Kategorie: was es alles gibt
Vegan oder nicht – kein Problem an der Müllerstraße
Auf die Qualität kommt es an: nicht nur überzeugte Veganer werden im Imbiss “Falafel Dream 2010″ neben der Agentur für Arbeit zufriedene Gesichter machen. Auch wer sich für Fleischwaren interessiert, findet an der Müllerstraße eine Handwerksfleischerei mit Qualitätsbewusstsein.
Veganer Falafel-Imbiss bereichert das Angebot im Wedding
“Ich konzentriere mich in meinem Geschäft auf eine Sache, und das ist Falafel!” Der 33-jährige Wael Thib tüftelt seit Jahren an der richtigen Zusammensetzung dieser arabischen Spezialität aus Kichererbsenmus. Sein Rezept mit der geheimen Mischung der Gewürze verrät er zwar nicht, aber dennoch kann man nicht nur hervorragende Gerichte an seinem Imbisswagen verzehren. Der arabische Falafel-Spezialist bietet auch Falafel-Seminare im benachbarten Saal der Baptistengemeinde an. “Bei diesen Seminaren lernen sich viele Neu-Weddinger kennen”, erzählt der ideenreiche Gastronom: “Gemeinsam formt man die Bällchen, frittiert sie und sitzt insgesamt drei bis vier Stunden zusammen und unterhält sich.” Es gibt auch einige wenige Fleischgerichte in Halal-Qualität bei Wael Thib, aber Falafel steht in jeder Hinsicht im Mittelpunkt. “Ich lege Wert auf vegane Zutaten in höchster Qualität”, beschreibt der studierte Hotel-Betriebswirt bei einem Glas mit heißen Zimt-Tee sein Konzept. Er hat den Markt genau analysiert und beobachtet, dass im Moment viele Veganer aus Friedrichshain in den Wedding ziehen. Wael Thib glaubt trotzdem daran, dass seine Idee nicht nur an diesem Standort, sondern auch woanders funktioniert und denkt daher schon an Expansion. Im Gegensatz zu einem festen Restaurant mit hoher Miete kann der Imbissbetreiber problemlos den Standplatz wechseln: “Ich biete in Berlin und dem Umland auch mobiles Catering an. Aus dem Imbisswagen heraus bereite ich vor Ort für Hochzeiten, Betriebsfeiern oder Geburtstage arabische Spezialitäten zu”, erzählt der Weddinger, der selbst am Nauener Platz wohnt.
Ideen hat Wael Thib noch viele – die ziemlich schräge “Falafel-Flat”, mit zahllosen Rabatten für benachbarte Geschäfte, gibt es schon heute. Aber die immer verbesserte Rezeptur und Zubereitung sind und bleiben das zentrale Element des findigen Geschäftsmanns: für einen veganen Falafel, der 350 Kalorien zählt und unglaublich gut schmeckt. Ein vollwertiger Fleischersatz, auch für Fleischesser. Wer der Meinung ist, jeder Falafel sei doch im Grunde vegan, wird hier eines Besseren belehrt – die Sesamsoße wird nämlich bei Wael Thib, im Gegensatz zu vielen Falafelanbietern, nicht mit Joghurt gestreckt….
