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Beuth-Hochschule bekennt sich zum Standort Wedding

Die Beuth-Hochschule

Die Beuth-Hochschule

Als sich im Dezember 2011 herauskristallisierte, dass die Beuth-Hochschule (ehemals TFH) nicht in den leerstehenden Hochhausturm des Rathauses Wedding ziehen würde, da das Job-Center Mitte den Zuschlag erhalten hatte,  schien fraglich, ob der überregional bedeutende Hochschulstandort im Wedding zu halten sei. Nun äußerten sich die Präsidentin Prof. Monika Gross und der Erste Vizepräsident Prod. Hans W. Gerber im Interview mit der Sanierungszeitung “Ecke Müllerstraße” zur Standortfrage nach der Entscheidung gegen den Rathausturm.

“Die ganze Hochschule wird nicht nach Tegel umziehen, nur einige Bereiche”, gab Prof. Gross zu verstehen – der Hauptcampus bleibt im Wedding. Etwas anderes sei auch aus Kostengründen (ca. 500 000 Euro) nicht möglich. Die Beuth-Hochschule hat inzwischen 11.000 Studierende, Tendenz steigend, und ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Kiez zwischen Leopoldplatz und der Amrumer Straße. “Natürlich hat die Entscheidung auch Spuren hinterlassen”, sagt Prof. Gross im Interview, “wir fragen uns schon, wie verlässlich die Aussagen der Bezirkspolitik sind.”

Die Stadtteilvertretung Müllerstraße war nicht nur über die Vergabe des Turms an das Job-Center verwundert, sondern auch über die Art und Weise, wie die Beteiligung dieses gewählten Bürgergremiums “vergessen” wurde. In einem Brief an den Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, der ebenfalls in der Zeitung “Ecke Müllerstraße (1/2012)” veröffentlicht wurde, verliehen die Bürgervertreter ihrem Ärger Ausdruck. Dabei sind im Vorfeld der Entscheidung alle Beteiligten, auch der Bezirk, davon ausgegangen, dass die Stärkung des Hochschulstandorts durch das Gebäude direkt an der Müllerstraße auch positive Effekte auf das Sanierungsgebiet Müllerstraße gehabt hätte.

Nun steht zwar fest, dass die Beuth-Hochschule nicht ganz das Handtuch wirft und dem Wedding den Rücken kehrt. Dafür liegen die heutigen Liegenschaften einfach zu zentral. Trotzdem ist viel Porzellan zerschlagen worden: zwischen Bürgern und der Hochschule auf der einen und der Landespolitik auf der anderen Seite.

Gut für den Senat, schlecht für den Standort Wedding

Neues und altes Rathaus Wedding

Neues und altes Rathaus Wedding

Der Senat hat entschieden. Und es sprechen sicher gute Gründe dafür, das Jobcenter in das demnächst leerstehende Hochhaus am Rathaus Wedding einziehen zu lassen, wie an dieser Stelle bereits berichtet. Die vom Bund finanzierte Agentur für Arbeit kann es sich – ganz im Gegensatz zum zweiten Interessenten, der landeseigenen Beuth-Hochschule, – leisten, eine Beteiligung von vier Millionen Euro an den Sanierungskosten für den maroden Turm beizusteuern. Doch für den Stadtraum rund um das Rathaus ist es eine fatale Entscheidung, meinen nicht nur die Bezirkspolitiker. Die das Sanierungsgebiet Müllerstraße betreuende Stadtplanerin Susanne Jahn nennt es klipp und klar ein falsches Signal. Immerhin bemühen sich viele Beteiligte seit Jahren um eine Belebung des Gebiets rund um den Leopoldplatz. Auch Mitglieder der Stadtteilvertretung Müllerstraße fühlen sich durch diese Entscheidung in ihren bisherigen Bemühungen zur Stärkung des Ortsteils übergangen: „Die angestoßene Entwicklung der Müllerstraße kann nachhaltig geschädigt werden“, schreibt ein Mitglied in einem Flugblatt, das bei einer öffentlichen Sitzung verteilt wurde.

Es geht aber nicht nur darum, dass das Straßenbild anders aussieht, wenn statt Studenten eher die Kunden des Jobcenters den Rathausvorplatz bevölkern. Für die mit akuter Raumnot kämpfende Beuth-Hochschule steht jetzt nämlich der ganze Traditionsstandort im Wedding in Frage. Ohne Erweiterungsperspektive muss sie sich wohl auf einen Komplettumzug einstellen. Dafür böte sich an, den ab Juni leerstehenden Flughafen Tegel in die engere Wahl zu ziehen, quasi als Kompensation für den Bedeutungsverlust des Bezirks Reinickendorf.

