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Dickes W am 12.12.: Klub Karisma

»Ela, hast du vielleicht Lust, nach Hamburg zu fahren?« versuche ich meine Freundin für meine Wochenendplanung zu begeistern, »wir können mal wieder meinen alten Freund Ingo besuchen.«
»Welchen Ingo?«
»Du weißt schon, dieser Ingo, der in Hamburg einen Pudelsalon betreibt. Hier, ich bin gerade über seine Visitenkarte gestolpert, hab mich lange nicht gemeldet.«
»Zeig mal her«, sagt Ela und liest kopfschüttelnd den Schriftzug vor, der gemeinsam mit einem frisch frisierten Pudel die Karte schmückt: „Percy’s Poppenbüttler Pudel-Paradies. Ach, jetzt weiß ich, der Typ mit dem weinroten Seidenanzug.«.
»Äh… war der weinrot? Also ich weiß nur noch…«
»Ist mir klar, dass du da nicht mehr viel erinnerst. Der war so furchtbar! Außerdem hast du nicht gesagt, du willst am Wochenende auf den Weihnachtsmarkt gehen?«
»Wer ist furchtbar? Der Anzug oder Ingo? Ich habe ja nicht gesagt, dass der Weihnachtsmarkt in Berlin sein muss.«
Ela holt tief Luft: »Von wegen Weihnachtsmarkt, mein Süßer. Süßer die Glocken nie klingen. Ich habe jedenfalls keine Lust, wie das letzte Mal zu diesem Klub Dingsda mit euch beiden über die Reeperbahn zu ziehen, und daneben stehen zu müssen, während ihr euch mit den Nutten unterhaltet.«
In einer offenbar stark beschädigten Region meines Gehirns dämmert schemenhaft die Erinnerung an jene Nacht herauf. Tatsächlich hatten Ingo und ich unheimlich viel getrunken, was es rückblickend natürlich erschwert, die richtigen Argumente zur Rechtfertigung zu finden.
»Das war doch nur Spaß, und waren doch auch ganz nette Prostituierte. Und dann haben die uns halt ständig Fragen gestellt, wir wollten nur freundlich sein und sie mit Respekt behandeln.«
»Und dann im Stripclub alle Hemmungen fahren lassen, jaja…«
»Waren wir wirklich im Stripclub?«
»Reingefallen. Nein, dieser Klub, zu dem Ingo wollte, der war nur für Frauen. Aber ich war nah dran, euch draußen stehen zu lassen und selbst reinzugehen.«
Nachdem wir eine Minute schweigend auf den Couchtisch gestarrt hatten, fragte Ela: »Also? Bleiben wir hier?«
»Ja, Schatz, wir bleiben hier.«

Cover_Karisma

Es gibt Orte, die noch verrufener sind als der Wedding. Am Mittwoch, den 12.12. betreten Frank Sorge und Ingo Scharmann den Hamburger KLUB KARISMA in einer interaktiven Geschichte von Christian Blümke. Das Publikum schlüpft in die Rolle von Ingo Percy Wuttke und kann per Zuruf über die nächsten Schritte der Story entscheiden. Los geht’s um 21 Uhr im Mastul. Die nächste Episode von Dickes W mit Ela und Marc folgt am 18. Januar.

Wohnen in Vegas

Ich nenne meine Freundin jetzt Madame von Robben & Wientjes, aber nicht laut. Sie sammelt Material gegen meine Weddinger Wahlverwurzelung, irgendwelche Listen und Statistiken, die mich davon überzeugen sollen, mit ihr in den Prenzlauer Berg zu ziehen. Ein Beispiel: Unabhängige Umfragen haben ergeben, dass 99% Prozent der Weddinger nicht wissen, was ein Green Smoothie ist.
Die Umfragen hat sie natürlich selbst gemacht, vor dem Karstadt, dem H&M, was weiß ich. Käme ja auch sonst keiner auf die Idee, so eine Umfrage zu machen. Bubble Tea, danach hätte sie fragen sollen, das ist eben eine andere Art von Green Smoothie, die “Weddinger Variante”. Und grüner Tee kommt da, glaube ich, auch rein. Die alte Weisheit gilt, man darf keiner Statistik glauben, die man nicht selbst gefälscht hat.
Meine Gegenstrategie ist zur Zeit, gar nicht auf Defizite des Wedding einzugehen, sondern konsequent Vorteile herauszuarbeiten: “Dafür haben wir so viele Casinos, wie sonst nirgends. Du, wir leben im Grunde im Las Vegas Berlins, ist das nicht cool?”