Falafel Dream 2010, Müllerstr. 14a, Tel. 0177 2501585, Mo-Do 11.30-22 Uhr,Fr 15-23 Uhr, Sa 13-22 Uhr, So 15-21 Uhr
Website mit Seminarangeboten, Speisekarte und Cateringservice
Neuland-Fleischerei an traditionsreichem Standort im Wedding
Doch wer nicht gerade überzeugter Veganer oder Vegetarier ist, dennoch Wert auf Qualität bei Fleisch oder Wurst legt, wird ein paar hundert Meter müllerstraßenaufwärts ebenfalls fündig. In der Hausnummer 156, gegenüber von Karstadt, befindet sich seit 1906 eine Fleischerei. Früher gab es solche Geschäfte ja noch an allen Einkaufsstraßen, aber heute haben sie Seltenheitswert. Doch nicht allein dadurch setzt sich die Fleischerei Bünger von der Supermarkt-Konkurrenz ab. Die Ware wird in “Neuland-Qualität” verarbeitet und im Laden oder gleich nebenan auch in einem Imbiss verkauft. “Neuland” ist übrigens seit 1988 ein Qualitätssiegel, das zwar nicht für “bio”, aber für erhöhte Standards in der artgerechten Tierhaltung steht. Das kostet deutlich mehr – dadurch konsumiert man Fleisch aber sicher bewusster. Und freundlicher bedient als am Tiefkühlregal beim Discounter wird man auf jeden Fall auch noch…
Neuland-Fleischerei Uwe Bünger, Müllerstr. 156, Mo-Fr 7-19 Uhr, Sa 8-15 Uhr
Freilichtbühne Rehberge: Nur Kino hat Saison
„Angezündete Müllcontainer, herausgerissene Kabel, Glasscherben und verrottete Requisiten. Zwischen den Sitzbänken sind schon kleine Birken- und Kiefernbäume gewachsen. Unkraut schießt in die Höhe. Zwei große Graffitibilder sind auf die Bühnenwände gesprüht. Die Tür des kleinen Holzhäuschens am oberen Bühnenrand ist aufgebrochen. Kerzenstümpfe, leere Flaschen, ein Paar Schuhe und eine Decke liegen auf dem Boden – für Privatpartys mit Lagerfeuer und als Notunterkunft für Obdachlose taugt die Freilichtbühne allemal.“ So schrieb die Berliner Zeitung am 9.3.2001 über den verlassenen Ort in den Rehbergen. Wer die zauberhafte Freilichtbühne kennt, die sich seit 1935 sanft in die Sanddünen im nördlichen Teil des Volkspark schmiegt und es an Charme fast mit der Waldbühne aufnehmen kann, wird feststellen, dass es dort heute gänzlich anders aussieht.
Theateraufführungen, Diskos und Konzerte finden jedoch heute auch noch nicht wieder statt. 1946 wurde den Berlinern noch “Was ihr wollt” von William Shakespeare geboten. Und 1980 führte eine Theatergruppe einen Monat lang “Die lustigen Weiber von Windsor” auf. Nina Hagen trat in den achtziger Jahren ebenfalls auf dieser Bühne auf. Der bauliche Zustand der Bühne ließ indes immer weiter zu wünschen übrig. Dem Bezirk Wedding fehlte einfach das Geld für notwendige Reparaturen. Die Bühne wurde daher nur noch selten für Veranstaltungen genutzt. Erneute Versuche des Bezirkes, die Bühne zu nutzen, scheiterten kläglich. Das Bezirksamt verkaufte die Bühne schließlich 2007 für einen Euro.
Der neue Besitzer ist Theaterproduzent Bernd Motschmann. Er ließ die Bühne für 150 000 Euro denkmalgerecht sanieren. Und so konnte im Jahr 2009 der „Räuber Hotzenplotz“ in den Rehbergen aufgeführt werden– das Stück, mit dem Bernd Motschmann schon einmal eine heruntergewirtschaftete Freilichtbühne in Lübeck zum Laufen gebracht hatte.
Im gleichen Jahr begann auch der Betrieb des Freilichtkinos unter der Leitung von Piffl Medien. Diese bewerben “das schönste Kino” im Berliner Norden wie folgt: „1.500 Plätze unterm Sternenhimmel laden zum entspannten Filmvergnügen ein. In lauen Sommernächten bieten wir eine abwechslungsreiche Mischung aus Hollywood und Independent Kino Entdecken Sie aktuelle Highlights, holen Sie die verpassten Kinoerfolge des letzen Jahres nach und genießen Sie die unvergänglichen Meilensteine der Filmgeschichte.“ Der Fluglärm, der das Filmvergnügen mitunter störte, fällt leider auch in dieser Saison noch nicht weg.
