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“aroshi” – Kleidung mit Hintergrund
Grün und blau, auf türkisch yeşil ve mavi,darauf lässt sich für manche der Wedding reduzieren. Für diese Menschen verkauft Anke Rommel T-Shirts mit Motiven, die sich erst auf den zweiten Blick dechiffrieren lassen. Dazu gehört auch ein Plan der Grün- und Wasserflächen des Wedding, eben der ganze Stadtteil in erstaunlich viel grün und blau. „Für meine Kleidungsstücke gibt es keine eindeutige Zielgruppe“, sagt die 47-jährige Geschäftsführerin des Labels „Aroshi“. Am ehesten fühlten sich Menschen davon angesprochen, die reduziertes Design und einfache Linien mögen, erklärt Anke Rommel. Menschen, die “architektur-affin” und “berlin-affin” sind wie sie. Schließlich ist Anke Rommel selbst Architektin und Innenarchitektin.
Zusammenhänge, Strukturen und klare Linien
Auf die Idee kam Anke Rommel, nachdem sie 2007 in den Sprengelkiez gezogen ist. Bei einem Besuch des PrimeTime-Theaters sah sie einen Zuschauer im SO36-Shirt und fragte sich: warum soll so etwas nicht auch im Wedding funktionieren? Als sie eine berufliche Auszeit nehmen musste, packte sie die Gelegenheit beim Schopf und gründete im Jahr 2010 „aroshi“.
„Ich gehe gerne durch die Straßen, sehe die Strukturen und Zusammenhänge und arbeite diesen Aspekt heraus“, sagt die gebürtige Düsseldorferin. So konnte sie die neue Idee des Textildesigns mit ihrem bisherigen Beruf optimal verbinden. Für Architekturfans gibt es Motive der Beuth-Hochschule, aber natürlich auch die Alte Nazarethkirche am Leopoldplatz. „Ich sehe Dinge, die andere nicht sehen“, erzählt Anke Rommel. Das Blätterdach der Bäume am „Leo“ wird durch grüne geschwungene Linien angedeutet, und die für die meisten Passanten kaum wahrnehmbare Skulptur des Betenden Jungen am Rand des Platzes wird mit dem gleichen Rot-Ton wie die Schinkelkirche hervorgehoben. Menschen, Autos oder Marktstände haben auf diesen, auf die architektonischen Grundformen reduzierten Motiven nichts verloren.
Die T-Shirts werden auf Märkten und Stadtfesten, vor allem aber im Online-Shop verkauft. Anke Rommel versucht auch Weiterverkäufer zu gewinnen; ein Geschäft am Gendarmenmarkt, spezialisiert auf Produkte Berliner Designer, verkauft bereits ihre Kleidungsstücke. Diese tragen inzwischen auch Motive aus Mitte. Die Rohware ist als „Fair Wear“ und „Öko-Tex Standard 100“ zertifiziert. In Oberschöneweide werden die Kleider konfektioniert und mit den Mitte-/Wedding-Motiven bedruckt, während die gewobenen Etiketten aus Reinickendorf kommen. Die Motive und ihre Bedeutungen werden in deutsch, englisch und türkisch vermarktet – so können sich alle Weddinger angesprochen fühlen. Extra für Weddinger mit türkischen Wurzeln gibt es den Almancı (“Deutschländer”)-Schriftzug auf dem Weddinger Stadtteilumriss.
Individuelle Motive für Berlin-Fans
Mit Anke Rommels T-Shirts und Kapuzenjacken kann der Berlin-Fan zum Ausdruck bringen, dass er die Stadt mag. „Und das, ohne gleich ein Brandenburger Tor-Motiv durch die Gegend tragen zu müssen“, sagt die Geschäftsfrau lachend. Sie mag eben die Stadt in ihrer ganzen Vielfalt, den Wedding und besonders den Sprengelkiez – nur eines vermisst Anke Rommel: den Rhein. Den kann ihr der Wedding beim besten Willen nicht bieten.
Noch bis 31. März 2012 nutzt “aroshi” gemeinsam mit “surface design atelier M. Urbach” das Ladenlokal Kameruner Str. 47 / Ecke Togostraße im Afrikanischen Viertel in Berlin-Wedding.
Gut für den Senat, schlecht für den Standort Wedding
Der Senat hat entschieden. Und es sprechen sicher gute Gründe dafür, das Jobcenter in das demnächst leerstehende Hochhaus am Rathaus Wedding einziehen zu lassen, wie an dieser Stelle bereits berichtet. Die vom Bund finanzierte Agentur für Arbeit kann es sich – ganz im Gegensatz zum zweiten Interessenten, der landeseigenen Beuth-Hochschule, – leisten, eine Beteiligung von vier Millionen Euro an den Sanierungskosten für den maroden Turm beizusteuern. Doch für den Stadtraum rund um das Rathaus ist es eine fatale Entscheidung, meinen nicht nur die Bezirkspolitiker. Die das Sanierungsgebiet Müllerstraße betreuende Stadtplanerin Susanne Jahn nennt es klipp und klar ein falsches Signal. Immerhin bemühen sich viele Beteiligte seit Jahren um eine Belebung des Gebiets rund um den Leopoldplatz. Auch Mitglieder der Stadtteilvertretung Müllerstraße fühlen sich durch diese Entscheidung in ihren bisherigen Bemühungen zur Stärkung des Ortsteils übergangen: „Die angestoßene Entwicklung der Müllerstraße kann nachhaltig geschädigt werden“, schreibt ein Mitglied in einem Flugblatt, das bei einer öffentlichen Sitzung verteilt wurde.
