Kategorie: kieze
Afrikanisches Viertel: Info-Stele wird am 8. Juni enthüllt
Die umstrittenen Straßennamen im Afrikanischen Viertel in Berlin-Wedding, sogar die drei fragwürdigsten Lüderitzstraße, Nachtigalplatz und Petersallee, bleiben den Bewohnern erhalten. Darauf haben sich die Bezirkspolitiker nach der Wahl im vergangenen Jahr geeinigt. Gleichzeitig wird der Plan weiterverfolgt, das größte Gebiet mit kolonialen Straßennamen in Deutschland zu einem Lern- und Gedenkort zu entwickeln. Eine vom Bezirksparlament beschlossene Info-Stele ist inzwischen in Auftrag gegeben und durch die Künstlerin Helga Lieser fertiggestellt. Sie sollte schon im Monat März nahe des U-Bahnhofs Rehberge aufgestellt werden. Um den Stelen-Text hat es viele Querelen gegeben; letztlich hat man sich mühsam auf einen Kompromiss geeinigt, der zwei unterschiedlichen Sichtweisen auf die deutsche Kolonialgeschichte gerecht wird.
Politisches Gezänk hat das gesamte Verfahren begleitet und endet noch nicht einmal jetzt, wo die Info-Stele bereits fertig zur Aufstellung ist. Die Info-Stele wird jetzt am Freitag, den 8. Juni um 17 Uhr nach einer Verschiebung um mehrere Monate enthüllt. Nach den Einladung des Bezirksamts zur Enthüllung der Infosäule führt der Verein Berlin Postkolonial durch das Viertel. Standort der Säule: Otawistraße, nahe der Müllerstraße.
Vegan oder nicht – kein Problem an der Müllerstraße
Auf die Qualität kommt es an: nicht nur überzeugte Veganer werden im Imbiss “Falafel Dream 2010″ neben der Agentur für Arbeit zufriedene Gesichter machen. Auch wer sich für Fleischwaren interessiert, findet an der Müllerstraße eine Handwerksfleischerei mit Qualitätsbewusstsein.
Veganer Falafel-Imbiss bereichert das Angebot im Wedding
“Ich konzentriere mich in meinem Geschäft auf eine Sache, und das ist Falafel!” Der 33-jährige Wael Thib tüftelt seit Jahren an der richtigen Zusammensetzung dieser arabischen Spezialität aus Kichererbsenmus. Sein Rezept mit der geheimen Mischung der Gewürze verrät er zwar nicht, aber dennoch kann man nicht nur hervorragende Gerichte an seinem Imbisswagen verzehren. Der arabische Falafel-Spezialist bietet auch Falafel-Seminare im benachbarten Saal der Baptistengemeinde an. “Bei diesen Seminaren lernen sich viele Neu-Weddinger kennen”, erzählt der ideenreiche Gastronom: “Gemeinsam formt man die Bällchen, frittiert sie und sitzt insgesamt drei bis vier Stunden zusammen und unterhält sich.” Es gibt auch einige wenige Fleischgerichte in Halal-Qualität bei Wael Thib, aber Falafel steht in jeder Hinsicht im Mittelpunkt. “Ich lege Wert auf vegane Zutaten in höchster Qualität”, beschreibt der studierte Hotel-Betriebswirt bei einem Glas mit heißen Zimt-Tee sein Konzept. Er hat den Markt genau analysiert und beobachtet, dass im Moment viele Veganer aus Friedrichshain in den Wedding ziehen. Wael Thib glaubt trotzdem daran, dass seine Idee nicht nur an diesem Standort, sondern auch woanders funktioniert und denkt daher schon an Expansion. Im Gegensatz zu einem festen Restaurant mit hoher Miete kann der Imbissbetreiber problemlos den Standplatz wechseln: “Ich biete in Berlin und dem Umland auch mobiles Catering an. Aus dem Imbisswagen heraus bereite ich vor Ort für Hochzeiten, Betriebsfeiern oder Geburtstage arabische Spezialitäten zu”, erzählt der Weddinger, der selbst am Nauener Platz wohnt.