Aber sei’s drum: am 25. Mai beginnt wieder eine Kino-Saison in der Freilichtbühne Rehberge. Nur Theater, das wird dort auch in diesem Jahr wieder nicht geboten. Die Berliner Woche kann in ihrer Ausgabe vom 16. Mai die Enttäuschung darüber nicht verbergen: „Zu den Gründen, warum es in diesem Jahr schon wieder nicht geklappt hat mit einem Ensemble, sagt Motschmann nichts.“
Trotzdem: es ist schön, dass die Freilichtbühne wieder genutzt wird. „Zerstört“ und zugemüllt wird sie allenfalls noch bei der Aufführung der „Rocky Horror Picture Show“ im Spätsommer. Und gleich gegenüber gibt es mit der „SchAtulle“ auch wieder Gastronomie am Standort des früheren Parkrestaurants „Gulliver“. – Die Rehberge sind wieder ein Anlaufpunkt für Veranstaltungen – ob mit oder ohne Theateraufführungen!
Programm des Freiluftkinos im Jahr 2012
Veranstaltungstipps: Rotaprint und “Fête de la Musique”…
Kostenlose Führung durch das ExRotaprint-Gelände, organisiert von “Nächste Ausfahrt Wedding”
Einladung zur Programmvorstellung “Fête de la Musique” 2012
Dienstag, den 22.05.2012 um 18:00 Uhr
Cineplex Alhambra, Seestraße 94, 13353 Berlin
Der Musiker Heinz Ratz hat eine Band aus Flüchtlingen zusammengestellt die in Deutschland Asyl suchen. Manche werden aufgrund ihrer Lieder in ihren Heimatländern verfolgt. Dies ist eine der Bands der Bühne Weddingklänge zur Fête de la Musique am 21.06 auf dem Leopoldplatz.
Um nicht nur diese, sondern auch die vier weiteren Veranstaltungsorte zur diesjährig stattfindenden Fête de la Musique im Wedding vorzustellen, laden die Bühnen am 22. Mai um 18:00 Uhr ins Kino Alhambra ein. Es werden Musiker anwesend sein, Band-Videos gezeigt und das diesjährige gemeinsame Plakat präsentiert. Anwesend sein wird auch ein Teil des Filmteams, das Heinz Ratz auf seiner ungewöhnlichen Konzertreise begleitete, für Fragen bereit stehen wird und den Trailer zum Film vorführt.
Weitere spannende Programmpunkte zur Fête de la Musique am Leopoldplatz werden die afrikanischen Klänge der Sudanese Allstars und die allseits bekannten Django Lassis sein.
Der Fokus der Bühne am Centre Français (Müllerstraße 74) liegt auf Musikern aus Deutschland und Frankreich, deren Bandbreite von Rock über französischen Chanson, Gypsy, Rock bis hin zu Tango reicht.
Die Osterkirche (Samoastr. 14) legt ihren Schwerpunkt auf Orgelmusik. Es werden neben sakralen Klängen, Filmmusik und Jazz mit diesem vielseitigen Instrument vorgetragen.
Das Klingende Museum (Zingster Straße 15) das Kindern einen Einblick in Orchesterinstrumente gibt, präsentiert auch ein abwechslungsreiches Programm das von Jazz und Soul bis hin zu experimentellem Pop reicht. Ein Highlight ist das Orchestre Miniature in the Park, eine Band, die auf Kinderinstrumenten musiziert.
Auf der KiKiSol-Bühne auf dem Nettelbeckplatz geht es auch international zu, von Balkanmusik über Klezmer bis hin zu Singersongwritern.
Die Veranstalter danken der Fête de la Musique, allen Sponsoren und dem Alhambra Kino, bei dem wir am 22. Mai zu Gast sind, um das Programm vorzustellen.
“Blattgold”-Dressings: Naturbelassen wie der Wedding
“Gekaufte Dressings sind immer Mist”, sagt Adam Mikusch. Diese Zeiten sind jetzt endgültig vorbei. In seiner eigenen Manufaktur mit angeschlossenem Fabrikverkauf stellt der 32-Jährige das her, was er schon vorher gerne als Hobby gemacht hat: pfiffige Salat-Dressings, garantiert nur aus Naturprodukten und ohne Geschmacksverstärker. Die erheben jeden Salat zum Genuss – daher der Name “Blattgold” für die Saucen, die in kleinen Flaschen verkauft werden. Doch auch auf Brot, zu Pasta oder als Dip zum Grillgut eignen sich die Weddinger Saucen-Kreationen hervorragend.