Nur auf den ersten Blick ein Casino, hier wird lieber mit Worten gespielt. (Foto: M. Dicke)

“In Las Vegas will doch auch keiner wohnen. Das besucht man nur, und nicht mal das kann man vom Wedding behaupten.”
“Aber schau dir mal die Dichte an Cocktailbars an, das kann auch der Prenzlauer Berg nicht toppen. Es gibt direkt so viele, dass sie schon durchnummeriert werden müssen. Bar 3, Toleranz 5…”
“Und warum sitzt du dann nur in deiner Stammkneipe rum? Du hast mir versprochen, der Wedding wird mal cool. Aber dazu kommt es wohl eh nie, haben meine Recherchen ergeben.”
“Wie hätte ich das versprechen können, Ela? Außerdem ist uncool das neue cool, verstehst du?”
“Guck mal hier, wie viele Leute an einem durchschnittlichen Feierabend auf der Straße ein Bier in der Hand haben. Ich hab’s notiert.”
“Okay, in der Woche. Am Wochenende hat aber die Schönhauser Allee mehr Becks in der Hand als am Leo die ganze Woche geleert werden.”
“Sagst du nicht immer, Becks ist kein Bier?”
Zwischendurch rufen wir eine Waffenruhe aus und üben uns in Diplomatie. Von ihrem Plan ist sie so aber nicht abzubringen.

Marc Dickes Blogeinträge “zwischen Tanke und Panke” sind hier im Weddingweiser zu lesen. Ob er wirklich aus dem Wedding wegziehen muss, wird noch einmal live am 24.10. im F am Gesundbrunnen entschieden. Um 21 Uhr geht es los.

“Dickes W”: Der Wedding wird interaktiv

EXKLUSIV: Am Freitag, den 19.Oktober starten Ingo Scharmann und Brauseboy Frank Sorge die Veranstaltung “Dickes W – die Interactive-Fiction-Show” im Mastul. Jeden Monat werden interaktive Geschichten gelesen, die vom Publikum gesteuert werden können. Alle zwei Monate werden die Abenteuer des fiktiven Wedding-Bloggers Marc Dicke weitergesponnen, an den Terminen dazwischen werden neue und alte Perlen der Interactive Fiction vorgestellt. Doch was um alles in der Welt ist Interactive Fiction? Und was erwartet die Zuschauer bei der Premiere? Dies und noch mehr schildern die Veranstalter dem Weddingweiser in einem kleinen Interview.

Ingo Scharmann (links) und Frank Sorge im Mastul

Ingo Scharmann (links) und Frank Sorge im Mastul

Woher kennt ihr euch?

Frank: Kommuniziert haben wir wohl das erste Mal im Interactive-Fiction-Forum if-de. Ich hatte ein kleines Spiel programmiert, in dem man meine Wohnung an der Seestraße aufräumen muss, und wir stellten fest, dass wir beide im Wedding wohnen und uns mal treffen müssten. Gesehen haben wir uns allerdings erst Jahre später.

Ingo: Ja, ich hatte Frank im März zu einer interaktiven Lesung meines Spiels “Allein mit Kai” eingeladen. Im Anschluss hatten wir dann Gelegenheit uns kennenzulernen, und ich konnte Frank von der Idee einer Interactive-Fiction-Serie erzählen.

Wie kam es zu der Idee?

