Kategorie: Dickes W

Dickes W am 22.3. – Der goldene Buddha

Als meine Freundin plötzlich vorschlug, aus dem Wedding wegzuziehen, und dann auch noch in den Prenzlauer Berg, fehlten mir zuerst die Worte. Natürlich müsste ich sie unbedingt von dem Plan abbringen, wie aber war sie überhaupt darauf gekommen? Wir hatten hier doch alles, ich konnte mich jedenfalls nicht beklagen. Döner, Späti, Aldi, Currywurst und Wohnungsentrümpelung waren vielleicht nicht der ganze Kosmos, aus dem ein Wohnumfeld idealerweise bestehen sollte, aber eintauschen gegen Bioläden, Yoga-Zentren, Apple-Shops und kalten Fisch? Aber vielleicht steckte auch etwas anderes dahinter, und sie hatte erkannt, dass es die einzig logische Reaktion auf den vermehrten Zuzug aus der Gegenrichtung war. Aber den Wedding in den Prenzlauer Berg zu tragen, konnte ich mir das vorstellen? Als heiteres Projekt der Degentrifizierung war es wohl denkbar. Vielleicht ließe sich durch beharrliches Nachfragen in Jogging-Hose auf der Schönhauser Allee erwirken, dass man dort bald auch im Nobel-Italiener Pilsator bekäme, und Futschi zum Sushi. Wenn wir aber hier die Stellung verlassen würden, gäbe es im Wedding sicher bald Bionade und Maultaschen im “Süffel 2″, veganen Döner am Eck und Aromatherapie bei McFit. Ich nahm mir vor, meine Freundin nebenan zu einer saftig fettigen 2-Euro-Nudelpfanne einzuladen und das Ganze noch einmal bei einem Dosenbier zu besprechen. Aber dann kam es doch anders.

Dickes_W_Der_Mietstreit

Freitag, 22.3. /21 Uhr
Mastul (Liebenwalder Str. 33)

Dickes W – die Interactive-Fiction-Show
Wieder stoßen Ingo Scharmann & Frank Sorge mit einer interaktiven, computergestützten Lesung in das prickelnde Neuland zwischen Computerspiel und Literatur vor. Sie lesen, während das Publikum per Zuruf über die nächsten Schritte der Story entscheidet. Diesmal haben sie die aufgemotzte erste Folge ihrer Wedding-Soap “Dickes W” im Gepäck: Alle die bei der Premiere unentschuldigt gefehlt haben, können sich auf die Prenzelberg-Bashing-Episode: “Der Mietstreit” freuen.

Mehr: www.interactive-fiction-show.de & www.facebook.com/dickesw & hier im Weddingweiser.

Dickes W – Weihnachtsterror am 22.2.

Ich kam am Heiligabend-Nachmittag in meine Stammkneipe und sah ihn im Hinterraum sitzen. Eine erbärmliche Gestalt, dem leeren Bier- und Schnapsglas nach hatte er sich vorzeitig in die Heiligabend-Nacht getrunken. Es schläft natürlich auch das ganze Jahr über gelegentlich jemand am Tisch ein, es ist an sich nichts Ungewöhnliches und nicht immer steckt eine Tragödie dahinter, wenn jemand zu tief ins Glas geschaut hat. Da der arme Tropf aber komplett in ein Weihnachtsmannkostüm gekleidet war, hatte er zu dieser Zeit an diesem Tag wohl gegen eine besondere Problemlage zu kämpfen. Neben dem Bedauern löste er aber auch eine gewisse Erleichterung bei mir aus, darüber, dass es doch immer jemanden gab, dessen Situation verzweifelter war als die eigene. Denn ich war auch nicht ohne besondere Problemlage hier aufgekreuzt.

weihnachtsterror_netz

“Na, Marc, wieder Probleme mit deinem Weihnachtsgeschenk?”, begrüßte mich Paula, die dem Weihnachtsmann das leere Schnapsglas wegräumte.

“Mehr als das.”

“Noch mehr als letztes Jahr?”

“Ja.”

“Oh. Was ist passiert?”

“Um es kurz zu machen, ich hab vor ein paar Wochen Elas Eltern erzählt, was ich ihr schenke. Und irgendwie haben sie es geschafft, ihr das gleiche zu schenken.”

“Dann musst du es schaffen, dass sie deins als erstes auspackt”, schlug Paula vor.

“Rat mal, wie ich es gemerkt habe?”

“Tja, Pech, schenk ihr doch nochmal die Paarmassage wie letztes Mal. Mir ist zwar zu Ohren gekommen, es wären überraschend ein paar mehr Paare gewesen, als gedacht, aber ist ja vielleicht auch nicht ganz ohne Reiz…”

“Hör mir auf damit, ich bin gerade erst die Albträume losgeworden.”