Eigentlich hat Adam Mikusch als Grafik-Designer gearbeitet, was man dem in dunkler Holzoptik gestalteten Laden und den Etiketten sofort ansieht. Doch Spaß hat ihm dieser Job am Ende nicht mehr gemacht. “Ich habe dann den Schritt gewagt und aus meinem Hobby einen Beruf gemacht”, erzählt er. Die Idee, mit eigenen Salatdressings auf Märkte zu gehen, hat Adam Mikusch dann den Gründerpreis 2012 als bester Newcomer eingebracht.
Manufaktur heißt “von Hand gemacht”. Genau so werden die Dressings auch noch hergestellt. Handgerührt, nicht mit Wasser gestreckt und ohne Konservierungsstoffe. Als Zutaten findet man in “Blattgold” natives Olivenöl aus dem Süden, feinen Apfelessig, im Fass gereiften Balsamico-Essig, frisch zerstoßenen Schwarzen Pfeffer, reines Alpensalz oder gehaltvollen Senf. Die Dressings gibt es in vier Varianten. Auf jedem Etikett befindet sich ein anderes Motiv mit einem fantasievoll gezeichneten Tier – “meine imaginären Mitarbeiter”, scherzt Adam Mikusch. Und das Superior-Dressing kommt sogar im edlen Holzkasten daher – es enthält essbares 22-karätiges Gold und macht somit dem Namen des Labels alle Ehre.
Aus der kleinen Manufaktur soll mehr werden
Im Moment wohnt Adam Mikusch noch in Pankow. Von der Produktionsstätte in der Kameruner Straße aus fährt er mit dem “Blattgold”-Piaggio auf Wochenmärkte und zu einzelnen Feinkostgeschäften. Den Wedding hat er aus mehreren Gründen als Basis ausgewählt. “Der Wedding stellt einen guten Kompromiss zwischen preiswertem Standort und wachsendem Bewusstsein für frische Produkte dar”, sagt er. Im Prenzlauer Berg, glaubt Adam Mikusch, wäre er nur einer von vielen gewesen. “Im Wedding sind die Leute noch genauso naturbelassen wie meine Dressings”, sagt der gebürtige Oberschlesier, der in Trier aufgewachsen ist. Doch im Wedding soll die Erfolgsgeschichte von Blattgold nicht enden, und nur bei einem Dreirad-Auto wird es wohl auch nicht bleiben, hofft Adam Mikusch: “Erst genießt der Wedding unsere Saucen, dann Berlin und am Ende vielleicht die ganze Welt….”
Fabrikverkauf: Haus der feinen Kost
Kameruner Straße 14 (Afrikanisches Viertel), keine festen Öffnungszeiten, bitte vorher telefonisch erfragen
kontakt@haus-der-feinen-kost.de
Telefon: 030 609 587 21 (unbedingt vorher durchrufen, ob geöffnet ist)
Website mit aktuellen Verkaufsstätten (im Wedding derzeit nur bei EDEKA Reichelt, Markstraße 32)
Balsamico-Basilikum Dressing perfekt zu frischen Blattsalaten und leichten Nudelgerichten. Auch fruchtige Erdbeeren oder Tomate-Mozzarella werden zum Erlebnis. Zutaten: Balsamicoessig, Honig, Olivenöl, Basilikum, Salz, Pfeffer, Knoblauch
Balsamico-Vanille Dressing veredelt mit echter Bourbonvanille frische Blattsalate und leichte Geflügelgerichte. Auch Desserts wie Eis oder Früchte werden so nuancenreich gekrönt. Zutaten: Balsamicoessig, Honig, Olivenöl, Bourbonvanille, Salz, Pfeffer
Honig-Senf Dressing passt am schönsten zu pikanten Blattsalaten wie Rucola oder Chicoree. Und auch als Grillsauce oder zu Seefisch ein feiner Gaumenkitzel. Zutaten: Senf, Honig, Olivenöl, Apfelessig, Salz, Pfeffer
Superior-Dressing
“Eschenbräu”: herbe Bier-Unikate
Das Bier vom Eschenbräu passt, naturtrüb und herb wie es ist, gut zum spröden Charme des Wedding. Es hat dort und auch in anderen Bezirken Berlins vor allem bei den Biertrinkern Anklang gefunden, die das Besondere schätzen.