Es wird auf diese Art zwar keinen dauerhaften Leerstand des Rathaus-Hochhauses geben. Die Idee eines Bildungsbandes, das sich die Planer für das Aktive Zentrum Müllerstraße an dieser Stelle erdacht haben, ist aber nun in mehrfacher Hinsicht in Gefahr.

Jobcenter rein, Bürgeramt raus: Neues vom Rathaus Wedding

Der Rathausneubau aus den 1960er Jahren wird bald leerstehen - aber wohl nicht lange

Der Rathausneubau aus den 1960er Jahren

Des einen Freud, des anderen Leid: während nun feststeht, dass nicht die Beuth-Hochschule, sondern das Jobcenter Berlin-Mitte bis 2014 in den Hochhausturm des Rathauses Wedding an der Müllerstraße ziehen wird, muss das Bürgeramt im Erdgeschoss des Hochhauses seinen Platz räumen. Dies hat die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) beschlossen, wie das Berliner Abendblatt in seiner Ausgabe vom 24.12.2011 meldet. Das Bürgeramt wird dann noch im Jahr 2012 im Gebäude des Finanzamts Wedding direkt am U-Bahnhof Osloer Straße untergebracht.

Das Rathausgebäude muss saniert werden, wobei sich das Jobcenter an den Kosten beteiligt. Dafür wird der zentrale Standort an der Moabiter Sickingenstraße aufgegeben. Der Anteil des Bezirks Mitte an den Baukosten beträgt etwa 600.000 Euro, die vom Senat refinanziert werden. „Für den Bezirk entstehen also keine Kosten“, erklärte der für die bezirklichen Immobilien zuständige Stadtrat Ulrich Davids gegenüber dem Abendblatt.

Gute Nachrichten also für Alg II-Bezieher im Wedding. Wie die veränderten Besucherströme die Müllerstraße verändern, ist wohl noch nicht absehbar – und was aus der Beuth-Hochschule wird, auch nicht.

Rathaus-Hochhaus nicht lange arbeitslos?

Der Rathausneubau aus den 1960er Jahren wird bald leerstehen - aber wohl nicht lange

Der Rathausneubau aus den 1960er Jahren wird bald leerstehen - aber wohl nicht lange

Schön hatten sich die Planer die Sache mit dem „Bildungs-Band“ von der Amrumer Straße über den Leopoldplatz bis zur Antonstraße vorgestellt: die Beuth-Hochschule, die neue Schillerbibliothek und die Volkshochschule. Da hätte es hervorragend ins Konzept gepasst, wenn das demnächst entmietete Rathaus-Hochhaus über dem Bürgeramt der aus allen Nähten platzenden Beuth-Hochschule als Erweiterungsfläche gedient hätte. Doch nun sticht ausgerechnet das Job-Center Berlin-Mitte die benachbarte Hochschule aus: die von der Bundesagentur für Arbeit finanzierte Behörde kann höhere Mieten als die klamme Hochschule zahlen und würde sich auch den notwendigen Sanierungskosten von gut vier Millionen Euro beteiligen.

Ist die Hochschule stadtteilpolitisch auch die bessere Wahl – denn die Studenten beleben diesen Teil des Wedding merklich – so ist die hohe Zahl der Kunden des Job-Centers, die derzeit noch in die Moabiter Sickingenstraße pilgern, allein schon ein guter Grund, einen zentralen Standort für diese wichtige Anlaufstelle zu suchen.

Der zuständige Bezirksstadtrat Stephan von Dassel (Grüne) erklärt im Interview mit Christof Schaffelder vom Magazin „Ecke Müllerstraße“: „Der gegenwärtige Standort des Jobcenters Mitte in der Sickingenstraße ist alles andere als gut. Er ist nur schlecht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, hat kein gutes Umfeld und ist auch einfach zu groß, ein Riesenbau mit über 800 Mitarbeitern. Wir wollen es aufteilen und drei dezentrale Standorte im Bezirk aufbauen. Einer davon soll der Rathaus-Neubau sein, zuständig für einen Teil der Weddinger und Moabiter Hartz-IV-Empfänger.“

Das Bürgeramt im Erdgeschoss dürfte auch für alle Einwohner des Ortsteils Wedding eine gewisse Bedeutung haben, auch wenn sie keine Kunden des Job-Centers sind. Doch aus Sanierungsgründen muss auch das Bürgeramt spätestens im Herbst 2012 auf einen neuen Standort ausweichen.

Eins steht jedenfalls jetzt schon fest: einen längerfristigen Leerstand dürfte es im Weddinger Rathaus-Hochhaus nicht geben.