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Veranstaltungstipps: Rotaprint und “Fête de la Musique”…

Uns haben zwei Veranstaltungshinweise erreicht:

Kostenlose Führung durch das ExRotaprint-Gelände, organisiert von “Nächste Ausfahrt Wedding”

Siebdrucker, Neoprenanzugschneider, Musiker, Schulabbrecher und Suppenköche, die Liste der obskuren Mieter-Mischung kann noch endlos weiter geführt werden, findet man alle auf einem Haufen in der Gottschedstraße 4.
Dort in der ehemaligen Rotaprint Fabrik wird zu jeweils einem Drittel an Gewerbe, Künstler und soziale Projekte vermietet. Seit 2005 wird hier bei nun ExRotaprint mit viel Erfolg demonstriert, daß es auch Alternativen zu den üblichen, klassischen Immobilienentwicklungen geben kann. Wir treffen die Künstler Daniela Brahm und Les Schliesser, die beiden Initiatoren, die uns in den Mikrokosmos hinein führen. Apropos Suppenköche, gleich links am Eingang befindet sich die Kantine, wo Christoph, der vielleicht jüngste Küchenchef im Wedding, nicht nur die Gaumen der ExRotaprint-Mieter kitzelt. Werktags von 8-16:00 h bleiben hier die Stullen schön brav in der Büchse.
Wir treffen uns am kommenden Samstag, den 19. Mai um 14.00h am Eingang in der Gottschedstraße 4. Die Tour ist  kostenlos.

Einladung zur Programmvorstellung “Fête de la Musique” 2012

Dienstag, den 22.05.2012 um 18:00 Uhr

Cineplex Alhambra,  Seestraße 94, 13353 Berlin

Der Musiker Heinz Ratz hat eine Band aus Flüchtlingen zusammengestellt die in Deutschland Asyl suchen. Manche werden aufgrund ihrer Lieder in ihren Heimatländern verfolgt. Dies ist eine der Bands der Bühne Weddingklänge zur Fête de la Musique am 21.06 auf dem Leopoldplatz.

Um nicht nur diese, sondern auch die vier weiteren Veranstaltungsorte zur diesjährig stattfindenden Fête de la Musique im Wedding vorzustellen, laden die Bühnen am 22. Mai um 18:00 Uhr ins Kino Alhambra ein. Es werden Musiker anwesend sein, Band-Videos gezeigt und das diesjährige gemeinsame Plakat präsentiert. Anwesend sein wird auch ein Teil des Filmteams, das Heinz Ratz auf seiner ungewöhnlichen Konzertreise begleitete, für Fragen bereit stehen wird und den Trailer zum Film vorführt.

Weitere spannende Programmpunkte zur Fête de la Musique am Leopoldplatz werden die afrikanischen Klänge der Sudanese Allstars und die allseits bekannten Django Lassis sein.

Der Fokus der Bühne am Centre Français (Müllerstraße 74) liegt auf Musikern aus Deutschland und Frankreich, deren Bandbreite von Rock über französischen Chanson, Gypsy, Rock bis hin zu Tango reicht.

Die Osterkirche (Samoastr. 14) legt ihren Schwerpunkt auf Orgelmusik. Es werden neben sakralen Klängen, Filmmusik und  Jazz mit diesem vielseitigen Instrument vorgetragen.

Das Klingende Museum (Zingster Straße 15) das Kindern einen Einblick in Orchesterinstrumente gibt, präsentiert auch ein abwechslungsreiches Programm das von Jazz und Soul bis hin zu experimentellem Pop reicht. Ein Highlight ist das Orchestre Miniature in the Park, eine Band, die auf Kinderinstrumenten musiziert.

Auf der KiKiSol-Bühne auf dem Nettelbeckplatz geht es auch international zu, von Balkanmusik über Klezmer bis hin zu Singersongwritern.

Die Veranstalter danken der Fête de la Musique, allen Sponsoren und dem Alhambra Kino, bei dem wir am 22. Mai zu Gast sind, um das Programm vorzustellen.

Leo wird wieder Platz

Die Weddinger haben’s schon gemerkt: Der Leopoldplatz verändert seit 2010 sein Gesicht. Vor Beginn des letzten Bauabschnitts stellte Architekt Frank von Bargen die anstehenden Maßnahmen vor.