Birgit Wahle aus Kreuzberg lernte dieses Bier kennen, bevor sie erfuhr, woher es stammt: “Mein allererstes Eschenbräu trank ich nicht im Wedding. In Kreuzberg war’s, im Weltrestaurant Markthalle. Es war eine köstliche, erfrischende Offenbarung! Vielleicht lag es daran, dass der Tag damals lang und sehr heiß gewesen war – jedenfalls bin ich dem trüben, leckeren Bier treu geblieben. Wann immer ich in die Markthalle einkehre, gibt es ein frisch gezapftes Eschenbräu!
Fünf Jahre später hat es mich es dank Weddinger Freundschaft endlich an den Originalschauplatz des Geschehens verschlagen. Zugegeben: im Souterrain auf dem Hof des grauen Studentenwohnheim-Klotzes erwartet man nicht unbedingt ein uriges Brauhaus. Im traditionellen Sinne ist der Gastraum, der frühere Waschkeller des Wohnheims, das auch nicht. Die Inneneinrichtung mit künstlerischen Werken, besser gesagt witzigen Werbeplakaten des Brauers, Martin Eschenbrenner, ist sehr speziell. Das gefällt vermutlich nicht jedem, mir jedoch sehr! Die Biergartensaison war bei meinem Besuch leider noch nicht eröffnet. Aber sobald alle Eisheiligen und Schafskälten überwunden sind, werde ich auch mal im schönen Innenhof sitzen und Apfelsaft und Bayerisch Hell versuchen. Die vielen Saison- und Spezialbiere dürften ebenfalls dafür sorgen, dass es dem Stammgast und Eschenbräu-Fan so schnell nicht langweilig wird.”
Fast nur für Eingeweihte
Schon als Student wohnte der Diplom-Brauingenieur Martin Eschenbrenner in genau diesem Wohnheim in der Triftstraße. Da lag es nahe, dass der gebürtige Baden-Württemberger dort im Jahr 2001 seine kleine Privatbrauerei eingerichtet hat – ein Gewölbekeller und ein Hof mit einer schönen alten Eiche sprachen für diesen versteckten Hof, den nur Eingeweihte auf Anhieb finden. Das in kleinen Mengen gebraute Weddinger Bier schmeckt nicht immer gleich und setzt sich allein dadurch schon vom vorhersehbaren Einheitsgeschmack ab. Martin Eschenbrenner sieht sich selbst als einen “unbeugsamen Braumeister” . Mit seiner Ein-Mann-Brauerei kämpft er, wie das gallische Dorf, gegen den Einheitsgeschmack der Bierriesen. Mit Erfolg: Handgemachtes Bier aus dem Wedding – das hat nicht jeder Bezirk in dieser an Brauereien so armen Stadt Berlin!
Eschenbräu
geöffnet täglich ab 17.00 Uhr, Juni bis August ab 15.00 Uhr
Triftstraße 67 (Hof) , Zugang auch vom Sparrplatz, Telefon: 462 68 37, Fax: 462 68 37
Mehr Infos über die aktuellen Biersorten: www.eschenbraeu.de
Preise: Brezeln 0,80€, Flammkuchen ab 4,80€, Softdrinks ab 1,30€, Bier (0,5 l) ab 2,80€, Wein (0,2 l) ab 2,90€, Cocktails ab 5 €
Eschenbräu wird auch im Prime Time Theater sowie im Restaurant Volta in der Brunnenstr. 73 ausgeschenkt.
Garten Arbeit Schule: das Schul-Umwelt-Zentrum
Achtlos geht man an der Scharnweberstraße 159 vorbei, ziemlich genau an der Stelle, wo die Straße ihren Namen in Müllerstraße ändert. In diesem vorstädtischen Nichts aus Verkehrsschneisen, mehrstöckigen Bürogebäuden, einem Baumarkt und einem Einkaufszentrum würde man alles – nur keine grüne Oase – vermuten. Und doch ist die Gartenarbeitsschule Wedding in dieser peripheren Lage seit 1950 zu Hause. Mit der einzigen innerstädtischen Sanddüne Deutschlands verfügt das Areal sogar noch über ein ganz besonderes Naturdenkmal.
