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“Gilmore’s”: Bequem Kaffee und Kuchen genießen

Das Gilmore's an der Müllerstraße

Das Gilmore's an der Müllerstraße (Quelle: stefblog.de)

Ein gemütliches Café mit nettem Ambiente im nordwestlichen Wedding? Ja,
 so etwas gibt es! Und für den Weddingweiser wurde es auch höchste Zeit, über diese Oase im Englischen Viertel zu berichten….

Seit mittlerweile vier Jahren existiert bereits das
 Gilmore’s, und mittlerweile scheint sich der schnuckelige Laden
 herumgesprochen zu haben. Kein Wunder, ist er doch eine sehr angenehme
 Abwechslung vom Billigbäcker- und Kaschemmeneinerlei in dieser Gegend.

 Egal ob man zum wirklich guten Kaffee- und Teeangebot nun den 
selbstgemachten Kuchen verspeist oder die kleinen herzhaften Snacks -
 wobei die Inhaberin Sandra Fabian immer auf qualitativ hochwertige und
 gesunde Zutaten achtet – egal ob man sich im urgemütlich, mit viel Liebe
 eingerichteten vorderen Raum in die bequemen Sessel kuschelt, sich mit 
dem Nachwuchs im hinteren “Spielzimmer” amüsiert oder sich vor dem Café
 die Sonne auf den Pelz scheinen lässt – im Gilmore’s fühlt man sich wohl
 und willkommen.

 Neben dem “Standardprogramm” hat das Gilmores auch etwas ausgefallenere
 Getränke und immer wieder kleine Leckerlis wie Pralinen oder Schoki im
Angebot.

Was den Namen angeht, wurde die Inhaberin übrigens von der Serie “Gilmore
 Girls” – und der großen Kaffeeleidenschaft der Protagonistinnen -
 inspiriert, und zu besonderen Anlässen werden auch ein paar Folgen der
 beliebten Serie abgespielt.

Autor: Stef, stefblog.de

Website


http://www.facebook.com/pages/Gilmores-Café-Bar/131168836934767



Gilmore’s Café Bar


Inhaber: Sandra Fabian


Müllerstraße 70 b


U6 U-Bhf Rehberge
 Ausgang Liverpooler Straße


13349 Berlin



Öffungszeiten:
Mo-Fr 09:00 – 18:00 Uhr


Mittwoch Ruhetag


Sa+So 14:00 – 18:00 Uhr

“Suppen-Treff”, Müllerstraße 49 b: Orange wie eine Tomatensuppe

Es gibt Leute, die immer ein Haar in der Suppe finden. Im „Suppen-Treff“ könnte das aber schwierig werden. Jetzt wechselt das beliebte Bistro seinen Standort.

Die große Theke im Suppentreff

Die große Theke im Suppentreff

„Für mich ist orange die richtige Farbe für eine Suppen-Bar“, sagt die 38-jährige Gül Pilic. Vor einem Jahr hat sie an der Müllerstraße den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Nach vielen Jahren im Erzieherberuf hatte Sie Lust, etwas ganz Neues auszuprobieren. Angefangen hat sie mit einem kleinen Laden in dem Eckhaus, das zur „Müllerhalle“ gehört. Dort hat sich zuvor schon jahrelang ein Suppenimbiss befunden. Die Inhaberin versuchte am bewährten Standort jedoch ein neues Konzept: „Wir setzen auf ausschließlich hausgemachte Suppen“, erklärt Gül Pilic, die vor den Augen der Kunden alles frisch zubereitet. Der Name „Suppen-Treff“ täuscht über die Tatsache hinweg, dass es auch selbst gebackenen Kuchen und vor Ort verarbeiteten Milchreis und Pudding gibt.