Die alte Nazarethkirche übersieht man leicht

Die alte Nazarethkirche übersieht man leicht

Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn: die Trinker, die den Platz in den letzten Jahren bevölkerten, sind schon in einen eigenen Bereich hinter der Alten Nazarethkirche nahe der Schulstraße ausgewichen. Diese Zone erhält jetzt endlich eine Überdachung. Aber auch an weniger prominenten Stellen hat sich das Bild des Leopoldplatzes verändert: durch die Anlage des neuen Spielplatzes Burg Leopold, die baumbestandene Promenade an der Nazarethkirchstraße mit Trampolin und Schachbrett sowie die rote „Coladose“ mit dem kleinen Café. Jetzt ist der Platzbereich vor der Alten Nazarethkirche dran: wie die „Berliner Woche“ meldet, wird die 1985 aufgestellte, häufig zugemüllte Steinschale mit Springbrunnen verschwinden. Allzu oft hat die Fontäne ohnehin nicht gesprudelt. Aber keine Sorge: statt dessen soll es dann an 24 Düsen “Wasser marsch” heißen. Auf dem Leo wird es dann ein großflächiges Fontänenfeld geben – eine Art Kinderplanschenersatz mit Bänken. Gut so: denn die werden vom Bezirk fast vollständig weggespart.

1,1 Millionen Euro kosten die Aufwertungsmaßnahmen für den „Leo“ insgesamt. Schließlich ist dieser Platz (der ja eigentlich eine langgezogene Grünanlage ist), die einzige Stelle im Wedding, die man als das Zentrum des Ortsteils bezeichnen könnte. Durch die Kreuzung wichtiger Straßen und U-Bahn-Linien sowie dank des Karstadt-Warenhauses kommen hier auch viele Besucher erstmals mit dem Wedding in Kontakt. Da kann das Erscheinungsbild des Platzes doch sehr imageprägend wirken.

Fazit: Diese Maßnahmen kommen genau zur rechten Zeit. Es wird Zeit, dass dieser Platz nicht nur von Menschen “frequentiert” wird, die ihn benutzen müssen. Die Anlage dieses zentralen Punktes sollte auf jeden Fall auch Lust darauf machen, sich länger als unbedingt nötig dort aufzuhalten…

Im Wedding wird’s ungemütlich

Bisher war in Berlin klar: die Walpurgisnacht bzw. den Maifeiertag konnte man zu Hause, im Grünen, auf Gewerkschaftskundgebungen, im Mauerpark oder in Kreuzberg verbringen.

In diesem Jahr wird es anders. Denn es sind – unter dem Motto “Die Gentrifizierung wandert in Richtung Wedding” – auch zwei Demos in unserem Ortsteil angemeldet worden. Die gehören hier, so die Veranstalter, rein räumlich auch hin. Denn der Senat und Investoren stünden bereits in den Startlöchern, um das Schmuddelkind Wedding mit viel Geld aufwerten zu lassen. Quartiersmanagements, Hausbesitzer und Gremien engagierter Bürger: nach dieser Logik handeln sie alle, die etwas im Kiez verändern wollen, grundfalsch. Ihre Bestrebungen führen letztendlich nur dazu, dass die heutigen Bewohner des Wedding verdrängt werden. Die Bevölkerungsverschiebungen des Prenzlauer Berg könnten sich, so die zwangsläufige Folge, im großen Stil auch hier wiederholen.

Gleich zwei Demos im Wedding

Bis jetzt schien diese Logik weitestgehend dem Reich der Theorie anzugehören. Lag der Wedding bislang eher als Mauerblümchen im Windschatten dieser unbestreitbaren Entwicklung, wird er in diesem Jahr nun endgültig von der Realität eingeholt.  Doch den Organisatoren der Walpurgisnacht-Demos sei Dank: der “Rote Wedding” soll es, stellvertretend für alle Verdrängten dieser Stadt, diesmal allen so richtig zeigen. Gelegenheiten dafür bieten das Openair-Konzert und die Kundgebung: “Antikapitalistische Walpurgisnacht”ab 14.30, S-Bhf. Wedding / Ruheplatzstr. / Adolfstr. und die Revolutionäre 30. April-Demo: “Nimm was Dir zusteht!” ab 21.00 Uhr, S-/U-Bhf. Wedding. Hier wird die genaue Route gezeigt. Sind es wirklich die Weddinger, die sich für diese Position einsetzen – oder eher Bewohner anderer Ortsteile, die den Wedding nur als Schauplatz nutzen?