Ideen hat Wael Thib noch viele – die ziemlich schräge “Falafel-Flat”, mit zahllosen Rabatten für benachbarte Geschäfte, gibt es schon heute. Aber die immer verbesserte Rezeptur und Zubereitung sind und bleiben das zentrale Element des findigen Geschäftsmanns: für einen veganen Falafel, der 350 Kalorien zählt und unglaublich gut schmeckt. Ein vollwertiger Fleischersatz, auch für Fleischesser. Wer der Meinung ist, jeder Falafel sei doch im Grunde vegan, wird hier eines Besseren belehrt – die Sesamsoße wird nämlich bei Wael Thib, im Gegensatz zu vielen Falafelanbietern, nicht mit Joghurt gestreckt….
Falafel Dream 2010, Müllerstr. 14a, Tel. 0177 2501585, Mo-Do 11.30-22 Uhr,Fr 15-23 Uhr, Sa 13-22 Uhr, So 15-21 Uhr
Website mit Seminarangeboten, Speisekarte und Cateringservice
Neuland-Fleischerei an traditionsreichem Standort im Wedding
Doch wer nicht gerade überzeugter Veganer oder Vegetarier ist, dennoch Wert auf Qualität bei Fleisch oder Wurst legt, wird ein paar hundert Meter müllerstraßenaufwärts ebenfalls fündig. In der Hausnummer 156, gegenüber von Karstadt, befindet sich seit 1906 eine Fleischerei. Früher gab es solche Geschäfte ja noch an allen Einkaufsstraßen, aber heute haben sie Seltenheitswert. Doch nicht allein dadurch setzt sich die Fleischerei Bünger von der Supermarkt-Konkurrenz ab. Die Ware wird in “Neuland-Qualität” verarbeitet und im Laden oder gleich nebenan auch in einem Imbiss verkauft. “Neuland” ist übrigens seit 1988 ein Qualitätssiegel, das zwar nicht für “bio”, aber für erhöhte Standards in der artgerechten Tierhaltung steht. Das kostet deutlich mehr – dadurch konsumiert man Fleisch aber sicher bewusster. Und freundlicher bedient als am Tiefkühlregal beim Discounter wird man auf jeden Fall auch noch…
Neuland-Fleischerei Uwe Bünger, Müllerstr. 156, Mo-Fr 7-19 Uhr, Sa 8-15 Uhr
Rehberge und Plötzensee: Rudern inmitten Weddings grüner Lunge
Auf Sand gebaut
Das heutige Parkgelände ist Teil des früher ausgedehnten Waldgebietes Jungfernheide. Die sprichwörtliche märkische Streusandbüchse prägte das Landschaftsbild auf dem Gebiet des heutigen Volksparks Rehberge und des Goetheparks in besonderer Weise. Denn in der späten Eiszeit abgelagerter Flugsand hatte sich dort zu ganzen Sanddünen formiert. Darauf wuchsen zum Teil Kiefern und Eichen, doch spätestens nachdem diese nach dem ersten Weltkrieg von der frierenden Bevölkerung abgeholzt wurden, lag die Sandfläche komplett frei. Der Sand beeinträchtigte die benachbarten Wohngebiete erheblich – er war allenfalls als Scheuersand zu gebrauchen. “Der Volksausdruck Berliner Schnee, womit das Treiben des Flugsandes gemeint ist, schreibt sich von den Rehbergen her”, schrieb der Stadtrat Ernst Friedel im Jahr 1899. Es musste also etwas mit dieser Fläche geschehen….
Landschaftspark statt Völkerschau
In der allgemeinen kolonialen Euphorie war schon das benachbarte Afrikanische Viertel mit exotisch klingenden Straßennamen bedacht worden. Dazu passend hatte Carl Hagenbeck aus Hamburg die Idee, einen landschaftsbetonten Tierpark auf der sandigen Fläche zwischen diesem Viertel und dem Plötzensee anzulegen. Auch eine “Völkerschau”, nämlich die Zurschaustellung von Menschen anderer Hautfarbe in exotischen Siedlungen, war im Rahmen dieses Parkes vorgesehen. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges machte dem Hamburger Unternehmer allerdings einen Strich durch die Rechnung.