Es geht aber nicht nur darum, dass das Straßenbild anders aussieht, wenn statt Studenten eher die Kunden des Jobcenters den Rathausvorplatz bevölkern. Für die mit akuter Raumnot kämpfende Beuth-Hochschule steht jetzt nämlich der ganze Traditionsstandort im Wedding in Frage. Ohne Erweiterungsperspektive muss sie sich wohl auf einen Komplettumzug einstellen. Dafür böte sich an, den ab Juni leerstehenden Flughafen Tegel in die engere Wahl zu ziehen, quasi als Kompensation für den Bedeutungsverlust des Bezirks Reinickendorf.
Es wird auf diese Art zwar keinen dauerhaften Leerstand des Rathaus-Hochhauses geben. Die Idee eines Bildungsbandes, das sich die Planer für das Aktive Zentrum Müllerstraße an dieser Stelle erdacht haben, ist aber nun in mehrfacher Hinsicht in Gefahr.
Brüsseler Kiez: raue Schale, gemütlicher Kern
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Das nach belgischen Städten benannte Viertel besitzt eine schöne Altbausubstanz aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg und aus der Zwischenkriegszeit. Leider wirkt es an manchen Stellen etwas vernachlässigt. Eine Bürgerinitiative kümmert sich darum, den Kiez wieder nach vorne zu bringen und aus dem Schatten der benachbarten Viertel zu holen. Denn das Potenzial ist enorm: mit der Beuth-Hochschule, einem Wochenmarkt und einer schönen Bausubstanz hat der Brüsseler Kiez gute Chancen, ein äußerst attraktives Wohngebiet in zentraler Lage zu werden. Wichtige wissenschaftliche und kulturelle Einrichtungen gehören aber auch zum Brüsseler Kiez: dort oder in unmittelbarer Nähe befinden sich nämlich das Deutsche Institut für Zuckerforschung mit dem Zucker-Museum, das 1923 gegründete Anti-Kriegs-Museum, die Krankenhausstadt Campus Charité Virchow-Klinikum, das Robert-Koch-Institut und das Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie.
Klar abgegrenztes Viertel mit Beuth-Hochschule
Vergleichsweise spät ist dieses Viertel bebaut worden. Eine erste Bauphase war die Zeit um das Jahr 1900, als die typischen Mietskasernen rund um die Brüsseler Straße hochgezogen worden. Die Kapernaumkirche, die ursprünglich an einem kleinen Platz stehen sollte, ist heute in die Ecke Antwerpener Straße des Boulevards Seestraße integriert. Mit ihrer Formensprache knüpft die 1902 fertiggestellte Kirche an romanische Sakralbauten im Rheinland an. Die Seestraße selbst ist Teil der Berliner Ringstraßen, die von Peter Joseph Lenné 1841 geplant wurden. Mit ihrem breiten Mittelstreifen, in dem auch die einzige im Westteil Berlins verkehrende Straßenbahnstrecke verläuft, ist sie eine der verkehrsreichsten und breitesten Straßen im Norden der Stadt. Der Abschnitt der Seestraße, der an den Brüsseler Kiez grenzt, erhält durch die geschlossene Bebauung aus der Kaiserzeit einen besonders großstädtischen Charakter.
In einer zweiten Bauphase wurde das Gebiet rund um den Zeppelinplatz bebaut. Mit dem heutigen Haus Beuth, 1909 von Ludwig Hoffmann erbaut, steht ein beeindruckendes Schulgebäude für den ältesten Teil der Technischen Fachhochschule, heute Beuth-Hochschule. Rund um dieseneinen ganzen Block einnehmenden Gebäudekomplex sind in den 1920er Jahren zahlreiche Anlagen des sozialen Wohnungsbaus entstanden. Eine Wohnanlage der gleichen Wohnungsbaugesellschaft besteht aus vier sehr unterschiedlich gestalteten Blöcken. Dort lebt es sich, trotz der unmittelbaren Nähe einer Fachhochschule und umrahmt von wichtigen Hauptverkehrsstraßen, überraschend ruhig und grün.
Jobcenter rein, Bürgeramt raus: Neues vom Rathaus Wedding
Des einen Freud, des anderen Leid: während nun feststeht, dass nicht die Beuth-Hochschule, sondern das Jobcenter Berlin-Mitte bis 2014 in den Hochhausturm des Rathauses Wedding an der Müllerstraße ziehen wird, muss das Bürgeramt im Erdgeschoss des Hochhauses seinen Platz räumen. Dies hat die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) beschlossen, wie das Berliner Abendblatt in seiner Ausgabe vom 24.12.2011 meldet. Das Bürgeramt wird dann noch im Jahr 2012 im Gebäude des Finanzamts Wedding direkt am U-Bahnhof Osloer Straße untergebracht.
