Der Wedding im Überblick

Was man über den Wedding wissen sollte

Wer schon länger hier wohnt, weiß: Seit Jahren hält sich die Prophezeiung, dass der Wedding eines Tages “in” wird. Doch der Stadtteil entwickelt sich nur langsam. Prenzlauer Berg und Neukölln sind in der Zwischenzeit zu Trendvierteln geworden. Doch auch der Wedding ist für Neu- und Alt-Berliner reizvoll.Der Wedding ist der einzige Ortsteil in Berlin, der einen Artikel zu seinem Namen besitzt. Der Grund ist Folgender: Als sich die ersten Siedler im Gebiet des heutigen Wedding niederließen, hat der Adelige Rudolph de Weddinghe hier im 13. Jahrhundert einen Gutshof errichten lassen. Diesen bezeichneten die Leute mit „auf dem Wedding“ oder „am Wedding“. Von 1920 – 2001 hieß der ganze Bezirk so. Statt den früheren Bezeichnungen ist heute „im Wedding“ und „der Wedding“ gebräuchlich. Offiziell ist “der Wedding” seit 2001 in die Ortsteile Wedding (eigentlich nur die westliche Hälfte des früheren Bezirks) und Gesundbrunnen (östliche Hälfte) eingeteilt, was sich im tatsächlichen Sprachgebrauch aber nur zögerlich durchsetzt.

Arbeiterviertel mit Traditionen

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Wedding durch die anhaltende Landflucht und Großbetriebe wie Osram, Rotaprint und AEG zu einem dicht bebauten Arbeiterbezirk. Viele Familien wohnten in Mietskasernen und führten ein Leben, das von Armut und Ausbeutung durch die Industrie geprägt war. Nachdem die kommunistische Partei KPD im Mai 1929 zum Streik aufrief, kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten. Seit dem hat der Stadtteil den Beinamen „Roter Wedding“. Noch heute erinnert ein Gedenkstein an der Kreuzung von Wiesenstraße und Pankeweg an die damals verletzten und getöteten Arbeiter.

Heute ist von dieser Zeit nicht mehr viel übrig. Die Werke von AEG, Osram und vielen weiteren Betrieben mussten schließen. Nur die urigen Eckkneipen des Arbeiterbezirks wie „Zum Magendoktor“ in der Reinickendorfer Straße 111 oder „Zur Trümmerlotte“ in der Wiesenstraße 18 erinnern an diese Zeit. Heute besuchen die Ur-Berliner und Studenten diese nicht nur wegen des Flairs, sondern vor allem wegen der günstigen Getränkepreise.

Der Wedding in Zahlen

Durch den Bau der Berliner Mauer rückte der Bezirk, der im französischen Sektor der Stadt lag, in eine städtische Randlage. Damals zogen zahlreiche Gastarbeiter zu, von denen noch heute viele hier leben. Auch Studenten und Kriegsflüchtlinge aus anderen Ländern haben im Wedding ihr neues Zuhause gefunden.

Auch der Verein „Menschen helfen Menschen in und um Berlin“ (MHM) hat sein Vereinsheim im Wedding. Vor zehn Jahren halfen die Gründer Horst und Sabine Schmiele rund 250 Haushalten, die unter der Armutsgrenze lebten. Heute sind es mehr als 5.000 Berliner Familien, die der Verein mit frischem Obst, Gemüse, Brot, Kleidung, Möbeln und Schulutensilien unterstützt. Seit Mai 2014 suchen die Schmieles mit Hilfe der Initiative Verändere deine Stadt nach weiteren Lagerräumen im Wedding, um ihren Verein weiter auszubauen.

Eckdaten

Die Fläche des 2001 aufgelösten “Bezirks Wedding” betrug 15,4 km², die heutigen Ortsteile im Bezirk Berlin-Mitte sind 9,23 km²  (Ortsteil Wedding) und  6,13 km² (Ortsteil Gesundbrunnen) groß

Der “Bezirk Wedding” hatte zuletzt 158.000 Einwohner (2000),  im heutigen Bezirk Berlin-Mitte haben die Ortsteile “Wedding” 82.000 (2014) und “Gesundbrunnen” 89.000 Einwohner (2014).
 