Zwischen 1926 und 1929 wurde dafür als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für 1000 Arbeitslose der Volkspark Rehberge angelegt. Auf zunächst 70 Hektar nutzten die Gartenbaudirektoren Rudolf Germer und Erwin Barth die topographischen Gegebenheiten, um daraus eine anmutige Parklandschaft zu formen. Die zentrale Sicheldüne mit 17 Metern Höhenunterschied bildet einen Rücken, auf dessen höchstem Punkt 1930 der eigenwillige Rathenau-Brunnen (in Form einer Schraube) eingeweiht wurde. Nach Westen stellt das Gelände eine steilen Abhang mit einer Rodelbahn dar, während die Düne nach Nordosten in einer Kurve sanft abfällt. Der darauf befindliche Höhenweg überbrückt mit einer in Kalkstein eingefassten Brücke einen querenden Parkweg. Typisch für den Park ist der Wechsel von Baumgruppen, Wiesen und für Spiel und Sport nutzbaren Einrichtungen. Ein Stadion und eine große Spielwiese gehören ebenso dazu wie eine ziemlich zugewachsene Wiesenarena (“Tanzring”), Tennisplätze und eine Freilichtbühne. Im Volkspark Rehberge gibt es auch zwei Cafés, das Park-Café an der großen Wiese sowie die SchAtulle gegenüber des Freilichtkinos. Die Nutzung des Parks für Spiel und Sport war Teil des Konzepts, in dem die Verbesserung der Volksgesundheit eine zentrale Rolle spielte. Blickfang der Promenade, die unter einer Brücke hindurch zur Spielwiese führt, ist eine Bronzeplastik aus dem Jahr 1906 von Wilhelm Haverkamp. Kurios: die “Ringergruppe” wurde 1935 aus dem Schillerpark hierher versetzt, während das abstrakte Rathenaudenkmal 1941 für eine Kopie des Schillerdenkmals eingeschmolzen wurde, die heute im Schillerpark steht. Erst 1987 wurde das Rathenaudenkmal anhand von Fotos nachgebildet.
Charakteristisch für die inzwischen 115 Hektar große Gesamtanlage ist die Einbeziehung der gleichzeitig angelegten Kleingärten, seinerzeit die erste Dauerkleingartenanlage Berlins. Den benachbarten etwas älteren Goethepark (1924), von dem der Volkspark Rehberge durch die Transvaalstraße getrennt ist, nimmt man als Bestandteil der gesamten Grünanlage wahr. Nach Westen ist der Park immer wieder durch Zukäufe und die Entwidmung von Friedhofsflächen erweitert worden, so dass heute auch der Plötzensee mit seinem Uferweg als landschaftliche Einheit mit den Rehbergen wirkt.
Sieben Hektar Wasser
Überhaupt, der Plötzensee: 740 Meter lang und 7,85 Hektar groß ist er ein natürliches Gewässer – ganz im Gegensatz zu den drei kleineren Seen Möwensee, Sprerlingssee und Entenpfuhl am Nordostrand des Volksparks, die aus einer Moorniederung hervorgegangen sind. In ein Zu- und Abflusssystem ist der Plötzensee nicht eingebunden – auch er ist ein Relikt der Eiszeit. Früher war der See für seinen Fischreichtum bekannt (daher auch die Bezeichnung nach dem Karpfenfisch Plötze). Seit 1891 gibt es an seinem Westufer ein Freibad, das in seiner heutigen Form im Stil der Neuen Sachlichkeit seit 1928 existiert. Die denkmalgeschützte Anlage ist in U-Form errichtet. An der Südspitze des Plötzensees nahe an der Autobahn Seestraße, gibt es eine kleine Kneipe im Bootshaus, die Fischerpinte. Dort werden Tretboote und Ruderboote verliehen, wovon viele Weddinger an Sommertagen regen Gebrauch machen. An der Ostseite ist ein Park mit einer großen Sonnenterrasse angelegt worden, von wo aus man einen direkten Blick auf das Freibad hat.
Der Plötzensee gehört im Gegensatz zum Wedding, der schon 1861 nach Berlin eingemeindet wurde, erst seit 1915 zu Berlin. Die Gegend ist Schauplatz einiger denkwürdiger Ereignisse. So begann Wilhelm Voigt sein Husarenstück als “Hauptmann von Köpenick” justament an der Militärbadeanstalt Plötzensee, wo er am 16. Oktober 1906 fünf Soldaten unter seinen Befehl stellte – um dann die Stadtkasse von Köpenick zu beschlagnahmen.