Gartenarbeitsschulen (diese hier firmiert seit der Bezirksfusion unter dem Namen “Schul-Umwelt-Zentrum Mitte“) beruhen auf reformpädagogischen Ideen der 1920er Jahre. Doch besonders nach dem Zweiten Weltkrieg haben die ausgehungerten und traumatisierten Kinder hier Erholung gefunden. Zusätzlich wurde durch die herangezüchteten Pflanzen die ärgste Not in den Familien gelindert. So notierte der erste Leiter der Gartenarbeitsschule Wedding, Gerhard Stüllein: “Die Kinder sollen lieber, anstatt auf Hamsterfahrt zu gehen, auf ihrem eigenen Schulgartenbeet Nutzpflanzen für ihre Familien heranziehen.”
Doch die Gartenarbeitsschule vermittelt nicht nur Wissen. Dieser besonders verwunschene, langgezogene Garten lädt zu Entdeckungen ein. So gibt es ein Bienenhaus, einen Teich voller Kaulquappen, Gewächshäuser, eine Feuerstelle mit Wigwam, ein schwedisches Holzhaus für Wetterbeobachtungen und Umweltexperimente sowie die bereits erwähnte Düne. Genutzt werden die vielen Beete von zahlreichen Kitagruppen und Schulklassen sowie Lehrerfortbildungsgruppen. In alle Gärten des SUZ kommen jährlich 40 000 Besucher!
Am meisten fasziniert den Besucher, der zum ersten Mal in die Gartenarbeitsschule kommt, welches grüne Paradies sich hinter den hässlichen Gewerbebauten verbirgt. Tatsächlich ist man hier der Realität ein wenig entrückt, wie in einem kleinen Botanischen Garten. Die Düne Wedding am Rand des Gartens fällt jäh zum Parkplatz des Baumarkts ab. Erklimmt man den Sandberg, wird man sich der städtischen Lage der Gartenarbeitsschule wieder bewusst.
Immer wieder ist die Existenz der Gartenarbeitsschulen, die auf über 90 Jahre Tradition in Berlin zurückblicken können, aus Spargründen gefährdet. Gerade in Zeiten größter materieller Not entstanden, wurde der Nutzen dieser Einrichtungen früher nicht in Frage gestellt. Aber auch heute ist das Schul-Umwelt-Zentrum für Stadtkinder wichtiger denn je: wo sonst sollen Kinder die Artenvielfalt, das Werden und Vergehen und Nachhaltigkeit lernen? Gesunde Ernährung (wo kommt unser Essen her), umweltbewusstes Verhalten (was passiert mit organischen Abfällen) oder biologisches Grundwissen (welche Tiere leben in unseren Breiten?) kann in solchen Einrichtungen optimal vermittelt werden.
Ein Förderverein kümmert sich um die Anlagen des SUZ, organisiert öffentliche Veranstaltungen wie Tage der offenen Tür, ist aber auch in andere Projekte involviert.
Infos:
Scharnweberstr. 159, Tel.: 030-49870409, Fax.: 030-49870411, Mail: info@suz-mitte.de
Filiale: Seestraße 74 (Interkultureller Garten)
“Nächste Ausfahrt”: Urbane Abenteuer im Wedding
Die sechste Reisesaison von Nächste Ausfahrt beginnt! Tourist sein in der eigenen Stadt, und sei es nur, dass Prenzlauer Berg-Bewohner einmal durch den Gleimtunnel gehen und sich im “wilden Wedding” umsehen. “Manchmal ist es echt unglaublich, dass wir nun schon 5 Jahre Nächste Ausfahrt Wedding hinter uns haben. Wer hätte auch geahnt, was so ein Feierabend-Bierchen vor dem Haus für verheerende Folgen haben kann”, sagen Tanja Kapp und Lothar Gröschel, die das Projekt erfunden und in den letzten Jahren zu einem großen Erfolg geführt haben.