Aufgeschreckt durch die plötzliche Aufmerksamkeit, die unser bislang wenig beachtete Ortsteil auf einmal erfährt, haben der Förderverein Brüsseler Kiez, die Stadtteilvertretung Müllerstraße und der Runde Tisch Leopoldplatz eine gemeinsame Erklärung verfasst. Darin erklären diese Institutionen, sich mit den Initiatoren der Veranstaltung bzw. der Demonstration einig zu sein, dass die jüngsten Entwicklungen der Mieten auch im Wedding in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Situation der Bewohner steht und eine Verdrängung ernsthaft zu befürchten sei. “Wir setzen hier auf intensive politische Gespräche und begrüßen in diesem Zusammenhang grundsätzlich auch friedliche Demonstrationen als probate rechtsstaatliche Mittel des Protestes”, erklären Verein und Stadtteilvertretung. Allerdings lehnen sie sämtliche Formen der Gewalt gegen Dinge oder Menschen – durch wen auch immer initiiert – ausdrücklich ab. Gewalt oder Sachbeschädigung, etwa gegen das Gebäude der Arbeitsagentur, können und wollen die Veranstalter der Demos selbst auch nicht ausschließen. Es ist also keine maßlose Übertreibung, wenn in der Erklärung der Weddinger Bürgergremien die Befürchtung geäußert wird, es könne nun auch im Wedding zu Gewaltausbrüchen kommen, wie es in anderen Berliner Stadtteilen in der Vergangenheit immer wieder passiert ist. Schließlich gibt es tatsächlich das Phänomen des “Krawalltourismus”, den natürlich niemand im Kiez haben möchte.

Aus für den Wedding, wie wir ihn kannten?

Ist der Wedding tatsächlich der letzte noch nicht gentrifizierte Stadtteil der Innenstadt? Und sollen hier die Fehler, die woanders gemacht wurden und werden, in einer Art Stellvertreterkrieg durch massive Proteste verhindert werden? Sind die wenigen engagierten Anwohner und Bürger automatisch Wegbereiter ihrer eigenen Verdrängung aus dem Kiez?

Fragen, die wir mit Blick auf Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Neukölln aus der sicheren Distanz stellen durften, ohne sofort eine Antwort zu bekommen. Man konnte sich bis gerade eben noch gemütlich bei Gutes Wedding Schlechtes Wedding im Theatersessel zurücklehnen und herzhaft über die überdrehten Bewohner anderer Bezirke lachen. Aus und vorbei? Jetzt wird der Wedding schneller als erwartet in die Gentrifizierungsdebatte dieser Stadt katapultiert. Im Wedding wird’s ungemütlich!

Presseschau Walpurgisnacht bis 29.04 um 03 Uhr (Zusammenstellung: E.Elfert)

Antonkiez: Kein Totentanz im Kiez rund um den Urnenfriedhof

Man tut diesem kleinen Kiez vielleicht etwas unrecht, wenn man ihn kaum wahrnimmt, denn er liegt etwas verloren zwischen Leopoldplatz, Nettelbeckplatz und dem S-Bahn-Ring. Dabei geht auf diesen Teil des Wedding gar die Besiedlung des ganzen Ortsteils zurück: an der heutigen Ecke Reinickendorfer-/ Pankstraße  stand noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts das 1601 gegründete Gut “Vorwerk Wedding” und musste erst dem großflächigen Bau von Mietskasernen weichen. Die Straßen des Kiezes sind teilweise von 1820 und damit älter als die meisten Nebenstraßen des Wedding, die auf den Hobrecht-Plan aus dem Jahr 1862 zurückgehen. Heute geht man an der Kösliner Straße achtlos vorbei, aber dieser ellenbogenförmige Weg steht für das, was den Ruf des “Roten Wedding” mit begründete. Die ganze Gegend war eine KPD-Hochburg. Im Jahr 1929 führte das Verbot einer Maidemonstration zum Bau von Barrikaden. Das Eingreifen der Polizei mündete in blutigen Straßenkämpfen – 19 Tote waren am Ende des Tages zu beklagen! Nicht weniger brachial war der Umgang mit der Geschichte nach dem Krieg: nahezu kein Gebäude hat die Kahlschlagsanierung  überstanden, dafür erinnert aber – abseits des Orts des Geschehens-  ein Gedenkstein an der Wiesenstraßenbrücke über die Panke an den “Blutmai” 1929.

Blick auf das Krematorium von der Adolfstraße

Blick auf das Krematorium von der Adolfstraße

Das schönste Gebäude im Kiez ist zugleich auch eine ganz besondere Sehenswürdigkeit. Es handelt sich nämlich um Berlins ältestes Krematorium von 1909/10. Es wurde schon errichtet, bevor die Leichenverbrennung auf dem Gebiet Preußens 1912 legalisiert wurde. Bis dahin konnten nur Urnen von Verstorbenen beigesetzt werden, die außerhalb Preußens verbrannt wurden. Der Urnenfriedhof, der einen ganzen Straßenblock einnimmt, ging aus dem ersten städtischen Friedhof Berlins aus dem Jahr 1828 hervor. Kurios ist, dass es eher die wohlhabenden Schichten waren, die sich für diese Form der Bestattung entschieden und so kommt es, dass auch viele bedeutende Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft und Politik die Urnenhalle im Krematorium Wedding mit ihrer Asche beehren. Das achteckige Gebäude enthält eine antik anmutende Feierhalle und wird seinerseits von einer achteckigen Flügelanlage umschlossen. Darin befinden sich weitere Nischen mit Urnen, so genannte Kolumbarien. Das Weddinger Krematorium stellte 2010 den Betrieb ein und wurde im Jahr 2012 verkauft. Nach Angaben des neuen Besitzers soll das ungewöhnliche Gebäude zu einem Kultur-Campus umgestaltet werden. Käufer des Ensembles, zu dem noch ein Leichenhaus, die Friedhofsverwaltung und der Gärtnerstützpunkt gehören, ist die Kulturpark Wedding GmbH.