Ingo: Eigentlich fing es mit der vagen Idee an, Geschichten über Berlin zu erzählen, in denen ganz alltägliche Dinge zu den haarsträubendsten Verstrickungen führen, in denen also der Alltag das große Abenteuer ist. Da ich mich schon seit einiger Zeit mit Interactive Fiction beschäftige, kam irgendwann der Gedanke auf, diese Grundidee in Form von interaktiven Geschichten umzusetzen. Dabei schlüpft man als Leser in die Rolle des Protagonisten und tastet sich eher spielerisch durch die Erzählung. Es ist also auch ein Spiel. Da war der Gedanke naheliegend, dass es wie bei anderen Spielen auch bei Interactive Fiction mehr Spaß machen würde, nicht alleine, sondern gemeinsam mit anderen zu spielen. Letztes Jahr saß ich dann in München bei der wahrscheinlich ersten Interactive-Fiction-Lesung in Deutschland im Publikum und konnte erleben, wie gut die Veranstaltung bei den Besuchern ankam. Das war sicher auch eine wichtige Erfahrung.

Frank: Ich habe mal ein Textadventure mit Jugendlichen programmiert, das wir auf einer Lesung mit Publikumsvorschlägen vorgelesen haben. Das war sehr lustig und fiel mir gleich an, als Ingo mir die Idee einer Wedding-Serie schilderte.

Wie ist euer Bezug zum Wedding, wie lange wohnt ihr schon hier?

Frank: Ich wohne jetzt seit fünf Jahren im Wedding, bin dem Stadtteil aber schon länger durch die Brauseboys und das Mastul sehr verbunden. Als Student habe ich hier auch eine Weile als Lieferfahrer für einen Fernsehladen gearbeitet. Hier habe ich alles, was ich brauche, einen stabilen Internetanschluss und den Plötzensee, außerdem Spätkäufe, die nie schließen, und frischen Döner.

Ingo: Ich bin 2001 von Mitte in den Wedding gezogen und habe mich hier eigentlich von Anfang an sehr wohl gefühlt. Nachdem ich fast die ganzen 90er im Osten Berlins gewohnt hatte, fand ich den Wedding sehr entspannend, gerade weil er so ungehypt vor sich hin schlummerte. Seit ein paar Jahren ist hier wesentlich mehr Bewegung, und ich finde es gut, dass der Wedding dabei seinen spezifischen Charme beibehalten hat. Das macht ihn für mich zu einem der spannendsten Teile der Stadt.

Was können die Zuschauer erwarten? Was unterscheidet die Show von einer Lesung, sagen wir der Brauseboys?

Frank: Im Grunde ist es auch eine Lesung, im Mittelpunkt steht allerdings ein gemeinsames Werk, also die aktuelle Episode. Wie die aber an diesem Abend verläuft, bestimmt das Publikum durch entspanntes Mitraten und Reinrufen. Den Text lesen wir in verteilten Rollen, was ich mir auch ein wenig wie bei einem Live-Hörspiel vorstelle. Noch haben wir es ja nicht gemacht, wir sind also auch gespannt, wie es im Endeffekt laufen wird. Eingebunden ist die Episode aber in ein lockeres Programm aus Texten und Liedern, wie man sie auch bei den Brauseboys hören kann. Zuhören ist ja auch Mitmachen. Außerdem wird es eine Live-Schaltung zu einem virtuellen Kulturfestival geben.

Ingo: Ja, wir sind da selbst wirklich sehr gespannt, denn trotz Programm wird vieles eher spontan ablaufen. Es wird sicher ein lustiger Abend, und wir freuen uns schon darauf.

Vielen Dank an Frank und Ingo. Wer das live miterleben will, sollte am Freitag um 21.00 Uhr ins Mastul, Liebenwalder Str. 33, oder am Mittwoch, den 24. Oktober in die F-Bar, Grüntaler Str. 9 kommen. Der Eintritt wird gewürfelt (ein Würfelauge = 1 €).  Wer die 6 würfelt, gewinnt freien Eintritt.

Der Weddingweiser freut sich ganz besonders, die Erlebnisse der fiktiven Person Marc Dicke auf einer eigenen Seite zu veröffentlichen:

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