. Bei den Kichererbsen können Kindergruppen auch im Rahmen von privaten Geburtstagsfeiern kochen und das zubereitete Essen gemeinsam verzehren. Da kann es auch schon mal passieren, dass plötzlich Sterne in die Suppe gezaubert werden – “aus Möhren, die ich vorher ausgestochen habe”, erzählt Petra Hellmich lachend.

Das, was die “Kichererbsen” ausmacht, ist die ansteckende Lust der Inhaberin, ihr Wissen über Lebensmittel und Kochen weiterzugeben, Anregungen zu geben und Kursteilnehmer jeden Alters für’s Nachmachen zu begeistern. Persönlich liegt Petra Hellmich viel daran, ihre Arbeit genau an dieser Stelle im Wedding auszuüben – schon als Schülerin am Lessing-Gymnasium war sie oft im (inzwischen geschlossenen) Eiscafé in der Otawistraße direkt neben ihrem heutigen Kochstudio. Ernährung muss für Sie vor allem Spaß machen und darf gerne auch ein Gemeinschaftserlebnis sein. Nicht dogmatisch, trotzdem aber gesund. Genau dafür stehen die frischen grünen Kichererbsen im Logo.
Kichererbsen Berlin
Kochkurse, Ernährungsberatung, Angebot für Familienfeste und Kindergeburtstage
Otawistr. 1 / Ecke Müllerstraße
U-Bahnhof Rehberge
Tel.86434430
Website mit aktuellen Kursangeboten
Helfen, den Kiez weiterzuentwickeln: die Zukunftswerkstatt im Paul-Gerhardt-Stift
Stadtplaner brauchen manchmal viel Fantasie. Für den Aktionsraum Wedding/Moabit, eins von fünf ausgewählten Gebieten Berlins, in dem schwerpunktmäßig Städtebauförderung betrieben wird, haben sich die Planer wohlklingende Namen für die einzelnen Viertel ausgedacht. So entstand auch der Name “Parkviertel“. Wo mag das sein? Nun, es ist das Gebiet zwischen dem Volkspark Rehberge und dem Schillerpark.
Am Freitag, den 23. März findet von 15- 20 Uhr im Paul-Gerhardt-Stift, Müllerstr. 56-58, eine Zukunftswerkstatt für das besagte Parkviertel statt. Bürger, Aktive und politisch Verantwortliche sollen in diesem Workshop die Stärken und Schwächen des Viertels herausarbeiten und Strategien entwickeln.
Mercatino, Müllerstr. 118
Besonders an regnerischen Tagen funktioniert es sehr eindrücklich: Denn wenn man aus der Ungemütlichkeit der oberen Müllerstraße in Berlin-Wedding einen Blick in dieses langgezogene Lokal wirft, spürt man, dass hier ein etwas anderer Geist wirkt. Das Mercatino ist eines der wenigen alteingesessenen Geschäfte an dieser Straße, wo sonst ein ständiges Kommen und Gehen den Rhythmus vorgibt. Steht in den meisten gastronomischen Einrichtungen des Kiezes der niedrige Preis im Vordergrund, setzt dieser Feinkostladen vor allem auf Qualität. Oder sollte man besser sagen „Lebensqualität“? Hier gibt es guten Kaffee, mediterrane Feinkost an einer Theke und italienische Weine. Zusammengehalten wird alles durch den Proprietario Emanuel Xezonakis, der für seine Kunden immer einige Worte übrig hat. Dass er eigentlich Grieche ist, spielt an dieser Stelle keine Rolle…
Ein paar Tische und Stühle machen den Laden an dieser Verkehrsschneise zu einem Zufluchtsort , an dem man sich auch gerne länger niederlässt.Die blanken Backsteinwände mit den Holzregalen in unterschiedlichen Größen sorgen für ein zeitloses und geschmackvolles Ambiente. Im vorderen Bereich zurMüllerstraße hin gibt es auch Stehtische für den Espresso zwischendurch, während der hintere Ladenteil zu einem längeren Aufenthalt einlädt. Eigentlich handelt es sich beim Mercatino um ein Partyservice-Unternehmen mit angeschlossenem Laden an der Müllerstraße 118. Wenn das warme Licht aus dem Mercatino auf die draußen vorbeieilenden Passanten scheint, interessiert das die Gäste im gemütlichen Weinlokal aber kaum. Sie sind vielleicht einfach nur froh, dass es diesen Ort schon seit so vielen Jahren gibt. Einen Haken hat das “südeuropäische Exil” im Wedding aber doch: das Mercatino hat nur zu den üblichen Ladenöffnungszeiten geöffnet. Nur am Donnerstagabend kann man bis 22 Uhr dort einkehren.