Ein Postamt, heute ohne Postfiliale...

Ein Postamt, heute ohne Postfiliale…

Auch sonst prägen öffentliche Gebäude das Gebiet. Imponierend ist der Komplex aus mehreren Schulgebäuden, die am Schnittpunkt dreier Straßen in einer perfekten Symmetrie geplant waren. Realisiert wurde der Plan zwar nur zu drei Vierteln, dennoch beeindruckt die schiere Größe: 3300 Schüler konnten nach der Eröffnung im Jahr 1913 in 67 Klassen unterrichtet werden! Heute befindet sich die Volkshochschule Mitte und die Fanny-Hensel-Musikschule in einem der Schulgebäude. Auch das Postamt in der Gerichtstraße (1926-28) ist durch seine expressive Formensprache aus Sprossenfenstern und Backsteinen durchaus stadtbildprägend. Apropos Gerichtstraße: Das Stadtbad Wedding ist das letzte von Ludwig Hoffmann erbaute Bad aus dem Jahr 1907.  Im ehemaligen Wedding war der Wohnraum knapp und es gab kaum sanitäre Einrichtungen. Deshalb waren die Wannen- und Duschabteilungen wichtiger Bestandteil des Stadtbades. Seit 2002 ruht allerdings der Badebetrieb. Das wird auch so bleiben, denn heute steht das Gebäude, das nach Kriegsschäden im nüchternen Stil der 1960er Jahre saniert wurde, für Kunstausstellungen und Veranstaltungen zur Verfügung. Diese finden unter dem Label “Stattbad” statt und finden über die Bezirksgrenzen hinaus Beachtung. Auch in der Schererstraße etabliert sich ein kleiner Kunststandort.

In der Adolfstraße

In der Adolfstraße

Wohin die Reise des Antonkiezes geht, ist schwer absehbar. Kahlschlagsanierung und sozialer Wohnungsbau (vor allem der 1980er Jahre) prägen das zerrissene Gebiet immer noch. Immerhin hat die Verkehrsberuhigung des Nettelbeckplatzes im Jahr 1985 dazu beigetragen, dass man sich inzwischen gerne auf dieser Freifläche aufhält. Anziehungspunkte mit Strahlkraft gibt es nur wenige. Trotzdem liegt dieses Gebiet einfach zentral und ist aus allen Richtungen gut erreichbar. Gut möglich, dass sich das Image des Kiezes rund um den Urnenfriedhof bald ändert…

“da Baffi”: Retro-Italiener ohne Kompromisse

Das kleine italienische Restaurant hat es geschafft, dass man nur wegen des guten Essens in den Wedding kommt.

Von außen unscheinbar: das "Da Baffi"

Von außen unscheinbar: das "Da Baffi"

Wenn eine Hobelbank ein Symbol für Handarbeit ist, dann kann ich mir kaum eine bessere Einrichtung für das Da Baffi vorstellen. Pizza sucht man bei diesem Italiener in der Nazarethkirchstraße vergeblich. Stattdessen kommen Köstlichkeiten der italienischen Küche auf den Tisch, die man sonst wohl nur an Festtagen von einer echten “Mamma” serviert bekommt. Oder eher Pappa, denn der Vater von Inhaber Frederico Pesta war Restaurantbesitzer im norditalienischen Bologna.

Über die Speisekarte kommt man ins Gespräch

“Bei der Übersetzung ins Deutsche verliert die Speisekarte an Gehalt”, sagt die Chefin. Die Bezeichnungen bleiben im Original. Und genauso überlässt man dann auch die Auswahl des passenden Weins getrost dem qualifizierten Personal. Das schlichte Ambiente erinnert ein wenig an die frühen Tage des gastronomischen Aufstiegs des Prenzlauer Bergs. Aber das ist ohnehin nebensächlich. Hier geht es um’s Essen, Genießen, Wohlfühlen mit Leib und Seele. Auch wenn man es eher beiläufig erfährt: Gedacht hat man sich sowieso, dass die Pasta täglich frisch von Hand gemacht wird.