Plötzensee ist auch der Name der benachbarten Justizvollzugsanstalt, die im Dritten Reich eine besonders unrühmliche Rolle spielte. In unmittelbarer Nähe des Gefängnisses befindet sich eine Gedenkstätte für die Opfer, die in Plötzensee ihr Leben ließen.
- Kalksteinbrücke vor dem Ringerdenkmal
- Nahe der Transvaalstr.
- Das Bronzedenkmal “Ringergruppe” von 1906 an der Spielwiese
- Brücke über den Sperlingssee an der Windhuker Str./Petersallee
- Der Möwensee im Herbst
- Der Rathenaubrunnen am höchsten Punkt der Düne
- Romantik im Möwensee
- Der Südhang der Hauptdüne
- Der Möwensee am Nordostrand des Volksparks Rehberge an der Afrikanischen Straße
- Baumgruppe im Südteil des Parks
- Sonnenuntergang am Norduferweg des Plötzensees
- Baumgruppe am Stadion und an der Großen Spielwiese
- Der Plötzensee im Winter
- Nadelbäume am Südosthang der Düne
Volkspark Rehberge: U 6 Rehberge; BUS 221 (Otawistraße), Freibad Plötzensee, TRAM M13 / 50 (Virchow-Klinikum)
Abschied von der Müllerhalle
Die Türen sind schon verschlossen, die Leuchtreklamen abmontiert: die Weddinger Müllerhalle atmet ihre letzten Züge und haucht wohl noch in diesem Monat ihr Leben aus. In der Berliner Zeitung wird noch einmal die besondere Atmosphäre dieses dunklen Ortes an der Müllerstraße gewürdigt; auch die letzten Geschäftsleute äußern sich noch einmal:
Müllerhalle ade, willkommen Kaufland!
Sogar die Süddeutsche Zeitung widmet dieser Institution eine melancholische Fotoserie.
“Blattgold”-Dressings: Naturbelassen wie der Wedding
“Gekaufte Dressings sind immer Mist”, sagt Adam Mikusch. Diese Zeiten sind jetzt endgültig vorbei. In seiner eigenen Manufaktur mit angeschlossenem Fabrikverkauf stellt der 32-Jährige das her, was er schon vorher gerne als Hobby gemacht hat: pfiffige Salat-Dressings, garantiert nur aus Naturprodukten und ohne Geschmacksverstärker. Die erheben jeden Salat zum Genuss – daher der Name “Blattgold” für die Saucen, die in kleinen Flaschen verkauft werden. Doch auch auf Brot, zu Pasta oder als Dip zum Grillgut eignen sich die Weddinger Saucen-Kreationen hervorragend.
Eigentlich hat Adam Mikusch als Grafik-Designer gearbeitet, was man dem in dunkler Holzoptik gestalteten Laden und den Etiketten sofort ansieht. Doch Spaß hat ihm dieser Job am Ende nicht mehr gemacht. “Ich habe dann den Schritt gewagt und aus meinem Hobby einen Beruf gemacht”, erzählt er. Die Idee, mit eigenen Salatdressings auf Märkte zu gehen, hat Adam Mikusch dann den Gründerpreis 2012 als bester Newcomer eingebracht.
Manufaktur heißt “von Hand gemacht”. Genau so werden die Dressings auch noch hergestellt. Handgerührt, nicht mit Wasser gestreckt und ohne Konservierungsstoffe. Als Zutaten findet man in “Blattgold” natives Olivenöl aus dem Süden, feinen Apfelessig, im Fass gereiften Balsamico-Essig, frisch zerstoßenen Schwarzen Pfeffer, reines Alpensalz oder gehaltvollen Senf. Die Dressings gibt es in vier Varianten. Auf jedem Etikett befindet sich ein anderes Motiv mit einem fantasievoll gezeichneten Tier – “meine imaginären Mitarbeiter”, scherzt Adam Mikusch. Und das Superior-Dressing kommt sogar im edlen Holzkasten daher – es enthält essbares 22-karätiges Gold und macht somit dem Namen des Labels alle Ehre.