Müllerstr. 118, Tel. 030 452 80 49, geöffnet Mo-Mi, Fr 9-18.30 Uhr, Donnerstag 9-22 Uhr, Samstag 9 – 14.30 Uhr
Sprengelkiez: schöner wohnen am Kanal
In einem Ufercafé sitzen oder in einer Hausbrauerei?
Das dicht bebaute Wohnviertel rund um die Sprengel- und die Tegeler Straße verfügt neben einer weitgehend intakten Altbausubstanz aus der Gründerzeit über eine richtige Wasserlage. Im Südwesten des Kiezes verläuft nämlich der Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal. Die ausgebaute Uferpromenade mit ihren repräsentativen Wohnhäusern aus der Zeit um 1900 lädt zu Spaziergängen und zu Cafébesuchen ein. Wie an keiner anderen Stelle im Wedding reihen sich hier gastronomische Betriebe aneinander. Ebenfalls im Sprengelkiez besteht seit ein paar Jahren die einzige Weddinger Hausbrauerei Eschenbräu, wo es im Sommer auch einen kleinen Biergarten im Hinterhof gibt. In den letzten Jahren wurde durch das hiesige Quartiersmanagement viel in die vorhandenen Spielplätze investiert.
Neben dem Sparrplatz und dem Pekinger Platz (am Kanal) ist hier vor allem der Sprengelpark zu nennen. Auf dem 10 000 qm großen ehemaligen Industrieareal zwischen der Kiautschoustraße und der Sprengelstraße haben Landschaftsplaner einen urbanen Sport- und Spielpark mit viel Grün geschaffen.
Im Sprengelkiez und in seiner unmittelbaren Umgebung befinden sich wichtige öffentliche Einrichtungen, deren Bedeutung über den Wedding hinausreicht. Zu nennen ist hier vor allem das Robert-Koch-Institut am Nordufer. Das 1891 gegründete Institut ist die zentrale Überwachungs- und Forschungseinrichtung der Bundesrepublik für Infektionskrankheiten. Es befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rudolf-Virchow-Krankenhaus (heute: Charité Campus Virchow). Die zentrale Berliner Ausländerbehörde befindet sich ebenfalls am Kanalufer, jedoch auf der gegenüberliegenden Seite. Beschäftigte und Studierende der nahe gelegenen Beuth-Hochschuledrücken dem Sprengelkiez ihren Stempel auf. Daher findet man in diesem Kiez eher studentisches Leben und die passende Infrastruktur als in anderen Vierteln im Wedding.
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Sehenswertes am Nordufer und im Kiez
Da das Industriegelände an der Sprengelstraße erst am Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde, konnte sich der westliche Teil des Kiezes am Nordufer erst um 1900 herum entwickeln. Die repräsentative Wohnanlage zwischen Fehmarner Straße, Nordufer und Buchstraße ist ein besonders gelungenes Beispiel für genossenschaftlichen Reformwohnungsbau. Vor allem die Eckbauten, davon eines sogar mit einem Doppelgiebel, prägen das Kanalufer an diesem Abschnitt. Auch das Eckhaus Torfstraße/Kiautschoustraße ist ein großbürgerlicher Prachtbau, wie es ihn selten im Wedding gibt. Die Osterkirche liegt an der Samoastraße / Sprengelstraße und damit exakt in der Mitte des Sprengelkiezes. Die wuchtige Backsteinkirche ist in die Ecke eines Blocks gebaut und vereint Kirchenschiff, Turm und Pfarrhaus in einem einzigen Gebäude. Das gewölbelose Kircheninnere ist mit prachtvollen Malereien versehen.