Heißer Tipp: Rechtzeitig reservieren, die wenigen Plätze sind schnell vergeben.

Autor: Marcus Bauer
http://dabaffi.com, Nazarethkirchstraße 41, U-Bahnhof Leopoldplatz, Dienstag bis Samstag von 18.30 bis 22.30 Uhr

Nummer für Reservierungen 0175 692 65 45

Andere Rezension

Rezension auf Kiezlage.net

“aroshi” – Kleidung mit Hintergrund

aroshi-Kleidung in einem zwischengenutzten Ladenlokal im Wedding

aroshi-Kleidung in einem zwischengenutzten Ladenlokal im Wedding (Foto: aroshi)

Grün und blau, auf türkisch yeşil ve mavi,darauf lässt sich für manche der Wedding reduzieren. Für diese Menschen verkauft Anke Rommel T-Shirts mit Motiven, die sich erst auf den zweiten Blick dechiffrieren lassen. Dazu gehört auch ein Plan der Grün- und Wasserflächen des Wedding, eben der ganze Stadtteil in erstaunlich viel grün und blau. „Für meine Kleidungsstücke gibt es keine eindeutige Zielgruppe“, sagt die 47-jährige Geschäftsführerin des Labels „Aroshi“. Am ehesten fühlten sich Menschen davon angesprochen, die reduziertes Design und einfache Linien mögen, erklärt Anke Rommel. Menschen, die “architektur-affin” und “berlin-affin” sind wie sie. Schließlich ist Anke Rommel selbst Architektin und Innenarchitektin.

Zusammenhänge, Strukturen und klare Linien

Anke Rommel (links) und M. Urbach

Anke Rommel (links) und M. Urbach

Auf die Idee kam Anke Rommel, nachdem sie 2007 in den Sprengelkiez gezogen ist. Bei einem Besuch des PrimeTime-Theaters sah sie einen  Zuschauer im SO36-Shirt und fragte sich: warum soll so etwas nicht auch im Wedding funktionieren? Als sie eine berufliche Auszeit nehmen musste, packte sie die Gelegenheit beim Schopf und gründete im Jahr 2010 „aroshi“.

„Ich gehe gerne durch die Straßen, sehe die Strukturen und Zusammenhänge und arbeite diesen Aspekt heraus“, sagt die gebürtige Düsseldorferin. So konnte sie die neue Idee des Textildesigns mit ihrem bisherigen Beruf optimal verbinden. Für Architekturfans gibt es Motive der Beuth-Hochschule, aber natürlich auch die Alte Nazarethkirche am Leopoldplatz. „Ich sehe Dinge, die andere nicht sehen“, erzählt Anke Rommel. Das Blätterdach der Bäume am „Leo“ wird durch grüne geschwungene Linien angedeutet, und die für die meisten Passanten kaum wahrnehmbare Skulptur des Betenden Jungen am Rand des Platzes wird mit dem gleichen Rot-Ton wie die Schinkelkirche hervorgehoben. Menschen, Autos oder Marktstände haben auf diesen, auf die architektonischen Grundformen reduzierten Motiven nichts verloren.

Die T-Shirts werden auf Märkten und Stadtfesten, vor allem aber im Online-Shop verkauft. Anke Rommel versucht auch Weiterverkäufer zu gewinnen; ein Geschäft am Gendarmenmarkt, spezialisiert auf Produkte Berliner Designer, verkauft bereits ihre Kleidungsstücke. Diese tragen inzwischen auch Motive aus Mitte. Die Rohware ist als „Fair Wear“ und „Öko-Tex Standard 100“ zertifiziert. In Oberschöneweide werden die Kleider konfektioniert und mit den Mitte-/Wedding-Motiven bedruckt, während die gewobenen Etiketten aus Reinickendorf kommen. Die Motive und ihre Bedeutungen werden in deutsch, englisch und türkisch vermarktet – so können sich alle Weddinger angesprochen fühlen. Extra für Weddinger mit türkischen Wurzeln gibt es den Almancı (“Deutschländer”)-Schriftzug auf dem Weddinger Stadtteilumriss.

Individuelle Motive für Berlin-Fans

T-Shirts mit Weddingmotiven

T-Shirts mit Weddingmotiven

Mit Anke Rommels T-Shirts und Kapuzenjacken kann der Berlin-Fan zum Ausdruck bringen, dass er die Stadt mag. „Und das, ohne gleich ein Brandenburger Tor-Motiv durch die Gegend tragen zu müssen“, sagt die Geschäftsfrau lachend. Sie mag eben die Stadt in ihrer ganzen Vielfalt, den Wedding und besonders den Sprengelkiez – nur eines vermisst Anke Rommel: den Rhein. Den kann ihr der Wedding beim besten Willen nicht bieten.