Die von Ortskundigen geleiteten Führungen und Radtouren sind Entdeckungsreisen durch einen Berliner Ortsteil, der auch Ur-Berliner immer wieder zu überraschen vermag. Selbstironisch weisen die beiden Prenzlauer Berger darauf hin, wie sich ihr Leben durch eine ursprünglich ziemlich einfache Idee fundamental geändert hat. “Fünf Jahre Verwahrlosung unseres Privatlebens, kistenweise ungeöffnete Briefe, ein stetig schrumpfender Freundeskreis, Wäschedünen im Bad und Möbel mit Pelzüberzug in der ganzen Bude, das sind so ungefähr noch die softeren Nebenwirkungen”. Schuld ist der Wedding. Wer hätte gedacht, dass er so viele Themen bietet? Afrika im Wedding, Kleingärtner live, Kulinarischer Wedding, Gentrifzierung im Wedding, das Heilbad Gesundbrunnen – die Liste an Themen wird und wird nicht kürzer.
Jetzt beginnt die neue Saison – die Führungen richten sich an Weddinger, am Wedding Interessierte, weltoffene Prenzlauer Berger (und Bewohner anderer Bezirke) ohne Mauer im Kopf sowie Berlin-Besucher, die schopn “alles gesehen haben”.
Es lohnt sich, einmal auf der Website zu schauen!
Der Berg ruft gegen die Seestraße an
Ute Akrutat übt auf ihrem Musikinstrument am liebsten im Freien. Der Plötzensee ist in Sichtweite, hier am Eingang zur Uferpromenade direkt an der Seestraße kommen viele Radfahrer und Fußgänger vorbei. Doch ihr hölzernes Instrument ist kein Didgeridoo, wie man es auch in Berlin immer öfter sehen kann, sondern – ein Alphorn! “3 Meter 80 lang ist es”, sagt die Hobbymusikerin,. “Früher habe ich Trompete gespielt, und seit drei Jahren eben Alphorn.” Das schweizerische Nationalinstrument ist in Berlin eine Seltenheit, dennoch ist das Alphorn vom Plötzensee in unserer Stadt gebaut worden.
Spielen gegen den Verkehrslärm, bevor sich noch jemand beschwert
Warum spielt Ute Akrutat ausgerechnet hier, wo die Seestraße und die Stadtautobahn für ein permanentes Grundrauschen sorgen, das rein gar nichts mit alpinen Geräuschen zu tun hat? “Ich spiele dort, wo ich niemanden störe. Da kann sich keiner beschweren. Es ist nämlich schwierig, Töne zu treffen.” Kein Wunder, denn das Musikinstrument (und ein Alphorn gehört rein instrumentenkundlich zur gleichen Gruppe wie Blechblasinstrumente) verfügt weder über Klappen noch über Ventile. Da muss man mit den Naturtönen arbeiten, die das Alphorn eben von sich gibt.
Alphornspieler sind in Berlin nicht allein
Man sieht und hört Ute Akrutat bei schönem Wetter öfter am Plötzensee oder am Flughafengelände in der Jungfernheide. Mit ihrem außergewöhnlichen Hobby ist sie übrigens nicht allein: “Es gibt in Berlin mehr als 20 Alphornspieler, 18 sind auch schon im Berliner Alphorn-Orchester”, sagt die Reinickendorferin. Alle zusammenzubringen ist natürlich schwierig. Denn im Gegensatz zur Akustik in Alpentälern kann auch ein Alphorn nicht den Berliner Lärm über weitere Entfernungen übertönen.
Saubere Sache, unser Wedding
Die CDU Berlin will “Mit Sicherheit” mehr Ordnung schaffen. Der Verwahrlosung des öffentlichen Raums soll mit Abschreckung, höheren Bußgeldern und mehr Mülleimern staatlicher Aktionismus entgegengesetzt werden. Für mehr Bürgersinn sorgt das sicher nicht. Trotzdem gibt es auch heute schon Bewohner des Wedding, die sich auch mit eigenen Händen für die Sauberkeit ihres Kiezes engagieren. Im Brüsseler Kiez ist eine Bürgerinitiative schon seit Jahren am Thema Sauberkeit dran. Jetzt fand zum wiederholten Mal eine Putzaktion des Panke-Ufers statt und siehe da: über 30 Personen beteiligten sich an der zweiten “panke.putze” des Vereins panke.info am 19. April. Geputzt wurde die Wildnis vor der Bibliothek am Luisenbad.
