Kategorie: Kolumne

Die Kolumne: Türkische Hochzeit

Hochzeit5Hossa-Papa hat seine Tochter verloren. Etwas aufgeregt und zerknittert wie immer dirigierte er lautstark die Verwandschaft vor unserem Fenster umher. Vor ihm liefen zwei Musiker her, lautstark eine Trommel und eine Zurna bedienend. Hossa-Papa trug einen Anzug und steuerte einen der vielen Mercedesse an, die am Straßenrand warteten. Seine Tochter steckte in einem weißen Kleid mit aufgerüschtem Rock, auf dem Kopf ein Schleier. Vor meinem Fenster wurde geheiratet, oder zumindest war unsere Straße eine Station des offensichtlichen Schaulaufens. Laut war es, nach wenigen Minuten gingen rechts und links der Straße die Fenster auf und neugierige Nachbar schauten raus. Ich zwinkerte dem Trommler zu und beobachtete das Spektakel.

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Die Kolumne: Hoffnung für die Gleim-Oase

Jetzt ist der Denkmalschutz gefordert

Dunja und Holger an ihrem Wunschbaum. Was sie selbst sich wünschen, ist klar: Gleim-Oase soll bleiben!

Dunja und Holger an ihrem Wunschbaum. Was sie selbst sich wünschen, ist klar: Gleim-Oase soll bleiben!

Weil das neue Wohngebiet im nördlichen Teil des Mauerparks angeblich nur von der Wedding-Seite her erschlossen werden kann, sollen ein Teil der Stützwand des Gleimtunnels und die Gleim-Oase genannte Mittelinsel einer neuen Zufahrtsstraße weichen. Das Bezirksamt bastelt an entsprechenden Bebauungsplänen. Doch die könnten sich bald erledigt haben. Wie sich nämlich jetzt herausgestellt hat, handelt es sich bei der Mittelinsel um eine 1983 von der Degewo in Auftrag gegebene gartenkünstlerische Arbeit. Mit der Architekt Bernd Vogel und das renommierte Künstler-Ehepaar Carlini sehr wohl auch Bezug zur nahen Grenze zu Ostberlin genommen haben. Einer von vielen Gründen, einen Antrag auf Unterschutzstellung nach dem Landesdenkmalschutzgesetz zu stellen. Das ist inzwischen geschehen. Die Hoffnung auf Erhalt der Gleimoase wächst.

Die Kolumne: Knete und Knigge

Bibliothek am Luisenbad (Quelle: panke.info)

Bibliothek am Luisenbad (Quelle: panke.info)

Es gibt immer was zu kämpfen im Wedding. Das Gute ist, dass meist für etwas gerungen wird. Für mehr Geld in Sachen Bildung, für eine saubere Panke und – ja – jetzt auch für besseres Benehmen. Initiiert vom Verein Mitspielgelegenheit, haben sich Kinder und Jugendliche aus dem Soldiner Kiez in dem Fotografie- und Theaterprojekt “Alles Knigge, oder was?” mit dem Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Kulturen, Religionen und Lebensauffassungen auseinandergesetzt. Das Ergebnis ist vom 25. August an in der Stadtteilbibliothek am Luisenbad zu sehen. Mit seinen Projekten versucht der Verein, Kinder aus sozial schwächeren Kiezen zu stärken. Das ist löblich! Allerdings: Gutes Benehmen – das ist klar – hat nichts mit dem Kontostand zu tun.

Autor: Ulf Teichert

Die Kolumne erscheint ebenfalls Samstag in der Weddinger Ausgabe des Berliner Abendblatts.