Link zum Online-Shop

Noch bis 31. März 2012 nutzt “aroshi” gemeinsam mit “surface design atelier M. Urbach” das Ladenlokal Kameruner Str. 47 / Ecke Togostraße im Afrikanischen Viertel in Berlin-Wedding.

29. Februar, der geschenkte Tag auf der Müllerstraße

Unter dem Motto: „Ein geschenkter Tag“ (Schaltjahr 2012) wird der zusätzliche Tag des Jahres 2012 ganztägig gefeiert.

Über 60 Gewerbetreibende/Dienstleister/Einzelhändler an und um die Müllerstraße beteiligen sich an der Aktion mit besonderen Rabatten, kleinen Aufmerksamkeiten für die Kundschaft, besonderen Beratungsangeboten und Sprechstunden. Abgerundet wird der Aktionstag von einem kleinen Rahmenprogramm. Auch öffentliche und soziale Einrichtungen, wie das Bezirksamt Mitte, die Feuerwehr, die Polizei, der Mieterverein oder das Jugendhaus tragen dazu bei.

Am 29. Februar gibt es in der Müllerstraße nicht nur viele Sonderangebote: Der “geschenkte Tag” bietet auch einen Rahmen für das Zusammentreffen und Kennenlernen von Menschen. Solche Erfahrungen können kaum interessanter und spannender sein als auf der Müllerstraße, wo vielzählige Kulturen aufeinanderprallen. Zu erleben gibt es beispielsweise eine Jam-Session im Antiquitätenladen, eine Breakdance-Performance und eine Hip-Hop-Show im Kino-Foyer des Cineplex Alhambra, die Karate-Kids im Schillerpark-Center, eine Brautmodenschau im türkischen Brautmodengeschäft, das Bezirksamt zu Gast beim Mieterverein mit einer Ausstellung zum Fördergebiet, ein Feuerwehrauto vor dem Rathaus und Filmvorführungen im Café oder Supermarkt. Die Kontraste könnten schöner nicht sein: Haben Sie schon einmal ein Seminar zur Zubereitung veganer Falafel besucht? Oder gehen Sie zur Wurstverkostung bei der traditionellen Neulandfleischerei, zum Bücher-Verschenken ins polnische Restaurant, zur persönlichen Typenberatung bei H&M, zu kostenlosen Beratungsseminaren für Jungunternehmer beim Steuerberater, erkunden Sie die Welt Indonesiens im Indomarkt oder lassen Sie sich in die chinesische Naturheilkunde im Kräuterladen einführen. Und vergessen Sie die Kekstüte und den Luftballon für Ihre Kinder nicht.

Rund um die Müllerstraße gibt es eine Vielzahl engagierter Akteure. Dazu zählen Anwohner, soziale Einrichtungen, wie auch Gewerbetreibende und Behörden, die sich in bereits etablierten Runden Gedanken um die Zukunft ihres Stadtteils machen. Dazu zählen z.B. der Runde Tisch Leopoldplatz oder die Stadtteilvertretung Müllerstraße. Die Idee für den Aktionstag “ein geschenkter Tag” entstand beim zweiten vom Geschäftsstraßenmanagement Müllerstraße initiierten “Händlerfrühstück” Anfang Januar. (Quelle: Geschäftsstraßenmanagement Müllerstraße)

Eberhard Elfert gibt eine Fahrradtour „Die Geschichte und die Zukunft der Müllerstraße“. Dauer ca. 1 ½ Std., Maximal 20 Personen pro Tour. Kostenlose Teilnahme
Start: Weddingplatz, Ende: Gilmore‘s Café – Bar um 13 Uhr und um 16 Uhr, Anmeldung: eberhard.elfert@gmx.de

Programm

Beuth-Hochschule bekennt sich zum Standort Wedding

Die Beuth-Hochschule

Die Beuth-Hochschule

Als sich im Dezember 2011 herauskristallisierte, dass die Beuth-Hochschule (ehemals TFH) nicht in den leerstehenden Hochhausturm des Rathauses Wedding ziehen würde, da das Job-Center Mitte den Zuschlag erhalten hatte,  schien fraglich, ob der überregional bedeutende Hochschulstandort im Wedding zu halten sei. Nun äußerten sich die Präsidentin Prof. Monika Gross und der Erste Vizepräsident Prod. Hans W. Gerber im Interview mit der Sanierungszeitung “Ecke Müllerstraße” zur Standortfrage nach der Entscheidung gegen den Rathausturm.