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Roter Wedding, schlechter Wedding
In Richtung Müllerstraße ist der Kiez von sozialen Problemen geprägt, was auch der Grund für die Einrichtung des Quartiersmanagements Sparrplatz war. Dabei ist genau in dieser Lage mit dem Prime-Time-Theater an der Burgsdorfstraße/Müllerstraße ein kultureller Anziehungspunkt von berlinweiter Relevanz entstanden: dort gibt es eine fortlaufende Seifenoper auf der Bühne namens “Gutes Wedding, schlechtes Wedding”. Doch anders als bei dem vermeintlichen TV-Vorbild gibt es bei diesem Theaterspaß mit Weddinger Originalen echtes Gelächter eines glänzend unterhaltenen Publikums. Direkt nebenan liegt die Berliner SPD-Zentrale (Kurt-Schumacher-Haus) – traditionell eng mit dem “roten Wedding” verbunden.
Afrikanisches Viertel – Ungewöhnliche Straßennamen
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Straßennamen stehen für deutsche Kolonialgeschichte
Wie in keinem anderen Viertel im Berliner Ortsteil Wedding spiegeln sich hier Weltanschauungen und politische Einflüsse in den Straßennamen und in der Architektur der Gebäude. Togostraße, Kameruner Straße, Swakopmunder Straße – im ansonsten unscheinbar wirkenden Viertel östlich des Volksparks Rehberge tragen die Straßen exotisch anmutende Namen. Das Gelände des späteren Volksparks war von Carl Hagenbeck für eine Ausstellung vorgesehen, in der auch Schwarzafrikaner zur Schau gestellt werden sollten.
Das Viertel weist mehrere Bauphasen auf: am Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit der planmäßigen Anlage zwischen See- und Otawistraße begonnen. Die Benennung der Straßen erfolgte aus einer kolonialen Euphorie heraus, die das Deutsche Reich damals erfasst hatte. Mit der “Kongo-Konferenz“, einer Afrika-Konferenz der europäischen Großmächte in Berlin im Jahre 1884/85 wurde der afrikanische Kontinent willkürlich aufgeteilt. Neue Grenzen zerrissen die angestammten Siedlungsräume der afrikanischen Völker. Für das Deutsche Reich fiel nur ein vergleichsweise kleines Stück vom Kuchen ab, nämlich Kamerun, Togo, Deutsch-Südwest (heute Namibia), Deutsch-Ostafrika und Sansibar (heute Tansania). Nach diesen so genannten “Schutzgebieten” wurden die Straßen im Afrikanischen Viertel benannt.
Auch drei Persönlichkeiten der deutschen Afrikapolitik wurden mit Straßennamen geehrt: Gustav Nachtigal, Franz Adolf Lüderitz und Carl Peters. Sie hatten dazu beigetragen, Teile des Kontinents militärisch oder durch Kaufverträge für deutsche Interessen zu sichern. Dabei wurde wenig Rücksicht auf die Urbevölkerung genommen- blutiger Höhepunkt war die Niederschlagung des Herero-Aufstands von 1904 bis 1908.
Nach dem Verlust der deutschen Kolonien 1918 erfolgten weitere Straßenbenennungen – man wollte sich nicht damit abfinden, dass es eine deutsche Kolonialpolitik nicht mehr geben sollte.