Das Rathausgebäude muss saniert werden, wobei sich das Jobcenter an den Kosten beteiligt. Dafür wird der zentrale Standort an der Moabiter Sickingenstraße aufgegeben. Der Anteil des Bezirks Mitte an den Baukosten beträgt etwa 600.000 Euro, die vom Senat refinanziert werden. „Für den Bezirk entstehen also keine Kosten“, erklärte der für die bezirklichen Immobilien zuständige Stadtrat Ulrich Davids gegenüber dem Abendblatt.
Gute Nachrichten also für Alg II-Bezieher im Wedding. Wie die veränderten Besucherströme die Müllerstraße verändern, ist wohl noch nicht absehbar – und was aus der Beuth-Hochschule wird, auch nicht.
Sprengelkiez: schöner wohnen am Kanal
In einem Ufercafé sitzen oder in einer Hausbrauerei?
Das dicht bebaute Wohnviertel rund um die Sprengel- und die Tegeler Straße verfügt neben einer weitgehend intakten Altbausubstanz aus der Gründerzeit über eine richtige Wasserlage. Im Südwesten des Kiezes verläuft nämlich der Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal. Die ausgebaute Uferpromenade mit ihren repräsentativen Wohnhäusern aus der Zeit um 1900 lädt zu Spaziergängen und zu Cafébesuchen ein. Wie an keiner anderen Stelle im Wedding reihen sich hier gastronomische Betriebe aneinander. Ebenfalls im Sprengelkiez besteht seit ein paar Jahren die einzige Weddinger Hausbrauerei Eschenbräu, wo es im Sommer auch einen kleinen Biergarten im Hinterhof gibt. In den letzten Jahren wurde durch das hiesige Quartiersmanagement viel in die vorhandenen Spielplätze investiert.
Neben dem Sparrplatz und dem Pekinger Platz (am Kanal) ist hier vor allem der Sprengelpark zu nennen. Auf dem 10 000 qm großen ehemaligen Industrieareal zwischen der Kiautschoustraße und der Sprengelstraße haben Landschaftsplaner einen urbanen Sport- und Spielpark mit viel Grün geschaffen.
Im Sprengelkiez und in seiner unmittelbaren Umgebung befinden sich wichtige öffentliche Einrichtungen, deren Bedeutung über den Wedding hinausreicht. Zu nennen ist hier vor allem das Robert-Koch-Institut am Nordufer. Das 1891 gegründete Institut ist die zentrale Überwachungs- und Forschungseinrichtung der Bundesrepublik für Infektionskrankheiten. Es befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rudolf-Virchow-Krankenhaus (heute: Charité Campus Virchow). Die zentrale Berliner Ausländerbehörde befindet sich ebenfalls am Kanalufer, jedoch auf der gegenüberliegenden Seite. Beschäftigte und Studierende der nahe gelegenen Beuth-Hochschuledrücken dem Sprengelkiez ihren Stempel auf. Daher findet man in diesem Kiez eher studentisches Leben und die passende Infrastruktur als in anderen Vierteln im Wedding.
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Sehenswertes am Nordufer und im Kiez
Da das Industriegelände an der Sprengelstraße erst am Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde, konnte sich der westliche Teil des Kiezes am Nordufer erst um 1900 herum entwickeln. Die repräsentative Wohnanlage zwischen Fehmarner Straße, Nordufer und Buchstraße ist ein besonders gelungenes Beispiel für genossenschaftlichen Reformwohnungsbau. Vor allem die Eckbauten, davon eines sogar mit einem Doppelgiebel, prägen das Kanalufer an diesem Abschnitt. Auch das Eckhaus Torfstraße/Kiautschoustraße ist ein großbürgerlicher Prachtbau, wie es ihn selten im Wedding gibt. Die Osterkirche liegt an der Samoastraße / Sprengelstraße und damit exakt in der Mitte des Sprengelkiezes. Die wuchtige Backsteinkirche ist in die Ecke eines Blocks gebaut und vereint Kirchenschiff, Turm und Pfarrhaus in einem einzigen Gebäude. Das gewölbelose Kircheninnere ist mit prachtvollen Malereien versehen.
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Roter Wedding, schlechter Wedding
In Richtung Müllerstraße ist der Kiez von sozialen Problemen geprägt, was auch der Grund für die Einrichtung des Quartiersmanagements Sparrplatz war. Dabei ist genau in dieser Lage mit dem Prime-Time-Theater an der Burgsdorfstraße/Müllerstraße ein kultureller Anziehungspunkt von berlinweiter Relevanz entstanden: dort gibt es eine fortlaufende Seifenoper auf der Bühne namens “Gutes Wedding, schlechtes Wedding”. Doch anders als bei dem vermeintlichen TV-Vorbild gibt es bei diesem Theaterspaß mit Weddinger Originalen echtes Gelächter eines glänzend unterhaltenen Publikums. Direkt nebenan liegt die Berliner SPD-Zentrale (Kurt-Schumacher-Haus) – traditionell eng mit dem “roten Wedding” verbunden.
