Aus der kleinen Manufaktur soll mehr werden
Im Moment wohnt Adam Mikusch noch in Pankow. Von der Produktionsstätte in der Kameruner Straße aus fährt er mit dem “Blattgold”-Piaggio auf Wochenmärkte und zu einzelnen Feinkostgeschäften. Den Wedding hat er aus mehreren Gründen als Basis ausgewählt. “Der Wedding stellt einen guten Kompromiss zwischen preiswertem Standort und wachsendem Bewusstsein für frische Produkte dar”, sagt er. Im Prenzlauer Berg, glaubt Adam Mikusch, wäre er nur einer von vielen gewesen. “Im Wedding sind die Leute noch genauso naturbelassen wie meine Dressings”, sagt der gebürtige Oberschlesier, der in Trier aufgewachsen ist. Doch im Wedding soll die Erfolgsgeschichte von Blattgold nicht enden, und nur bei einem Dreirad-Auto wird es wohl auch nicht bleiben, hofft Adam Mikusch: “Erst genießt der Wedding unsere Saucen, dann Berlin und am Ende vielleicht die ganze Welt….”
Fabrikverkauf: Haus der feinen Kost
Kameruner Straße 14 (Afrikanisches Viertel), keine festen Öffnungszeiten, bitte vorher telefonisch erfragen
kontakt@haus-der-feinen-kost.de
Telefon: 030 609 587 21 (unbedingt vorher durchrufen, ob geöffnet ist)
Website mit aktuellen Verkaufsstätten (im Wedding derzeit nur bei EDEKA Reichelt, Markstraße 32)
Balsamico-Basilikum Dressing perfekt zu frischen Blattsalaten und leichten Nudelgerichten. Auch fruchtige Erdbeeren oder Tomate-Mozzarella werden zum Erlebnis. Zutaten: Balsamicoessig, Honig, Olivenöl, Basilikum, Salz, Pfeffer, Knoblauch
Balsamico-Vanille Dressing veredelt mit echter Bourbonvanille frische Blattsalate und leichte Geflügelgerichte. Auch Desserts wie Eis oder Früchte werden so nuancenreich gekrönt. Zutaten: Balsamicoessig, Honig, Olivenöl, Bourbonvanille, Salz, Pfeffer
Honig-Senf Dressing passt am schönsten zu pikanten Blattsalaten wie Rucola oder Chicoree. Und auch als Grillsauce oder zu Seefisch ein feiner Gaumenkitzel. Zutaten: Senf, Honig, Olivenöl, Apfelessig, Salz, Pfeffer
Superior-Dressing
100 Jahre Alhambra, 10 Jahre Multiplex
Diese Ecke ist ein alter Kinostandort. Bereits vor 100 Jahren, 1912, wurden im Hinterzimmer des Gartenlokals Sachon Müllerstraße Ecke Seestraße Stummfilme aufgeführt. 1916 wurde daraus ein “richtiges” Kino, das nach Kriegszerstörung 1953 als typisches Fünzigerjahrekino “Alhambra” wiedereröffnet wurde. Dieses Kino mit nur einem Saal prägte den Wedding in der Nachkriegszeit. Erst 1999 wurde es dann abgerissen und durch ein modernes Multiplexkino mit der markanten Glasfassade ersetzt, das schließlich am 8. Mai 2002 eröffnet wurde. Mit dem 14 Millionen Euro teuren Neubau hat sich der damalige Besitzer allerdings finanziell verhoben – heute gehört das Alhambra zur CINEPLEX-Kinogruppe (Quelle: Berliner Woche).