Den Bewohnern des Afrikanischen Viertels ist die Bedeutung der Namen nahezu unbekannt. Zusatztafeln, die eine historische Einordnung der Straßenbezeichnungen erlauben, fehlen bis heute vollständig. Einige Parteien, antirassistische Initiativen oder Vereine, die sich der Aufarbeitung der kolonialen Geschichte verschrieben haben, fordern schon seit vielen Jahren die Umbenennung einzelner Straßen. Vor allem die drei Namen Lüderitzstraße, Nachtigalplatz und Petersallee stehen im Kreuzfeuer der Kritik. In diesem Zusammenhang interessant ist die Tatsache, dass nach Lüderitz immerhin auch eine Stadt in Namibia benannt ist – bis heute. Nach der letzten Wahl 2011 haben sich die Bezirkspolitiker von SPD und CDU darauf geeinigt, von Umbenennungen vorläufig abzusehen. Vielmehr soll die Entwicklung des Afrikanischen Viertels zu einem Flächendenkmal, einem zentralen Lern- und Gedenkort für die deutsche Kolonialgeschichte, vorangetrieben werden.
Moderne Architektur im Afrikanischen Viertel
In den 1920ern Jahren, als der Wedding ein eigenständiger Bezirk in Berlin war, waren die dort regierenden Sozialdemokraten besonders aufgeschlossen gegenüber dem “Neuen Bauen“, das den Wohnungsbau reformieren sollte. Zudem verfügte der Bezirk über große Freiflächen im Nordosten. So kam es, dass gerade dort besonders viele Reformansätze bei den neu zu errichtenden Wohnhäusern ausprobiert wurden.
Um 1927 entstanden nach Entwürfen des Architekten Ludwig Mies van der Rohe in der südlichen Afrikanischen Straße vier Häuserzeilen, die für die damalige Zeit eine besonders rationelle und auf das Wesentliche reduzierte Bauweise darstellen. Mies van der Rohe leitete zeitgleich auch die Planung der als wegweisend angesehenen Weißenhof-Siedlung in Stuttgart und war dort für den Bau eines Wohngebäudes verantwortlich.
1929 wurde der erste Bauabschnitt des nach damals sehr modernen landschaftsplanerischen Kriterien angelegten Volksparks Rehberge westlich des Afrikanischen Viertels fertiggestellt. In den Jahren bis 1931 entstand am nördlichen Rand die Friedrich-Ebert-Siedlung, ein frühes Beispiel modernen Bauens der Architekten Mebes, Emmerich und Bruno Taut. Was in der Nachkriegszeit beim Wiederaufbau “normal” wurde, war hier noch eine Pionierleistung: konsequent wurden die Häuser in Zeilenbauweise und mit Flachdächern versehen errichtet. Dadurch hat jede der 1700 Wohnungen einen Blick auf die Grünflächen zwischen den Häuserreihen. Neu war auch, dass auf Schmuckelemente verzichtet wurde – nur die Anordnung von Fenstern und Treppenhäusern sorgt für eine Fassadengliederung. Die Siedlung wurde nach dem sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert benannt, zu dessen Ehren man einen Gedenkstein errichtete. Den Nationalsozialisten war dies ebenso ein Dorn im Auge wie die Architektur der Siedlung: der Gedenkstein wurde kurzerhand entfernt, die Siedlung umbenannt und nach Süden hin mit einer die Sichtachse versperrenden Bebauung in konservativerem Stil ergänzt. Aus der Zeit um 1940 stammt die gesamte Bebauung zwischen Nachtigalplatz/Petersallee und der Otawistraße. Die Gebäude sind ähnlich schlicht gehalten wie die Friedrich-Ebert-Siedlung, jedoch verfügen die Häuser wieder über Satteldächer.
Erwähnt werden sollten auch die Häuser in der Sansibarstraße, die zwar nicht mehr über Hinterhäuser verfügen, aber immer noch an der durchgehenden Blockrandbebauung festhalten. Nur im vergleichsweise großen Block Sansibar-/Togo-/Otawistr./Afrikanische Str. haben die Architekten das “Verbot” von Hinterhäusern umgangen: zur Afrikanischen Straße hin öffnet sich der begrünte Hof, und anstelle eines Vorderhauses gibt es hier zwei einzeln stehende “Torhäuser”. In Verbindung mit dem ockerfarbenen Anstrich bietet die Wohnanlage mit Ausrichtung auf den Volkspark Rehberge einen repräsentativen Anblick.