“Die ganze Hochschule wird nicht nach Tegel umziehen, nur einige Bereiche”, gab Prof. Gross zu verstehen – der Hauptcampus bleibt im Wedding. Etwas anderes sei auch aus Kostengründen (ca. 500 000 Euro) nicht möglich. Die Beuth-Hochschule hat inzwischen 11.000 Studierende, Tendenz steigend, und ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Kiez zwischen Leopoldplatz und der Amrumer Straße. “Natürlich hat die Entscheidung auch Spuren hinterlassen”, sagt Prof. Gross im Interview, “wir fragen uns schon, wie verlässlich die Aussagen der Bezirkspolitik sind.”

Die Stadtteilvertretung Müllerstraße war nicht nur über die Vergabe des Turms an das Job-Center verwundert, sondern auch über die Art und Weise, wie die Beteiligung dieses gewählten Bürgergremiums “vergessen” wurde. In einem Brief an den Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, der ebenfalls in der Zeitung “Ecke Müllerstraße (1/2012)” veröffentlicht wurde, verliehen die Bürgervertreter ihrem Ärger Ausdruck. Dabei sind im Vorfeld der Entscheidung alle Beteiligten, auch der Bezirk, davon ausgegangen, dass die Stärkung des Hochschulstandorts durch das Gebäude direkt an der Müllerstraße auch positive Effekte auf das Sanierungsgebiet Müllerstraße gehabt hätte.

Nun steht zwar fest, dass die Beuth-Hochschule nicht ganz das Handtuch wirft und dem Wedding den Rücken kehrt. Dafür liegen die heutigen Liegenschaften einfach zu zentral. Trotzdem ist viel Porzellan zerschlagen worden: zwischen Bürgern und der Hochschule auf der einen und der Landespolitik auf der anderen Seite.

Erste Wahl für Zweite Hand: “Elementarteilchen”

Im ElementarteilchenEin ständiges Kommen und Gehen herrscht am Nachmittag im “Elementarteilchen”, einem Second-Hand-Kleidungsladen für Frauen in der Amsterdamer Straße. Evelyn Kaczmarek hätte wirklich Mühe, es ihren Kundinnen zu erklären, wenn sie den Laden wieder schließen sollte. Denn das hatte die 28-jährige Ur-Weddingerin mit polnischen Wurzeln ursprünglich vor: “Für mich war das eigentlich ein auf zwei Jahre begrenztes Projekt”, sagt Evelyn. Daraus sind nun im Januar 2012 schon vier Jahre geworden, also eine echte Weddinger Erfolgsgeschichte. Das Konzept ist einfach: “Die Sachen sollen tragbar sein, für den Beruf und die Freizeit, eventuell auch ein bisschen schicker”, sagt sie. Viele Jahre lang hat sie in Boutiquen gearbeitet und den Verkauf von Kleidung von der Pike auf gelernt. “Ich habe viel aus dieser Zeit mitgenommen, zum Beispiel, dass es schöner aussieht, wenn die Kleider nach der Farbe sortiert präsentiert werden”, erzählt die Unternehmerin. Sie ist am Leopoldplatz aufgewachsen. Daher liegt ihr viel am Wedding und besonders an der nahe gelegenen Müllerstraße, deren Niedergang ab den 1990ern sie selbst miterlebt hat. Schuld daran sind ihrer Meinung nach vor allem die Shopping-Center. “Da gehe ich höchstens hinein, um mich aufzuwärmen”, sagt eine Kundin, die das Gespräch mit angehört hat.

Evelyn Kaczmarek in ihrer Boutique

Evelyn Kaczmarek in ihrer Boutique

Ein unattraktives Straßenbild, das nicht gerade zum Kaufen einlädt. Das soll und wird sich zumindest an der Müllerstraße nun ändern. Evelyn Kaczmarek hofft, dass auch die eigentlich viel schöneren Nebenstraßen wie die Amsterdamer Straße davon profitieren. Denn der Kiez erlebt gerade einen starken Wandel: “Hier ziehen viele Studenten her, die früher erst einmal in den Prenzlauer Berg gezogen wären”, hat sie beobachtet. Noch stimme die Mischung, aber es werden auch gerade viele Wohnungen luxussaniert. Der Wedding ist dabei, sein schlechtes Image zu verlieren, kann auch die Kundin im Elementarteilchen berichten: “Früher hieß es: um Gottes Willen, du wohnst im Wedding?” Das habe sich vollständig geändert und Freunde kommen heute auch gerne im Wedding zu Besuch… Man kommt leicht ins Plaudern in diesem Laden. Das könnte auch daran liegen, dass am Fenster ein gemütliches Sofa dazu einlädt, sich erst einmal im “Elementarteilchen” niederzulassen.

Wieder geht die Ladentür auf, eine junge Kundin kommt herein und möchte sich bei den Second-Hand-Kleidern umschauen, die im Durchschnitt zwischen zwölf und 25 Euro kosten. Das Projekt “Elementarteilchen” dürfte wohl noch ein paar Jahre länger dauern.