Die beiden Jubiläen werden mit einer Filmreihe in der Sonntags-Matinee gewürdigt, immer um 11 Uhr werden für 7,50 Euro Eintritt Filmklassiker gezeigt:
- am 13. Mai Charlie Chaplin – Lachparade (1916)
- am 20. Mai “Bel Ami” (1930)
- 27. Mai: “Citizen Kane” (1941)
- 3. Juni: “Ein Amerikaner in Paris” (1951)
- 10. Juni: “Der Unsichtbare Dritte” (1959)
- 17. Juni: “Bonny und Clyde” (1967)
- 24. Juni: “Solo Sunny” (1979)
- 1. Juli: “Der Himmel über Berlin” (1986)
- 8. Juli: “Buena vista social club” (1998)
15. Juli: “Avatar” (2009)
- 22. Juli: “The Artist” (2012)
“Nächste Ausfahrt”: Urbane Abenteuer im Wedding
Die sechste Reisesaison von Nächste Ausfahrt beginnt! Tourist sein in der eigenen Stadt, und sei es nur, dass Prenzlauer Berg-Bewohner einmal durch den Gleimtunnel gehen und sich im “wilden Wedding” umsehen. “Manchmal ist es echt unglaublich, dass wir nun schon 5 Jahre Nächste Ausfahrt Wedding hinter uns haben. Wer hätte auch geahnt, was so ein Feierabend-Bierchen vor dem Haus für verheerende Folgen haben kann”, sagen Tanja Kapp und Lothar Gröschel, die das Projekt erfunden und in den letzten Jahren zu einem großen Erfolg geführt haben.
Die von Ortskundigen geleiteten Führungen und Radtouren sind Entdeckungsreisen durch einen Berliner Ortsteil, der auch Ur-Berliner immer wieder zu überraschen vermag. Selbstironisch weisen die beiden Prenzlauer Berger darauf hin, wie sich ihr Leben durch eine ursprünglich ziemlich einfache Idee fundamental geändert hat. “Fünf Jahre Verwahrlosung unseres Privatlebens, kistenweise ungeöffnete Briefe, ein stetig schrumpfender Freundeskreis, Wäschedünen im Bad und Möbel mit Pelzüberzug in der ganzen Bude, das sind so ungefähr noch die softeren Nebenwirkungen”. Schuld ist der Wedding. Wer hätte gedacht, dass er so viele Themen bietet? Afrika im Wedding, Kleingärtner live, Kulinarischer Wedding, Gentrifzierung im Wedding, das Heilbad Gesundbrunnen – die Liste an Themen wird und wird nicht kürzer.
Jetzt beginnt die neue Saison – die Führungen richten sich an Weddinger, am Wedding Interessierte, weltoffene Prenzlauer Berger (und Bewohner anderer Bezirke) ohne Mauer im Kopf sowie Berlin-Besucher, die schopn “alles gesehen haben”.
Es lohnt sich, einmal auf der Website zu schauen!
Dem Dreck selbst etwas entgegensetzen
Der Frühling lockt die Weddinger aus ihren Wohnungen ins Grüne. Neben den Parks findet man auch auf dem Panke-Grünzug das eine oder andere schöne Fleckchen, wo man die Sonne genießen kann. Doch im Buschwerk oder am Uferstreifen zeigen sich nicht nur pflanzliche Frühlingsboten, sondern auch der ganze Müll eines Winters. Warten, dass der von allein verschwindet, kann man oft lange. Der aufmerksame Bürger kann es der Stadtreinigung überlassen, den Unrat aufzusammeln, denn die BSR hat ein Dreckeckentelefon eingerichtet und rückt an, wenn es sich so richtig lohnt. Wenn das alles nicht hilft, heißt es selbst zupacken.
“Gleich drei Putzaktionen werden wir in diesem Frühling an drei Abschnitten der Panke durchführen”, sagt Thorsten Haas von panke.info e.V. Auftakt wird die Aktion am Montag, den 16. April um 14:00 Uhr vor der Uferstraße 12 (Kino am Ufer) sein. Am Donnerstag den 19. April ebenfalls ab 14:00 Uhr wird die Wildnis vor der Bibliothek am Luisenbad, Travemünder Straße 1, gesäubert. Diese Aktion findet in Kooperation mit der Freiwilligenagentur Wedding statt. Beim anschließendem Kaffee wird der achte Geburtstag der Freiwilligenagentur gefeiert.
Dreck weg an der Panke heißt es zum Abschluss am 23. April im Rahmen der Kampagne “Schön und Gut, Sauberkeit im Soldiner Kiez”. Stadtrat Carsten Spallek nutzt den Termin, um selbst zuzupacken und somit das eine oder andere schöne Fotomotiv für die Presse zu bieten. Treffpunkt ist die Panke-Fußgängerbrücke an der Gotenburger Straße um 16:00 Uhr. Um 18:00 Uhr wird die Aktion auf dem Abenteurspielplatz Panke (Gottschalkstraße Ecke Wilhelm-Kuhr-Straße) mit einem gemeinsamen Essen ausklingen.