Inmitten dieser Häuser liegt die Dauerkolonie “Togo e.V.”, eine planmäßig errichtete Kleingartenanlage aus dem Jahr 1939. Auch wenn sich der Begriff Kolonie eindeutig auf die Schrebergärten bezieht, ist der Name – in Verbindung mit der ehemaligen deutschen Kolonie Togo – nicht weniger umstritten als einige andere Straßennamen des Afrikanischen Viertels.
Fachgeschäfte an der Müllerstraße schließen für immer
Man ist versucht zu sagen, dass früher alles besser war. Nicht nur C&A schließt seine Filiale an der Müllerstraße zum Jahresende, sondern auch noch zwei alteingesessene Fachgeschäfte am U-Bahnhof Rehberge: Moden-Scheffler (Müllerstr. 113) und “Hosen spezial” (Müllerstr. 119). Bis vor ein paar Jahren war die obere Müllerstraße zwischen Afrikanischem und Englischen Viertel mit ihrer Ladenvielfalt ein El Dorado für Käufer. „Wir haben voneinander profitiert“, sagt Ronald Pockrandt im Interview mit dem Berliner Abendblatt (Ausgabe vom 11.12.2011). „Der Mann kam zu mir, suchte sich ein paar Hosen aus, seine Frau ging in ,ihr’ Modegeschäft, und beide schauten dann noch im Schuhgeschäft vorbei“, erzählt Pockrandt. Anschließend ging’s auf einen Imbiss in die Müllerhalle – dort gab es bis vor 15 oder 20 Jahren noch jede Menge Stände mit frischen Waren. Heute beherrschen Spielcasinos und Shisha-Bars das Bild in der Müllerstraße.
Strukturwandel in den alteingessenen Einkaufsstraßen unaufhaltsam
Das kann man bedauern. Man muss aber auch sehen, dass an anderer Stelle den veränderten Einkaufs-Gewohnheiten Rechnung getragen wird. Im Hosen-Spezial sind die 1970er-Jahre bis in den letzten Winkel zu spüren. „Ich habe mich auf die älteren Herrschaften und auf die dicken Bäuche spezialisiert“, sagt Pockrandt im Abendblatt-Interview. Doch auch diese Kunden werden sich über kurz oder lang an die vielen Shopping-Center gewöhnt haben, die es vor 20 Jahren noch kaum gab. Sogar im alten Bezirk Wedding gibt es mit dem Gesundbrunnen-Center einen großen Einkaufstempel, und auch die Reinickendorfer Borsig-Hallen ziehen die zahlungskräftigen Kunden ab. Überhaupt – die Kaufkraft: die ist im nordwestlichen Teil des Wedding gar nicht so niedrig wie man denken könnte. Viele BVG-Pensionäre, ehemalige Schering-Beschäftigte und das kleine Bürgertum kennzeichnen nämlich die Bewohnerschaft rund um den U-Bahnhof Rehberge. Damit unterscheidet sich dieser Teil des Wedding von den anderen Kiezen, in denen es viel mehr sozial Schwache und Studenten gibt.
Wer soll solche Fachgeschäfte übernehmen?
Man kann dem Ladenschwund sicher nachtrauern. Aber, Hand auf’s Herz: welcher junge Existenzgründer würde einen solchen Laden übernehmen wollen, in dem gewachsene Kundenbeziehungen eine so große Rolle spielen? In dem absehbar ist, dass die Kundschaft in den nächsten Jahren allein schon aus Altersgründen wegbricht? Die persönliche Bindung an ein Modegeschäft ist in den letzten Jahren ohnehin verloren gegangen. Angesichts der veränderten Gewohnheiten und Geschmäcker wird es eben Gewinner und Verlierer geben. Die obere Müllerstraße wird dabei wohl oder übel auf der Verliererseite stehen, wenn es um die überregionale Versorgung mit Waren des gehobenen Bedarfs geht. Die Zeiten ändern sich.





