Die Bevölkerungsdichte ist mit 8.925 Einwohner pro Quadratkilometer im mit vielen Grünflächen versorgten Ortsteil Wedding geringer als im Ortsteil Gesundbrunnen, wo 14.538 Einwohner pro Quadratkilometer leben.
 
Der Anteil der ausländischen Bevölkerung im Ortsteil Wedding liegt bei 30 %.  Der Anteil der ausländischen Bevölkerung im Ortsteil Gesundbrunnen ist mit 34,5 % sogar der höchste aller Ortsteile in ganz Berlin.

Kreatives im Wedding

Zu einem richtigen Trendviertel gehört Kreativität. Prenzlauer Berg und Neukölln machen es vor und der Wedding zieht nach. Er ist ein attraktiver Stadtteil für alternative Lebensformen jenseits des Mainstreams. In den vielen leerstehenden Hallen und Läden realisieren junge Kreative Kunst- und Geschäftsprojekte. Besonders positiv sind die günstigen Lebenshaltungskosten und Mietpreise. Neu-Weddinger sehen durch ihre Aktivitäten die Chance, das Image des Viertels mit kulturellen und künstlerischen Projekten in eine positive Richtung zu lenken.

Viele eindrucksvolle Projekte hielten bereits Einzug in den Stadtteil. Dazu gehört beispielsweise die Zeitschrift „Der Wedding“, die sich mit Klischees, Ereignissen und Milieugeschichten, gespickt mit einer Prise (Selbst-)Ironie, beschäftigt. Ein weiteres außergewöhnliches Beispiel ist der Club Stattbad. In diesem ehemaligen Schwimmbad können Künstler und Designer ihre Werke präsentieren. An den Wochenenden organisieren die Besitzer Partyabende. Daneben gibt es noch viele Kunst- und Kulturmessen, sowie Kultureinrichtungen. In Wedding und Gesundbrunnen etablierten sich viele Kulturzentren und Initiativen für unterschiedliche Nationalitäten, wie beispielsweise die Uferhallen. Diese dienen als Ausstellungs- und Begegnungsstätte für bildende Künstler, Musiker, Tanzaufführungen und Ausstellungen. In der ehemaligen Druckmaschinenfabrik haben sich im Projekt ExRotaprint neben Kreativen auch Gewerbetreibende zusammengetan.

Wohnungsbaugesellschaften wie die Degewo fördern den Zuzug junger Designer und die Entstehung von Co-Working-Spaces für junge Unternehmer. Sie werben im Brunnenviertel mit günstigen Mieten, großen Räumen und guter Verkehrsanbindung. Nicht nur dort, sondern auch in anderen Vierteln wollen die Gesellschaften zur ganzheitlichen Entwicklung des Kiezes beitragen. Dies lockt weitere Investoren an. Viele Wohnungen werden saniert, weswegen die bisherigen Bewohner ausziehen müssen. Nach den Sanierungsarbeiten verlangen die Investoren deutlich höhere Mieten. Das Phänomen nennt sich Gentrifizierung und ist aus anderen Stadtteilen wohlbekannt. Dazu kommt die Wohnungsknappheit, die den Preisdruck auf alle Innenstadtbezirke von Berlin erhöht.

Licht und Schatten der Entwicklung

Die Entwicklung im Wedding hat Vor- und Nachteile. Zwar sprechen einzelne Projekte dafür, dass sich der Weg Richtung Szeneviertel, steigende Preise und Gentrifizierung entwickelt. Doch der maßvolle Einzug von Kreativität, Kunst und sozialem Engagement ist auch eine Bereicherung für den Stadtteil. Ralf Wieland, Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, sagte beispielsweise, dass die Situation, als der Prenzlauer Berg in den 1990er Jahren zum Szeneviertel wurde, eine ganz andere war. Damals gab es eine regelrechte Wachstumseuphorie. Heute stehe eine realistische Betrachtungsweise im Vordergrund und die Verantwortlichen hätten die Entwicklung in den Bezirken im Blick.