Der große Gastraum

Der große Gastraum

Nach einem Jahr wagte die Gastronomin den Wechsel an einen neuen Standort; schräg gegenüber, an der Müllerstraße 49, bietet der neue “Suppen-Treff” mehr Platz für das gelungene Konzept.Die vier wöchentlich wechselnden Suppen, von denen immer zwei Suppen vegetarisch sind, kann man in einem geschmackvollen, modernen Ambiente in warmen Orangetönen genießen. „Wir haben alles vom Boden bis zur Decke neu eingerichtet und gemalert“, sagt Gül Pilic. Der Standort an der oberen Müllerstraße erfordert Zugeständnisse an das dort vorhandene gemischte Publikum. So hat die Gastronomin davon abgesehen, nur Bio-Produkte zu verwenden.„Uns ist wichtig, dass die Weddinger Kunden unsere Preise auch bezahlen können“, sagt Gül Pilic. Zu den hausgemachten Suppen für drei Euro gibt es auch ein besonders schmackhaftes Krustenbrot ohne Konservierungsstoffe.

Noch liegen viele aufgeschlagene Kochbücher auf dem Tresen. Bald schon dürften sich aber die besten und beliebtesten Suppen heraus kristallisiert haben. Dann wird die Produktpalette vielleicht noch erweitert: „Da ich Aramäerin bin, habe ich natürlich noch ein paar Rezepte aus meiner Heimat in petto“, sagt Gül Pilic augenzwinkernd. Sie scheint ihre Sache nicht schlecht zu machen, denn der Suppen-Treff wurde von einem Radiosender auf den sechsten Platz aller Berliner Suppen-Bars gewählt.

Doch nicht nur der “Suppen-Treff” musste das Mietobjekt Müllerhalle verlassen – ab sofort ist jeden Mittwoch und Freitag auch der brandenburgische Bauer Heiko Reppin mit Eiern, Gemüse und Kartoffeln direkt vom nahe gelegenen Hof zu Gast im Suppen-Treff. Er dürfte Kunden der Müllerhalle ein Begriff sein. “Ich freue mich über dieses Zusatzangebot”, sagt Gül Pilic. Denn für sie steht ihrem Bistro frisches Gemüse vom Bauern gut zu Gesicht – so wie für sie auch die Farbe Orange gut zu Suppen passt.


Suppen-Treff

Müllerstraße 49 b, gegenüber Einmündung Kameruner Str (neben LIDL)

Öffnungszeiten Mo-Fr 11.00 bis 18.00 Uhr


Eine Bereicherung für den Kiez: Das “TassenKuchen”

Eine Metallskulptur zieht sich durch das ganze Café

Nanu, wenn man in das Café an der Ecke Utrechter-/Malplaquetstraße eintritt, reibt man sich erst einmal die Augen: da hängt doch unter der Decke… ja, was eigentlich? “Ein Buckelwal”, erklärt die 35-jährige Tonia Meskunas, die das “TassenKuchen” gemeinsam mit ihrem amerikanischen Mann Paul betreibt. Die Metallskulptur nimmt fast den ganzen Raum ein, und wie alles in diesem hellen Café haben die beiden Besitzer alles selbst gestaltet. Die minimalistische Gestaltung gehört zum Konzept, ebenso wie auch die sparsam eingesetzten Farben (eigentlich gibt es nur lindgrün) und das Logo, die alten Stühle aus einem Festzelt; ja, selbst die hölzerne braune Verkleidung der Theke und eine Tür zum Veranstaltungsraum, für die ein altes Scheunentor herhalten musste. “Wir sind beide Designer, und alles ist genau durchdacht”, erklärt Tonia Meskunas, und man versteht sofort: hier hat nicht irgendein Café aufgemacht.