Laden in der Amsterdamer StraßeElementarteilchen

Amsterdamer Str. 4

Di-Sa 12.00 – 16.00 Uhr
Tel. 0173 – 4494718

Eine Bereicherung für den Kiez: Das “TassenKuchen”

Eine Metallskulptur zieht sich durch das ganze Café

Nanu, wenn man in das Café an der Ecke Utrechter-/Malplaquetstraße eintritt, reibt man sich erst einmal die Augen: da hängt doch unter der Decke… ja, was eigentlich? “Ein Buckelwal”, erklärt die 35-jährige Tonia Meskunas, die das “TassenKuchen” gemeinsam mit ihrem amerikanischen Mann Paul betreibt. Die Metallskulptur nimmt fast den ganzen Raum ein, und wie alles in diesem hellen Café haben die beiden Besitzer alles selbst gestaltet. Die minimalistische Gestaltung gehört zum Konzept, ebenso wie auch die sparsam eingesetzten Farben (eigentlich gibt es nur lindgrün) und das Logo, die alten Stühle aus einem Festzelt; ja, selbst die hölzerne braune Verkleidung der Theke und eine Tür zum Veranstaltungsraum, für die ein altes Scheunentor herhalten musste. “Wir sind beide Designer, und alles ist genau durchdacht”, erklärt Tonia Meskunas, und man versteht sofort: hier hat nicht irgendein Café aufgemacht.

Blick auf die Ecke

Blick auf die Ecke

Früher war an dieser exponierten Lage an dem dreieckigen Platz, der durch die abknickende Utrechter Straße im Schnittpunkt der Malplaquetstraße gebildet wird, einmal ein bekanntes Eiscafé, dann folgten – weddingtypisch – viele Jahre des stetigen Wechsels verschiedener Vereinslokale, keine Gastronomie. “Wir haben schon einmal ein Touristencafé betrieben, auf der Insel Block Island im US-Bundesstaat Rhode Island”, erzählt Tonia. “Da lag es nahe, ein Café mit amerikanischen Spezialitäten zu eröffnen. Paul als Amerikaner bäckt einfach nach den authentischen Rezepten aus seiner Heimat.” Getestet wurden die amerikanischen Kuchen (Tassenkuchen ist die direkte Übersetzung des englischen Cup Cake) ein Jahr lang zu Hause im Freundeskreis. Seit der Eröffnung des Tassenkuchen im  November 2011 sind noch ein Mittagstisch, Sandwiches und Tartes hinzugekommen. Legendär ist schon jetzt das All you can eat- Pancake-Brunch am Sonntag, seit ein Fachblog dafür warb und den Meskunas die Bude eingerannt wurde.Die Pancakes sind, anders als man es vielleicht erwartet, fluffig und leicht. Das Geheimnis liege in der Verwendung von Buttermilch und Saurer Sahne, verrät Paul Meskunas mit einem vielsagenden Lächeln im Gesicht – natürlich ohne das genaue Rezept preiszugeben!

“Uns ist die Qualität wichtig”, beschreibt Tonia das ausgefeilte Konzept, “und darum kommen nur Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau in Frage.” Mit einer Ausnahme, denn mittwochs gibt es Whoopie Pie, für den (Bio-Fans schauen jetzt mal weg) konventionelle Marsh-Mallows verbacken werden. Wichtig ist: alles ist frisch und hausgemacht.

Paul und Tonia Meskunas

Paul und Tonia Meskunas

Die Betreiber des TassenKuchen wollen ihren Kiez, in dem sie auch selbst wohnen, durch ihr Café um etwas ganz Besonderes bereichern. Von außen wirkt das Café zwar wie ein Provisorium. Die Überraschung, die einen im Inneren des TassenKuchen aber dann erwartet, beschreibt Tonia selbst ziemlich treffend: “Das Schöne am Wedding ist, man läuft eine Straße entlang und denkt, was ist das denn Schreckliches… Dann biegt man um die Ecke und merkt, ach hier ist es auf einmal total nett.” Wer sich also nicht davon abschrecken lässt, durch die Straßen des Wedding zu ziehen, kann einen richtigen Wohlfühlort mit leckerem Kuchen und Kaffee entdecken. Oder auch einen Buckelwal.

TassenKuchen

Malplaquetstr. 33, 13347 Berlin

Mi- Fr 9-18 Uhr, Sa/So 10.30 – 18 Uhr, Mo/Di geschlossen

Veranstaltungsraum auf Anfrage buchbar

U Leopoldplatz / U Seestraße

Die Kuchenauswahl

Die Kuchenauswahl