Autorin: Katharina Richterstetter

Der Wedding in Zitaten

Wer oder was ist der Wedding? Wir tun uns schwer damit, unseren Wohnort und das typische Lebensgefühl in den vielen unterschiedlichen Kiezen in nur einem Beitrag zu beschreiben. Also lassen wir doch einfach viele andere Stimmen reden…

Detail der Friedrich-Ebert-Siedlung“An die Stelle der Fülle, des Reichtums, des Unternehmergeistes treten die Bilder jener prosaischen Dürftigkeit, wie sie dem märkischen Sande ursprünglich eigen sind.” (Theodor Fontane über den Wedding)

“Im Laufe der Jahre hat sich auch der Wedding verändert, er ist jetzt nicht mehr ganz so rau und trostlos, aber schick ist er auch nicht geworden. – Dieses raue, trostlose, stolze Viertel, dessen Bewohner nur noch das Trostlose sahen und den Stolz irgendwie vergessen hatten.”

(Quelle: Maxim Leo, Berliner Zeitung, 10.02.2014)

...hier für eine Aktion platziert

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“Der Wedding teilt die Gemüter: Die einen schwärmen von der offenen und freundlichen Art der Anwohner, der günstigen Wohnlage und den vielfältigen Möglichkeiten. Die anderen sehen im Wedding ein Arbeiterviertel, dessen negative Seiten dominieren. Fest steht, Wedding ist ein zentraler Berliner Stadtteil mit guten Anbindungen an die östlichen und westlichen Stadtteile.”

(Quelle: Nora Wohlert, Immobilienscout 24, über den Wedding)

Luxemburger Straße“Nachhaltig wie kein anderer verweigert sich der Wedding dem Trend zum Edler, Schicker, Hipper, Teurer, der Mitte seit Jahren beherrscht. Der Wedding hatte dafür nie Verständnis. Er trägt keine Edeltaschen aus LKW-Plane.”

(Quelle: Jürgen Neumeyer, Daniel Friedrich Sturm, “Berliner Republik”)

In der Togostraße“Die Arbeiter wohnen in einem finsteren Loch , in der Ackerstraße (im tiefsten Wedding) ist Geburt Fluch; warum sind diese Kinder gerade auch aus diesem gekommen. Ein paar Löcher weiter, und das Assessorexamen wäre ihnen sicher gewesen.”  (Kurt Tucholsky)

“Vieles ist im Wedding noch in seiner Ursprünglichkeit vorhanden.
Erhalten wir ein Stück Ur-Berlin. Lassen wir es nicht im Bau- und Sanierungswahn untergehen! Dass alle, die im Wedding schon seit Jahrzehnten wohnen, hier bleiben können. Und dass die “Neuen” sich wohlfühlen.”

(Quelle: Michael Rost, Wedding Immobilien)

Die Torfstraße“Von den einstigen Arbeiterbezirken wie Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg, die sich im 19. Jahrhundert rund um Mitte gebildet haben, hat sich Wedding noch am ehesten seinen ursprünglichen Charakter bewahrt. Wer der Berliner Volksseele, der “Schnauze mit Herz” nachspüren möchte, ist hier ebenso richtig wie der Gast, der zentral wohnen möchte.”

(Quelle: http://www.barfusstrasse.de)

Typische Altbauten, Foto: D_Kori

Foto: D_Kori

“I was quite taken by this corner of the city that has a pretty poor reputation in the city and yet has not only a fascinating history, but is also home to a number of really interesting grassroots cultural, artistic and community projects that reflect the diversity and also the “neighbourhood pride” in an area where the population is mixed between those with long-established roots here and those of us who are in the 35% who were born in another country – the highest percentage of foreign-born residents anywhere in Berlin.”

(Quelle: Paul Scraton, underagreysky.com)

Gerichtstr Briefkasten“Der Wedding ist ein Ortsteil, der zur Stellungnahme provoziert: entweder man liebt oder meidet ihn, denn er ist ein Stadtteil, der besonders scharfe Kontraste zwischen den Vor- und Nachteilen aufweist. Wer hier wohnen möchte, sollte sich besser umfassend informieren, um das Positive genießen und das Negative meiden zu können.”

(Quelle: Nora Wohlert, immoscout)

 

 

3 Kommentare

  1. alexa schulz

    Ich mag den Wedding,weil man hier keine
    Aufgesetztheit erlebt. Deshalb hoffe ich sehr,dass nicht doch irgendwann der chic regiert. Leute die dem Hype hinterherziehen,zerstören oft das,was sie anzieht. Die gute Mischung macht’s doch.
    Wie bei Allem im Leben

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