Blick auf die Ecke

Blick auf die Ecke

Früher war an dieser exponierten Lage an dem dreieckigen Platz, der durch die abknickende Utrechter Straße im Schnittpunkt der Malplaquetstraße gebildet wird, einmal ein bekanntes Eiscafé, dann folgten – weddingtypisch – viele Jahre des stetigen Wechsels verschiedener Vereinslokale, keine Gastronomie. “Wir haben schon einmal ein Touristencafé betrieben, auf der Insel Block Island im US-Bundesstaat Rhode Island”, erzählt Tonia. “Da lag es nahe, ein Café mit amerikanischen Spezialitäten zu eröffnen. Paul als Amerikaner bäckt einfach nach den authentischen Rezepten aus seiner Heimat.” Getestet wurden die amerikanischen Kuchen (Tassenkuchen ist die direkte Übersetzung des englischen Cup Cake) ein Jahr lang zu Hause im Freundeskreis. Seit der Eröffnung des Tassenkuchen im  November 2011 sind noch ein Mittagstisch, Sandwiches und Tartes hinzugekommen. Legendär ist schon jetzt das All you can eat- Pancake-Brunch am Sonntag, seit ein Fachblog dafür warb und den Meskunas die Bude eingerannt wurde.Die Pancakes sind, anders als man es vielleicht erwartet, fluffig und leicht. Das Geheimnis liege in der Verwendung von Buttermilch und Saurer Sahne, verrät Paul Meskunas mit einem vielsagenden Lächeln im Gesicht – natürlich ohne das genaue Rezept preiszugeben!

“Uns ist die Qualität wichtig”, beschreibt Tonia das ausgefeilte Konzept, “und darum kommen nur Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau in Frage.” Mit einer Ausnahme, denn mittwochs gibt es Whoopie Pie, für den (Bio-Fans schauen jetzt mal weg) konventionelle Marsh-Mallows verbacken werden. Wichtig ist: alles ist frisch und hausgemacht.

Paul und Tonia Meskunas

Paul und Tonia Meskunas

Die Betreiber des TassenKuchen wollen ihren Kiez, in dem sie auch selbst wohnen, durch ihr Café um etwas ganz Besonderes bereichern. Von außen wirkt das Café zwar wie ein Provisorium. Die Überraschung, die einen im Inneren des TassenKuchen aber dann erwartet, beschreibt Tonia selbst ziemlich treffend: “Das Schöne am Wedding ist, man läuft eine Straße entlang und denkt, was ist das denn Schreckliches… Dann biegt man um die Ecke und merkt, ach hier ist es auf einmal total nett.” Wer sich also nicht davon abschrecken lässt, durch die Straßen des Wedding zu ziehen, kann einen richtigen Wohlfühlort mit leckerem Kuchen und Kaffee entdecken. Oder auch einen Buckelwal.

TassenKuchen

Malplaquetstr. 33, 13347 Berlin

Mi- Fr 9-18 Uhr, Sa/So 10.30 – 18 Uhr, Mo/Di geschlossen

Veranstaltungsraum auf Anfrage buchbar

U Leopoldplatz / U Seestraße

Die Kuchenauswahl

Die Kuchenauswahl

Auf dem Sofa des Nachbarn: die “Pierogarnia”

Wohnzimmeratmosphäre in der Pierogarnia

Wohnzimmeratmosphäre in der Pierogarnia

Der Name “Pierogarnia” klingt für polnische Ohren nicht besonders aufregend – er bezeichnet einfach ein Lokal, in dem man Pierogi (Piroggen) essen kann. Das gibt es in Polen in jeder Kleinstadt. In Berlin, obwohl nur 70 Kilometer von der polnisch-deutschen Grenze entfernt, ist ein solcher Ort jedoch etwas Besonderes. Das fängt schon bei der familiären Atmosphäre an, in der sich das frühere Vereinslokal eines Dart-Clubs seit Mitte 2010 präsentiert. Es hat weniger den Charakter eines mit Bedacht eingerichteten Restaurants oder einer lebhaften Kneipe. Vielmehr ist es schlicht und ergreifend ein großer gemütlicher Wohnraum – oder besser “living room”, denn hier findet das ganze bunte Leben statt. Alles in der “Pierogarnia” ist dabei angenehm unprätentiös. Sogar die einfachen polnischen Speisen, die zu sehr moderaten Preisen angeboten werden.