FB_titel2

Trotzdem Paula Recht hatte war es doch noch irgendwie glimpflich verlaufen, noch einmal würde Ela aber vielleicht nicht so viel Geduld mit meiner Geschenkschluderei haben. Wenn ich nicht ganz auf die Schnelle irgendwo hier im Weddinger Kiez noch etwas Ordentliches auftreiben konnte, dann würde der Heiligabend-Abend erst recht zur Katastrophe werden. Auf irgendeiner Meta-Ebene fand ich aber, dass der Weihnachtsmann, der vor seinen Aufgaben kapituliert zu haben schien, mich als Opfer des jährlichen “Weihnachtsterrors” jetzt schon geschlagen hatte. Der Anblick war so ziemlich das deprimierendste Bild zum Fest, das ich mir vorstellen konnte. Hätte ich ein Foto von ihm auf Facebook gepostet, hätte es gewiss der Hälfte meiner digitalen Freunde den Tag versaut. Als Heiligabend-Posting in meinem Wedding-Blog ‘zwischen Tanke und Panke’ wäre es das ideale Bild gewesen, um sich danach aus dem Fenster zu stürzen. Aber ich überlegte mir, über ihn zu schreiben, wenn Weihnachten schon wieder etwas weiter weggerückt ist. Denn wäre dies eine Geschichte gewesen und ich der Held, hätte es wohl meine vorderste und edelste Mission an diesem Heiligabend-Nachmittag sein müssen, diesen vom Glück abgefallenen Weihnachtsmann exemplarisch für alle zu retten. Aber es kam anders, denn meine Situation war trivialer: ich brauchte dringend ein anderes Geschenk für meine Freundin.

Marc Dickes Blogeinträge “zwischen Tanke und Panke” sind hier im Weddingweiser zu lesen. Ob er auf die letzte Minute noch irgendein überzeugendes Geschenk für seine Freundin findet, oder ob die Beziehung pünktlich zum Fest der Liebe hart auf die Probe gestellt wird, das wird in Episode 2 “Weihnachtsterror” erstmalig live am Freitag, 22.2., im Mastul entschieden. Um 21 Uhr geht es los, Frank Sorge und Ingo Scharmann lesen vor, was passiert, außerdem wird auch so etwas vorgelesen und unser musikalischer Gast Hagen Damwerth macht interaktiv Musik mit dem Publikum. Zur Vorbereitung überhaupt oder noch einmal die Episode 1 zu spielen, ist natürlich auch eine gute Idee. 

Dickes W am 12.12.: Klub Karisma

»Ela, hast du vielleicht Lust, nach Hamburg zu fahren?« versuche ich meine Freundin für meine Wochenendplanung zu begeistern, »wir können mal wieder meinen alten Freund Ingo besuchen.«
»Welchen Ingo?«
»Du weißt schon, dieser Ingo, der in Hamburg einen Pudelsalon betreibt. Hier, ich bin gerade über seine Visitenkarte gestolpert, hab mich lange nicht gemeldet.«
»Zeig mal her«, sagt Ela und liest kopfschüttelnd den Schriftzug vor, der gemeinsam mit einem frisch frisierten Pudel die Karte schmückt: „Percy’s Poppenbüttler Pudel-Paradies. Ach, jetzt weiß ich, der Typ mit dem weinroten Seidenanzug.«.
»Äh… war der weinrot? Also ich weiß nur noch…«
»Ist mir klar, dass du da nicht mehr viel erinnerst. Der war so furchtbar! Außerdem hast du nicht gesagt, du willst am Wochenende auf den Weihnachtsmarkt gehen?«
»Wer ist furchtbar? Der Anzug oder Ingo? Ich habe ja nicht gesagt, dass der Weihnachtsmarkt in Berlin sein muss.«
Ela holt tief Luft: »Von wegen Weihnachtsmarkt, mein Süßer. Süßer die Glocken nie klingen. Ich habe jedenfalls keine Lust, wie das letzte Mal zu diesem Klub Dingsda mit euch beiden über die Reeperbahn zu ziehen, und daneben stehen zu müssen, während ihr euch mit den Nutten unterhaltet.«
In einer offenbar stark beschädigten Region meines Gehirns dämmert schemenhaft die Erinnerung an jene Nacht herauf. Tatsächlich hatten Ingo und ich unheimlich viel getrunken, was es rückblickend natürlich erschwert, die richtigen Argumente zur Rechtfertigung zu finden.
»Das war doch nur Spaß, und waren doch auch ganz nette Prostituierte. Und dann haben die uns halt ständig Fragen gestellt, wir wollten nur freundlich sein und sie mit Respekt behandeln.«
»Und dann im Stripclub alle Hemmungen fahren lassen, jaja…«
»Waren wir wirklich im Stripclub?«
»Reingefallen. Nein, dieser Klub, zu dem Ingo wollte, der war nur für Frauen. Aber ich war nah dran, euch draußen stehen zu lassen und selbst reinzugehen.«
Nachdem wir eine Minute schweigend auf den Couchtisch gestarrt hatten, fragte Ela: »Also? Bleiben wir hier?«
»Ja, Schatz, wir bleiben hier.«

Cover_Karisma

Es gibt Orte, die noch verrufener sind als der Wedding. Am Mittwoch, den 12.12. betreten Frank Sorge und Ingo Scharmann den Hamburger KLUB KARISMA in einer interaktiven Geschichte von Christian Blümke. Das Publikum schlüpft in die Rolle von Ingo Percy Wuttke und kann per Zuruf über die nächsten Schritte der Story entscheiden. Los geht’s um 21 Uhr im Mastul. Die nächste Episode von Dickes W mit Ela und Marc folgt am 18. Januar.