Schon ein paar Tage zuvor hat der Verein einen ersten Frühjahrsputz in der Uferstraße organisiert, über den auch der RBB in der Abendschau berichtet hat. Und am 23. April ab 16.00 Uhr findet an der Brücke Gotenburger Straße die dritte Aufräumaktion statt, bei der auch der Bezirksstadtrat Carsten Spallek von der CDU erwartet wird.
Die diesjährige Aktion an der Bibliothek wurde gemeinsam mit der Freiwilligenagentur Wedding vorbereitet. “Zum achten Geburtstag der Freiwilligenagentur wollten wir etwas ganz Besonderes organisieren”, so Anna Asfandiar von der Vermittlungsstelle für Freiwillige.
Unterstützt wurden die Aktiven durch die Kinder des Kindergartens Villa Römer, eine Hortgruppe der Wilhelm-Hauff-Schule, den Verein “Menschen helfen Menschen”, Mitarbeitern der Stadtbibliothek Mitte am Luisenbad und auch wieder durch die Kiezläufer des Quartiersmanagements Soldiner Straße. Die Kiezläuferin und gelernte Krankenschwester Anne Klein hatte auch dieses Jahr wieder viel zu tun. Sie war zuständig, die benutzten Spritzen aus dem Gebüsch aufzusammeln. “Die Kinder wurden zuvor eingewiesen, gefundene Spritzen nicht anzufassen, sondern einem Erwachsenen Bescheid zu sagen” erklärt Thorsten Haas, der die Umweltbildungsprojekte bei panke.info betreut. Kinder sind einfach die besten Multiplikatoren – vielleicht erklären sie ihren Eltern das nächste Mal, dass Müll in den Papierkorb und Elektroschrott in den Recyclinghof gehört. Bürgersinn sollte nicht durch Politik verordnet werden. Bürgersinn kann man durch Ausprobieren lernen!
“Sole Mio”: Wie vor zwanzig Jahren
Das Restaurant ist fast schon ein Urgestein im nördlichen Wedding und wirbt – noch nicht mal völlig zu Unrecht – mit “Preisen wie vor 20 Jahren”. Überhaupt muss man sagen, dass im Sole mio die Zeit vor 25 Jahren stehen geblieben zu sein scheint: Interieur, Angebot, die musikalische Hintergrundbeschallung – alles wirkt so, als hätte sich seit Eröffnung in den späten 1980ern dort nicht viel geändert. Und das ist keinesfalls als Kritik zu verstehen, sondern eher im Gegenteil – der 1980er-Charme könnte wunderbar als Geschäftskonzept durchgehen.
Das Angebot ist nicht üppig aber vollkommen ausreichend, auf großartige Experimente moderner Küche wird verzichtet, aber alles, was man dort zubereitet, ist absolut schmeckig! Der Service ist aufmerksam und freundlich, ein kleiner Appetithappen vor und ein Gläschen Hochprozentiges nach dem Essen wird aufs Haus serviert, und wenn die – im Sommer sehr begehrten – Plätze draußen alle belegt sind, schleppt der Kellner auch bereitwillig extra Tische und Stühle aus dem Restaurant auf die Straße. Und wenn in Kürze der Flughafen in Tegel schließt, dürfte das Draußensitzen noch wesentlich angenehmer werden.
Nun würde ich ja gerne an dieser Stelle auf die Webseite oder zumindest den Qype-Auftritt verweisen, allein nichts davon gibt es – im Web ist das Sole mio quasi inexistent. Aber offensichtlich können sie sich mit ihren Stammkunden auch so problemlos seit vielen Jahren über Wasser halten.
Autor: Stef, stefblog.de
Ristorante Pizzeria Sole mio, Otawistr. 5 , U-Bhf Rehberge
Öffnungszeiten täglich außer Dienstags. Alle Speisen auch zum Mitnehmen.