Das Lokal in der Turiner Straße

Das Lokal in der Turiner Straße

Die Teigtaschen namens “Pierogi” stellen in allen möglichen Varianten den Mittelpunkt der Speisekarte dar, es gibt aber natürlich auch noch Bigos, das polnische Nationalgericht oder die berühmte Rote-Bete-Suppe Barszcz, die man nebenbei “trinkt”. Das sollte einen aber nicht daran hindern, auch das leckere polnische Lech-Bier zu probieren. Die Pierogi werden von Lidia und Marek Kuzlowski noch von Hand zubereitet, weshalb montags auch geschlossen ist,  und mit verschiedensten Füllungen versehen. So gibt es “pierogi ruskie”, die mit Käse gefüllt sind, ebenso wie solche mit Pilzen, Sauerkraut und Fleisch. Die heißen deswegen “ruskie”, also russisch, weil das Rezept aus dem Teil Polens stammt, der jahrhundertelang zum Russischen Reich gehörte.Auf jeden Fall sollte man bei den Kuzlowskis nachfragen, was es mit den Piroggen auf sich hat.

Und wie das in Wohnzimmern manchmal ist, gibt es hier natürlich auch Hausmusik – in der Pierogarnia finden mindestens einmal in der Woche, nämlich donnerstags Live-Auftritte statt. Weil sich die Bühne im hinteren Raum der Pierogarnia befindet, kann man auch während der musikalischen Darbietungen vorne an der Theke oder am Fenster sitzen und unterhalten. Und wer nicht einfach nur so dasitzen will, kann im polnischen Restaurant auch ins drahtlose Internet gehen.

Pierogarnia

Turiner Str. 21

13347 Berlin

Tel. 030 8962 6927

geöffnet Di – Sa 13-ca. 21 Uhr,  Sonntag und Montag geschlossen

http://www.pierogarnia.de (aktuelles Bühnenprogramm) Ein interessantes Interview mit Lidia von der Pierogarnia

Die Turiner Straße liegt im Kiez zwischen Leopoldplatz und Osramhöfen, der sich allmählich mausert. Mehr zu diesem Thema finden Sie hier!

Mercatino, Müllerstr. 118

Das Mercatino fällt in der Müllerstraße aus der Rolle

Das Mercatino fällt in der Müllerstraße aus der Rolle

Besonders an regnerischen Tagen funktioniert es sehr eindrücklich: Denn wenn man aus der Ungemütlichkeit der oberen Müllerstraße in Berlin-Wedding einen Blick in dieses langgezogene Lokal wirft, spürt man, dass hier ein etwas anderer Geist wirkt. Das Mercatino ist eines der wenigen alteingesessenen Geschäfte an dieser Straße, wo sonst ein ständiges Kommen und Gehen den Rhythmus vorgibt. Steht in den meisten gastronomischen Einrichtungen des Kiezes der niedrige Preis im Vordergrund, setzt dieser Feinkostladen vor allem auf Qualität. Oder sollte man besser sagen „Lebensqualität“? Hier gibt es guten Kaffee,  mediterrane Feinkost an einer Theke und italienische Weine. Zusammengehalten wird alles durch den  Proprietario Emanuel Xezonakis, der für seine Kunden immer einige Worte übrig hat. Dass er eigentlich Grieche ist, spielt an dieser Stelle keine Rolle…

Ein paar Tische und Stühle machen den Laden an dieser Verkehrsschneise zu einem Zufluchtsort , an dem man sich auch gerne länger niederlässt.Die blanken Backsteinwände mit den Holzregalen in unterschiedlichen Größen sorgen für ein zeitloses und geschmackvolles Ambiente. Im vorderen Bereich zurMüllerstraße hin gibt es auch Stehtische für den Espresso zwischendurch, während der hintere Ladenteil zu einem längeren Aufenthalt einlädt. Eigentlich handelt es sich beim Mercatino um ein Partyservice-Unternehmen mit angeschlossenem Laden an der Müllerstraße 118. Wenn das warme Licht aus dem Mercatino auf die draußen vorbeieilenden Passanten scheint, interessiert das die Gäste im gemütlichen Weinlokal aber kaum. Sie sind vielleicht einfach nur froh, dass es diesen Ort schon seit so vielen Jahren gibt. Einen Haken hat das “südeuropäische Exil” im Wedding aber doch: das Mercatino hat nur zu den üblichen Ladenöffnungszeiten geöffnet. Nur am Donnerstagabend kann man bis 22 Uhr dort einkehren.