Für die Vorbereitung und Durchführung der Aktionen braucht panke.info natürlich jede Menge freiwillige Helfer. Nicht nur mit Greifern und Handschuhen: “Gesucht werden Menschen, welche die Öffentlichkeitsarbeit unterstützen und beispielsweise Flyer verteilen” erzählt Thorsten Haas. Gern gesehen sind auch Kuchenspenden. Wer die Aktionen fotografisch dokumentieren möchte, kann sich ebenfalls an panke.info wenden. Da auch Kindergärten und Schulen an den Aktionen beteiligt sind, können sich auch Freiwillige bei der Betreuung der Kinder einbringen. “Und selbstverständlich werden viele helfende Hände für die Durchführung der Putzaktion entlang der Panke gebraucht”, betont Thorsten Haas noch einmal. Darum geht es letztendlich ja: dem Dreck selbst etwas entgegenzusetzen.
Veranstaltungstipp: Mit dem Grünflächenamt ins Gespräch kommen
Am 16. April um 12:30 laden das Kino am Ufer und der Verein panke.info zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung im Kino am Ufer, Uferstraße 12, ein. Herr Kube und Herr Ruth vom Grünflächenamt Berlin-Mitte beantworten die Fragen der Anwohner zum Thema Baumfällungen, Pflanzenrodungen und zur geplanten Umgestaltung der Panke. Interessierte sind eingeladen, ihre Fragen zu stellen. Im Anschluss an die Veranstaltung findet um 14:00 Uhr eine Putzaktion am Grünstreifen der Panke statt. Hierfür werden noch freiwillige Helfer gesucht. Müllbeutel und Zangen werden durch die BSR gestellt.
Die Müllerhalle: Ende eines Trauerspiels, Beginn des Kommerzes
Ja, sie ist hässlich, und ihr Quasi-Leerstand trägt nicht zur Schönheit dieser traditionsreichen Markthalle bei. Ihren herben Charme (und den ihrer Stammgäste) haben die Macher des Magazins “Die Müllerstraße” im Jahr 2011 noch einmal fotografisch dokumentiert. Doch nun steht fest: die Baugenehmigung wird für diesen Monat erwartet und im Mai 2012 wird die Müllerhalle abgerissen. An ihrer Stelle wird ein Neubau errichtet, der schon im September 2013 eröffnet werden könnte (3).
»Die alte Markthalle kann an dieser Stelle nicht wieder belebt werden«, erklärte der baden-württembergische Investor Holger Merz im März 2011 vor der BVV Berlin-Mitte . »Solche Konzepte können heutzutage nur noch in Top-1a-Lagen funktionieren.«(1) Die nördliche Müllerstraße habe nicht die nötigen Standort- Erfolgsfaktoren wie innerstädtische Haupteinkaufslage oder hohe Passantenfrequenz, so die Investoren. (3)
Nun wird es also etwas ganz Originelles geben: ein Einkaufszentrum! Dabei wird den Großteil des Erdgeschosses eine offene Parketage mit 200 Stellplätzen ausmachen, mit Einfahrten an der Müller- und an der Kongostraße. Im rückwärtigen Teil soll die Anlieferung stattfinden.
Ein neuer “Ankermieter” soll sich dann im Obergeschoss der künftigen Halle auf ca. 4.500 Quadratmetern – das entspricht in etwa der Fläche der heutigen Markthalle – ausbreiten. Offiziell wurde nun auch bekanntgegeben, dass die Firma “Kaufland” dieser Ankermieter sein und das Obergeschoss in Beschlag nehmen wird (3). Im Obergeschoss sind dann noch weitere 950 qm für den kleinteiligen Einzelhandel und im Erdgeschoss entlang der Müllerstraße 550 qm vorgesehen.