Müllerstr. 118, Tel. 030 452 80 49, geöffnet Mo-Mi, Fr 9-18.30 Uhr, Donnerstag 9-22 Uhr, Samstag 9 – 14.30 Uhr

Rund um den U-Bahnhof Rehberge

Fünf Jahre Kino am Ufer

Im Wedding gibt es nicht nur das Kino Alhambra. Auch ein Spezialkino mit berlinweiter Ausstrahlung hat sich einen festen Platz erkämpft.

Der Cafébereich an der Ecke Uferstraße/Martin-Opitz-Straße

Der Cafébereich an der Ecke Uferstraße/Martin-Opitz-Straße

“Endlich! Das erste spirituelle Kino Berlins. An einem wahrhaft gesegneten Ort. Freude!” schreibt ein Besucher des “Kino und Café am Ufer” ins Gästebuch. Die einstmals schummrige Kneipe mit einem großen Fenster zur Ecke Uferstraße/Martin-Opitz-Straße in Berlin-Wedding erstrahlt in hellen, warmen Farbtönen. In das dem Cafébereich angeschlossene Kino passen etwa 40 Besucher, die das spezialisierte Filmprogramm zu schätzen wissen: “Schweben wollte ich, das tue ich, seit ich das Kino am Ufer betreten habe” – so ein weiterer Eintrag im Gästebuch.”Wir können kein normales Filmkunstkino machen”, erklärt Kraft Wetzel, der das Kino und Café direkt am Panke-Ufer zusammen mit seiner Geschäfts- und Lebenspartnerin Usch Schmitz betreibt. Besonders in diesem Teil des Wedding gebe es ebenso wenig ein bildungsbürgerliches wie ein studentisches Publikum, das groß genug wäre, um ein Alternativkino zu betreiben. “Uns war klar”, so der 57-jährige Diplom-Politologe und frühere Filmjournalist, “dass ein Kino an diesem Ort nur dann eine Chance hat, wenn es etwas Einmaliges in dieser Stadt bietet.”

So stellten sich die beiden Betreiber nicht nur die Frage, ob es genug Filme gibt, um ein solches Spezialkino zu betreiben. Entscheidend war auch, ob es genügend Leute geben würde, die der Filme wegen nach Berlin-Wedding kommen. “Beide Fragen kann man mit ja beantworten”, sagt Wetzel stolz und stellt fest, dass das Kino seit der Eröffnung im Januar 2007 kontinuierlich wächst. Was spirituelles Kino genau ist, mussten Schmitz und Wetzel dafür erst definieren: “Auf keinen Fall esoterisch”, so der gebürtige Württemberger Wetzel, der den Begriff „esoterisch” als ausgrenzend empfindet.