Die Architektur soll “hochwertig” sein – das Konzept für den klar strukturierten Baukörper sieht großzügige geschlossene Flächen in dunkelgrauem Klinker und Schaufenster zur Müllerstraße vor. Damit soll die Müllerstraße in ihrem oberen Teil optisch aufgewertet werden – keine große Herausforderung angesichts der Trostlosigkeit der alten Halle. Das Baukollegium der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat sich die Architektur noch einmal näher angeschaut, damit das Allerschlimmste verhindert wird. Das vorgestellte Werbekonzept untersagt Neonwerbung auf der Fassade und schreibt stattdessen auf den Glasflächen liegende Schriftzüge mit Einzelbuchstaben vor. Farbige Firmenlogos dürfen nur von Innen an den Scheiben befestigt werden. Einen schmalen halböffentlichen Durchgang, zur hinter der Halle gelegenen Wohnbebauung kritisierten das Baukollegium und der Bezirk. Hier entsteht ein ”Angstraum”. Der Eigentümer, die Merz Objektbau und sein Hauptmieter haben die Anregungen des Baukollegiums, das markante Fassadenkonzept auch in den Details umzusetzen und für einen schmalen Durchgang, einem potentiellen Angstraum, eine andere Lösung zu suchen, aufgenommen.(2)
Die letzten Mieter sind nun gekündigt und sehen einer ungewissen Zukunft entgegen. „Klar ist, dass nicht alle zurückkehren werden“, erklärte der Mitarbeiter von Merz Objektbau schon im März 2011. Es gebe Mieter, die unbedingt bleiben wollen und andere, die für sich keine Zukunft an dem Standort sehen. (3) Wieder andere, wie der Suppen-Treff, haben schon jetzt an einem neuen Standort neu angefangen.
Die Geschichte der Müllerhalle ist übrigens ziemlich schillernd. An diesem Standort befand sich bis 1928 eine Tierarztpraxis mit Hundefriedhof, wo bis zu 400 Hunde bestattet waren (1). Nur böse Zungen dürften nun behaupten, dass in der Müllerhalle der Hund begraben liegt….
Quellen: (1) Sanierungszeitschrift Ecke Müllerstraße, (2) Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, (3) Berliner Woche
Gözleme: schmeckt an der ganzen Müllerstraße
Die türkische Esskultur bereichert Berlin in regelmäßigen Abständen – immer wieder neu. Der Döner Kebap ist aus den Straßen der Hauptstadt, auch außerhalb der bunt gemischten Innenstadtkieze, nach vierzig Jahren nicht mehr wegzudenken. Und jetzt: Gözleme. Seit einigen Jahren erobern die dünnen, meist herzhaft gefüllten Fladenbrote aus Mehl, Wasser und Salz die Müllerstraße in Berlin-Wedding.
Auf allen Abschnitten der 3 Kilometer langen Straße befinden sich Imbisse, die die anatolische Spezialität verkaufen. Anders als das Abschneiden von Fleisch vom Dönerspieß handelt es sich bei der Gözleme-Herstellung um eine Frauendomäne. Die türkischen Köchinnen rollen den Teig in hauchdünne, tellergroße Fladen. Diese werden zur Hälfte belegt – mit Hackfleisch oder Kartoffeln, Gouda oder Spinat. Dem Variantenreichtum sind eigentlich keine Grenzen gesetzt.
Dann werden die Fladen einmal umgeklappt und ohne Fett gut fünf Minuten auf einer gewölbten Herdplatte gebacken. Am Ende schneiden die Türkinnen den Gözleme mit einem Pizzaschneider in vier Teile, die nebeneinander geschichtet werden. Dazu passt als Getränk am besten Ayran. Und das Ganze kostet eigentlich nirgendwo mehr als zwei Euro. Und, auch ganz wichtig: dafür, dass der Gözleme so leicht wirkt, sättigt er ganz schön!
Höhe U-Bahnhof Rehberge: Sema Gözleme, Müllerstraße 63, 13349 Berlin
Höhe U-Bahnhof Seestraße: Yildiz Frühstückscafé, Müllerstr. 133a, gegenüber Schillerparkcenter, 13349 Berlin, Kontakt: 030- 81617479
Höhe U/S Wedding: Altinyayla Gözleme Evi, Müllerstraße 12 Ecke Lindower Str., 13353 Berlin, Mo-Sa: 9.30-19.30h





