Der Kinoraum eignet sich für verschiedenste Zwecke

Der Kinoraum eignet sich für verschiedenste Zwecke

Zumal es auch die etablierten Religionen und Richtungen, die nie eine Religion werden wollten, zu einem filmischen und ästhetischen Ausdruck gebracht haben, der seinen Platz im breit gefächerten Kinoprogramm findet. Dieses reicht beispielsweise  vom “1. Evangelium des Matthäus” von Pasolini bis hin zu einer Dokumentation des Auftritts von Eugen Drewermann auf dem Evangelischen Kirchentag. Usch Schmitz ist im Kino und Café am Ufer für die Organisation und Gestaltung zuständig. Die 47-Jährige ist Islamwissenschaftlerin und Verlagskauffrau. Sie hat sich ihr Leben lang für Sinnsuche interessiert und schließlich den Buddhismus für sich entdeckt. Vor zwölf Jahren bei einem Panke-Spaziergang hat Usch Schmitz das Haus Uferstraße 12 gesehen und kurz darauf eine Wohnung darin gemietet. “Ich habe nun mal ein Faible für Wasser”, sagt Schmitz, “und dass ich hier meinen Traum am Ufer realisieren könnte, hätte ich noch vor kurzem nicht für möglich gehalten.” Den Laden mieteten sie und ihr Partner kurz entschlossen, nachdem die Hausgemeinschaft den letzten Kneipenbetreiber vertrieben hatte. Waffen- und Autohandel, sogar ein illegales Bordell waren der Hausgemeinschaft schon lange ein Dorn im Auge, als alle wegen eines Wohnungsbrandes im Oktober 2006 für zwei Monate ausziehen mussten. Ein größerer Kontrast als ein spirituelles Kino ist an einem Ort mit dieser Vergangenheit jedenfalls kaum denkbar.

Die beiden Kinobetreiber

Die beiden Kinobetreiber

Kraft Wetzel sieht sich aber nicht nur als Pionier des “spirituellen Kinos”, sondern auch des Spezialkinos überhaupt: “Wir zeigen, dass eine spezielle Ausrichtung auf Low-Budget-Niveau funktionieren kann.”. Damit hat der Filmkenner Wetzel ein kühnes Projekt realisiert. Dies war ihm wichtig, nachdem er zwanzig Jahre lang als Film- und Fernsehjournalist nur das Schaffen Anderer kommentiert hat. “Ich war bloß Begleitgeräusch derer, die etwas machen”, so empfand Wetzel seine damalige Tätigkeit. “Hier im Wedding, wo man es am wenigsten erwartet, kann ich aber die Quadratur des Kreises versuchen.” Immerhin handelt es sich beim Kino und Café am Ufer heute um ein Unternehmen, an dem bis zu zehn Personen mit arbeiten. In den letzten fünf Jahren hat sich auch das Umfeld verändert: mit den Uferhallen als Schmelztiegel der Künste und den Uferstudios als Zentrum für zeitgenössischen Tanz sind weitere Nachbarn mit Strahlkraft auf ganz Berlin hinzugekommen. Die Etablierung des einzigen Kinos und eines ganz besonderen Ortes in Berlin-Wedding dürfte also gelungen sein, wie ein weiterer Eintrag ins Gästebuch zeigt: “Wie immer war es für Herz und Seele eine Bereicherung!”

Fotos: Kino und Café am Ufer

Das aktuelle Kinoprogramm finden Sie unter www.kino-am-ufer.de

Anschrift: Uferstr.12, Berlin-Wedding, U-Bf. Nauener Platz oder U-Bf. Pankstr., S-Bf. Humboldthain oder Wedding

Telefon: (030) 45 34 101

Zwischen Leopoldplatz und Osramhöfen: Städtische Qualität

Neue und alte Nazarethkirche direkt hintereinander

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vom Verkehr umtoste StatueDas namenlose Viertel zwischen dem Leopoldplatz, der Müllerstraße, der Seestraße und der Reinickendorfer Straße besitzt von allen Weddinger Kiezen mit die geschlossenste Bebauung aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Die in ein Gewerbe- und Bürozentrum umfunktionierten Osram-Höfe, einst Europas größte Glühlampenfabrik (erbaut 1904-1910), schließen das Viertel nach Norden hin ab.

Die Mischung macht’s zwischen Leo und Seestraße

In den ruhigeren Seitenstraßen ebbt der Verkehrslärm langsam ab. Originell ist die Malplaquetstraße, an der die unterschiedlich ausgerichteten Querstraßen in einem anderen Winkel abknicken und dreieckige Plätze ausbilden. Interessant ist auch die Liebenwalder Straße mit dem ältesten Haus im Kiez aus dem Jahr 1875 (Hausnummer 2-3), das auch über Wirtschaftsgebäude verfügt.

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Das Karl-Schrader-Haus in der Malplaquetstraße

Das Karl-Schrader-Haus in der Malplaquetstraße

Das Viertel im Schatten des fast 80 Meter hohen Turms der Neuen Nazarethkirche (1891-93 von Max Spitta errichtet) entwickelt sich langsam zu einem dynamischen Kiez mit Cafés, Restaurants und Geschäften für den nicht alltäglichen Bedarf. Gleichwohl gibt es immer noch viele türkische Kulturvereine und ganz normale Geschäfte. An einem verkehrsberuhigten dreieckigen Platz mit einer historischen Wasserpumpe, im Eckhaus der genossenschaftlichen Wohnanlage “Karl-Schrader-Haus” (1904-06), befindet sich mit dem Schrader’s ein gastronomischer Pionier im Wedding: ein ambitioniertes Café-Restaurant, das auch viele Stammgäste aus anderen Stadtteilen anzieht. Aber auch im weiteren Verlauf der Malplaquetstraße oder der Nazarethkirchstraße am Leopoldplatz ballen sich neuerdings Tagescafés, Restaurants und originelle Läden.

Typisch für das dicht besiedelte Viertel ist die funktionierende Mischung – großstädtisch, (noch) nicht überdreht, multikulti und trotzdem an manchen Stellen fast schon dörflich. Vielen Kiezen in Berlin ist diese Zusammenstellung, wenn sie sie denn je hatten, irgendwann in den letzten Jahren verlorengegangen. Nicht so in den Straßenzügen zwischen Osram-Höfen und Leopoldplatz, wo es jede Menge Altbauwohnungen gibt, die meisten noch einigermaßen bezahlbar.

Kein Mangel an Kultur, nur an Grün

Vor der Erika-Mann-Schule

Vor der Erika-Mann-Schule

Kulturell ist der Kiez ebenfalls im Aufwind. Die Lesebühne Brauseboys und der Kulturverein Mastul e.V. müssen in diesem Zusammenhang erwähnt werden. Sogar die Grundschule im Kiez, die Erika-Mann-Schule, geht ihre Lage mitten im sozial schwierigen Umfeld mit einem innovativen Schulkonzept und einer von Designern gestalteten Inneneinrichtung offensiv an. Zahlreiche kleine Galerien kommen und gehen in den vielen Ladengeschäften, die ein solches Altbauviertel nun mal zuhauf besitzt.

Nur an Grün mangelt es dem sehr großstädtischen Gebiet. Der nahe gelegene Schillerpark bietet sich an, aber dafür muss die verkehrsreiche breite Seestraße überwunden werden. Im Süden bietet der langgestreckte Leopoldplatz eine Alternative, doch durch die vielfältigen Nutzungen der Freifläche bleibt dort wenig Raum für Grünes. Dafür gibt es neue Spielplätze, Promenaden und die zwei Nazarethkirchen, von denen die neuere Kirche mit ihrem hohen Turm den Platz beherrscht. In den letzten Jahren ist dieser Stadtraum durch eine Ballung von gesellschaftlichen Randgruppen in Verruf geraten, doch ein Platzmanagement hat zu ersten Erfolgen geführt. Wenn man sich wieder gerne auf dem wichtigsten Platz des Wedding aufhalten mag, werden hoffentlich auch die angrenzenden Quartiere profitieren.

Und wen es woanders hinzieht – keine andere Stelle im Wedding bietet so gute Verkehrsanbindungen mit der BVG. Die Kreuzung zweier U-Bahn-Linien am Leopoldplatz, die Straßenbahn Richtung Prenzlauer Berg und viele Buslinien machen’s möglich. Aber eigentlich gibt es in diesem Viertel fast alles, was zum Leben in der Großstadt gehört.

Die Amsterdamer Straße

Die Amsterdamer Straße